Die Trauben trocknen nach der Ernte bis zu drei Monate lang.

Amarone: Der Rosinen-Wein

Getrocknete Trauben sind die Basis für dieses Kraftpaket aus dem Nordosten Italiens. Bis das Potenzial des Amarone erkannt wurde, vergingen aber einige Jahrzehnte.

Mit einer jahrhundertelangen Geschichte kann der Amarone della Valpolicella nicht auftrumpfen. Je nach Quelle ist er in den 1930er- oder den 1940er-Jahren entstanden. Dafür erzählen die Menschen in Italien eine hübsche Anekdote zu seiner Entstehung. Doch zuerst zu seiner Herkunft: Im Gebiet Valpolicella, nordwestlich von Verona, werden traditionell leichte Rotweine gekeltert und jung getrunken. In manchen Jahren wird ein Teil der Trauben auf Holzhurden über vier Monate getrocknet, um da-raus den Süsswein Recioto herzustellen. Während der Trocknung verlieren die Trauben bis zur Hälfte ihres Wassergehalts. Das Resultat ist ein fruchtiger, sehr lieblicher Wein, der an Portwein erinnert.

Eines Tages – und jetzt kommen wir zur Legende – soll ein unachtsamer Mitarbeiter einer Kellerei ein Fass Recioto vergessen haben. Darin gärten die Hefen munter weiter, sodass fast nichts mehr übrig blieb von der Süsse. Eine bittere (= amaro) Note dominierte. Statt dem zuckersüssen Recioto hatten die Winzer nun einen schweren, fast schon trockenen Rotwein mit einem hohen Alkoholgehalt von bis zu 17 Prozent. Weil so ein Wein in Italien zu jener Zeit aber nicht gefragt war, suchten die Winzer nach anderen Absatzmärkten. Diese fanden sie in Kanada, wo sich Exil-Italiener mit dem Amarone über den dunklen und kalten Winter hinwegtrösteten. So richtig erfolgreich wurde der kraftvolle Rote aus Venetien aber erst in den 1980er-Jahren, als Weinliebhaber auf der Suche nach ausgefalleneren Weinen den Amarone wiederentdeckten. Heute gilt er als einer der ganz grossen italienischen Rotweine.

Die Traubensorten Corvina, Rondinella, Molinara und Corvinone Veronese bilden seine Basis. Nach der Ernte im Oktober werden die Trauben in Kisten oder Holzhurden während bis zu drei Monaten getrocknet. Dann werden sie gepresst und anschliessend während etwa drei Wochen bei permanenter Umwälzung vergoren. Schliesslich folgt der Ausbau im Holzfass, der in der Regel drei Jahre dauert. Nach einem Jahr in der Flasche kommt er in den Verkauf. Die Rosinen-Noten von den getrockneten Trauben finden sich auch im Endprodukt wieder. Hinzu kommt eine unglaublich vielfältige Aromatik: Beeren, Zwetschgen, Tabak, Nelken, Zimt, Kirschen und Schokolade sind nur einige der Aromen, die bei Degustationen oft genannt werden. Die Gerbstoffe sorgen als Gegenstück dafür, dass die fruchtigen Aromen ausbalanciert werden. Das Resultat passt wunderbar zu Braten, rezentem Käse, Polenta und Schmorgerichten.

Übrigens: Findige Winzer entwickelten eine Möglichkeit, mit den Rückständen aus der Amarone-Herstellung andere Weine zu veredeln. Der Ripasso etwa entsteht, indem ein im Herbst normal gekelterter Wein im Frühjahr mit dem Trester des Amarone vermischt wird. So findet noch einmal eine kurze Gärung statt. Dadurch nimmt der Ripasso den Rosinengeschmack an, ist aber weniger schwer und auch günstiger als der Amarone.

Der Rebschnitt: Guter Wein wird im Rebberg gemacht

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Jeden Winter, wenn der Saft in der Rebe nicht mehr steigt, werden die Triebe vom letzten Jahr gekürzt – die Rebe wird geschnitten. Dies ist eine der wichtigsten Arbeiten jedes Winzers, weil dabei der potenzielle Ertrag und auch die voraussichtliche Traubenqualität des nächsten Jahrgangs bestimmt wird. Die Rechnung ist nicht schwierig: Pro Knospe, welche beim Rebschnitt am Stock belassen wird, sollte im Frühling ein Trieb wachsen und pro Trieb zwei Trauben. Mit der Erfahrung weiss der Winzer, wie viele Trauben sein Rebberg reifen lassen kann und er lässt nur entsprechend viele Knospen stehen. Gleichzeitig weiss der Winzer auch, wie viele neue Triebe im Frühling wachsen werden und er platziert die Knospen so, dass eine leicht zu bearbeitende
Laubwand wächst, welche die Sonnenstrahlen optimal einfängt.

Ein saftiger Süditaliener

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin
Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

In einem heissen Klima wie Sizilien Wein zu machen, ist gar nicht so einfach. Denn zu viel Sonne bewirkt, dass in den Trauben Zucker auf- und Säure abgebaut wird. Das Ergebnis sind oft marmeladige Tropfen, denen es an Frische mangelt. Doch auf dem Weingut Cusumano hat man offenbar Übung. Vor über 40 Jahren gründete Francesco Cusumano den Betrieb nahe Palermo; heute sind seine Söhne am Ruder und keltern unter der sizilianischen Sonne Weine wie den Benuara: Dieser besticht mit seinem satten Beerenbouquet, Kaffee- und Kräuternoten, packt den Gaumen mit feinrauen Tanninen sowie griffiger Säure und bleibt saftig bis ins Finale. Kleines Plus: Der Wein ist mit einem Glasstopfen verschlossen. Machen Sie es wie ich, recyceln Sie ihn als
Verschluss für angebrochene Flaschen.

Sicilia IGP Benuara Cusumano, 2012

Herkunft: Italien
Region: Sizilien
Rebsorte: Nero d'Avola, Syrah
Genussreife: 2–5 Jahre ab Ernte
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen oder auf Coop@Home

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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Alamy, Beatrice Thommen-Stöckli, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 24.02.2014, 10:00 Uhr

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