Alpleben

Alp – das ist mehr als Kühe und Käse. Fünftklässler aus Othmarsingen haben geholzt, gezäunt und einen weisen Mann kennengelernt. Die Kinder sind begeistert.

Das erste Mal prägt.  Alessandro wird darum nie vergessen, dass er Gämsen gesehen hat. Chiara wird sich immer daran erinnern, wie unglaublich weich sich Wollgras auf der Haut anfühlt, und Lukas hat eine ganz neue Welt entdeckt: «Hier oben ist alles anders, intensiver.» Hier oben – das ist auf der Fluonalp ob Giswil im Kanton Obwalden auf 1534 Metern, wo Lukas, Chiara und die anderen Fünftklässler aus Othmarsingen AG fünf Tage lang neue Erfahrungen machen. «Angefangen hat das schon in der ersten Nacht», erzählt die Lehrerin Bettina Renner (30). «Es hat dermassen gestürmt, dass die Balken gestöhnt haben. Für die Schüler wars ein Abenteuer, ein paar haben kein Auge zugetan.»

Abenteuerhaft

Das Abenteuer geht nahtlos weiter. «Ich war noch nie so hoch in den Bergen – es ist wunderschön», sagt Sorab und probiert Holzscheite so zu schichten, dass der Holzstoss auch zwei Jahre übersteht. Wie das geht und warum das so sein muss, erklärt ihm Hans Slanzi (68). «Holz muss trocknen, bevor man es verbrennen kann», sagt der Einheimische, der die Schüler betreut. Ein anderer Betreuer, der 83-jährige ehemalige Älpler Gregor Halter, zeigt, wie man einen währschaften Zaun macht. Der alte Mann strahlt Würde aus, die Kinder sind fasziniert. Während dem Zäunen hören sie Halter zu, wie er von früher erzählt: «Da gabs keinen Strom, kein Radio oder gar eine Dusche auf der Alp. Die Tiere haben wir  auf der Weide von Hand gemolken.» Die vielen Alpsommer haben dem Mann nicht nur Würde, sondern auch Weisheit verliehen. Darum sagt er: «Kinder, Znüni gehört auch dazu. Kommt, wir essen etwas.» Znüni gabs schon damals, sonst ist vieles anders geworden. Heute gibts auf der Fluonalp sogar eine Absauganlage für die Milch.

«

Den Kindern hat sich eine neue Welt aufgetan.»

Bettina Renner, Lehrerin
 
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Sagen und Geschichten

Aber die Arbeit ist geblieben, wie Lukas festgestellt hat: «Die Älpler stehen – glaub ich – schon um drei Uhr auf und gehen um Mitternacht ins Bett.» Ganz so schlimm ist es nicht, wie Sonja Schnider glaubhaft versichert. Sie und ihr Mann Thomas betreiben die Fluonalp, die unter Mithilfe der Coop Patenschaft für Berggebiete saniert wurde. Sonja ist so etwas wie der gute Geist der Alp mit Alpbeiz, Schaukäserei, Aktivferien und Weiterem mehr. In einer Zeit, in der viele Alpen wirtschaftlich nicht überleben, eröffnen solche Aktivitäten neue Perspektiven (siehe Statistik). Die Kinder, die ihre Alpwoche in einem Pro-Montagna-Wettbewerb gewannen, haben nicht nur Holz gebuckelt oder Zäune errichtet. Sie trieben Vieh, schauten beim Melken zu, wanderten und Albert erzählte ihnen Sagen. «Den Kindern hat sich eine neue Welt aufgetan», zieht Lehrerin Renner Bilanz und fügt bei: «Einen Alpaufenthalt kann ich allen Schülern nur empfehlen.» Lehrern natürlich auch.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Visualimpact.ch/Rainer Eder
Veröffentlicht:
Montag 06.07.2015, 18:50 Uhr

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