Küfer Franz Hüsler liebt seine Arbeit genauso wie den Wein, der später in den Fässern reift.

Alte Handwerkskunst: Meister der Fässer

In der Schweiz gibt es heute nur noch wenige ausgebildete Küfer. Franz Hüsler, der letzte Küfer der Romandie, arbeitet in Saint-Légier VD – und stammt ursprünglich aus der Innerschweiz.

Sieht man Franz Hüsler bei der Arbeit zu, wird klar, dass sein Handwerk genauso viel Kraft wie Fingerspitzengefühl erfordert. «Natürlich schlägt man recht heftig zu, um das Fass zu formen. Aber vor allem muss man genau sein», sagt der Küfer, der in Saint-Légier VD arbeitet. «Schliesslich ist für den Winzer sowohl die innere als auch die äussere Beschaffenheit des Fasses wichtig.» Neben ihm warten mehrere Barriquefässer (siehe Reiter Holzfässer) darauf, bearbeitet zu werden. Heute werden fast alle Barriquefässer in Frankreich hergestellt. Franz Hüsler kümmert sich vor allem um deren Instandhaltung. «Wenn man das Innere eines Barriquefasses abhobelt, hat der Winzer ein paar Jahre länger etwas davon.»

Kleinere Fässer gefragt

Er selbst ist Meister der grossen Lagerfässer, die der Stolz vieler Kellereien sind. «Gerade beende ich die Arbeit an einem 2400-Liter-Fass und ich verhandle mit einer Kellerei wegen eines 8000er-Fasses.» Doch das sei eigentlich die Ausnahme. Viele der grossen 20 000-Liter-Lagerfässer würden durch kleinere Behälter ersetzt. «Kellereien, die noch 15 000-Liter-Tanks besitzen, behalten sie, schaffen sich aber keine neuen mehr an.»

Weil die Holzfässer jeweils für mindestens hundert Jahre in einem Keller bleiben, übernimmt Franz Hüsler zuweilen auch die Pflege echter «Senioren». Wenn die Diagnose abgeschlossen ist, folgt die Behandlung: Innen- oder Aussenreinigung, Austausch einer Daube oder eines Reifens, Entkalkung. Doch das Grösste ist für ihn nach wie vor die Fertigung eines ovalen Fasses. «Ein rundes Fass ist einfacher, weil die Dauben alle gleich sind. Ein ovales Fass zu bauen, ist weitaus komplizierter.»

Im Waadtland heimisch

Für Franz Hüsler war schon früh klar, dass er Küfer werden wollte. «Als Jugendlicher probierte ich verschiedene Handwerksberufe aus. Die Küferei war das Einzige, das mir wirklich gefiel.» Nach seiner Ausbildung an der Weinfachschule in Wädenswil verliess er vor über dreissig Jahren die Innerschweiz, um Französisch zu lernen. Im Kanton Waadt gefiel es ihm so gut, dass er beschloss, zu bleiben.

«Ich mag den Kontakt zu den Leuten aus der Gegend», erzählt er. Von einigen seiner Kunden kenne er gar drei oder vier Generationen. «Es freut mich immer, diese Familien wiederzusehen und etwas von ihrem Erfahrungsschatz mitzubekommen.» Schliesslich verfolge er das Wachstum der Trauben genauso aufmerksam wie die Winzer. «Es ist unmöglich, Qualitätsarbeit zu leisten, wenn man nicht durch die Liebe zum Wein beflügelt wird.» 

Restaurieren für zweiten Gebrauch

Viele hochwertige Rot- und Weissweine werden in kleinen Eichenholzfässern mit 225 Litern Fassungsvermögen, sogenannten Barriques, ausgebaut. Ein solches Fass kostet je nach Holz und Hersteller zwischen 500 und 1500 Franken. Nur bei der ersten Füllung gibt das Holz viel Aroma an den Wein ab. Um das Leben dieser Fässer zu verlängern, können sie restauriert werden. Bis vor wenigen Jahren war die einzige Möglichkeit, das Fass zu öffnen, die Fassdauben abzuhobeln und neu zu rösten. Allerdings ist dieses Verfahren aufwendig und die Qualität solcher Fässer oft nicht ganz zufriedenstellend. Deshalb sind neue Verfahren entwickelt worden. Die eleganteste neue Technik reinigt das Barrique mit Trockeneis (festem Kohlendioxid), das mit Hochdruck in das Fass gespritzt wird, von Ablagerungen und lässt die ursprüngliche Röstung intakt.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Text:
Anne-Marie Cuttat
Foto:
Charly Rappo/Arkive.ch
Veröffentlicht:
Montag 15.09.2014, 10:29 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?