Alltagspirouetten

Sie und er finden sich in der Uneinigkeit. 

Steven Schneider: Gemeinsam zu arbeiten hat seine Nachteile. Noch dazu, wenn der Geschäftspartner Schreiber heisst und meine Frau ist. Sie hat sich bei der Vorbereitung auf unser neues Leseprogramm auf den Titel «Alleine sind wir weniger kompliziert» eingeschossen. Passt vielleicht zu einem Soloprogramm. Aber wir sind nun mal zu zweit. Zudem hat sie mein Arbeitsblatt komplett ignoriert. Auch meine ausgewählten Kolumnen passten ihr nicht: «Du hast nur die ausgesucht, bei denen du gut abschneidest.» Dann lachte sie und sagte: «... abschneiderst ...»

«

Gemeinsam zu arbeiten hat auch seine Nachteile!»

Sehr lustig! Zum Thema Glück ist ihr bloss eingefallen: «Glück peppt nicht! Jedenfalls nicht auf Papier.» Mir ist zwar zum Thema «Glück» auch nicht viel in den Sinn gekommen, das muss ich zugeben. Aber dafür andere Knüller: «Alltagspirouetten» oder: «Sie hat recht und er hat rechter». «Na, was meinst du? Welchen sollen wir nehmen?», frage ich sie. Ich selber kann mich nur schwer für einen allein entscheiden. Irgendwie hat jeder dieser Titel das gewisse Etwas. «Also, mich haut davon keiner um», bremst mich Schreiber aus. Na, toll! Ich ziehe einen dicken Strich über mein Arbeitsblatt und sage ärgerlich: «Ausser Spesen nichts gewesen.»

Sybil Schreiber: Schneider schmollt, weil mich seine Titelvorschläge für unser neues Leseprogramm nicht umhauen. Dafür fällt mir schon wieder ein Brüller ein: «Im Doppel halb so schwer!» Doch den behalte ich besser für mich, Schneider könnte das persönlich nehmen, denn er kämpft akut gegen Kalorien. Deshalb sage ich vermittelnd: «Echt knifflig, unsere gemeinsame Arbeit am neuen Programm. Wäre einer von uns der Chef, wärs einfacher. Dieses Alles-aufeinander-Abstimmen macht uns schwerfällig.» Schneider nickt. Ich denke laut weiter: «In einer Beziehung müssen beide auf ihre Kosten kommen. Geht die Rechnung nicht auf, lebt man auf Pump.» Schneider nickt.

«

Typisch, jetzt spielt er sich als Solist auf.»

«Und zahlt Zinsen.» Nun murmelt er: «Das sind dann die Spesen einer Liebe ...» Ich unterbreche ihn: «Liebe klingt schwülstig. Ersetzen wirs doch mit Ehe!» Schneider ruft: «Spesen einer Ehe!», greift nach seinem Zettel, den er vorhin mit einem dicken Strich verunstaltet hat, und wedelt damit in der Luft herum: «Siehst du, ohne mein Papier wäre ich nie auf diesen super Titel gekommen.» Er? Wie bitte? Typisch. Jetzt spielt er sich als Solist auf. Soll er doch. Denn es ist ja klar, dass ich die Dirigentin bin von unserer Sinfon-Ehe.

(Coopzeitung Nr. 48/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 25.11.2013, 09:17 Uhr

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