Angel-Unglück

Sie: Unsere WC-Türe im Parterre ist zum Jahresanfang aus der Angel gebrochen. Knack! Sie hängt schräg im Rahmen, nur noch zwei der drei Gelenke sind dran, das oberste ist komplett zerborsten. «Die Türe ist futsch», sage ich zu Schneider. Er sagt: «Ja, da müssen wir was machen.» Seine Aussage «Da müssen wir was machen» ist klassisch, denn sie bedeutet: Kümmere du dich doch bitte drum. Das tue ich und bestelle bei der Schreinerei Ersatzteile. «Die neuen Türbänder sind da», sage ich ein paar Tage später zu Schneider.

«

Ein Mann, ein Wort.»

«Bänder?» «Tja, so heisst das auf fachmännisch», erkläre ich. Worauf er verkündet: «Ich kümmere mich drum.» Ein Mann, ein Wort. Er holt Schraubenzieher und legt los. «Äh, du, der Typ von der Schreinerei hat mir gesagt, wir müssten die Türe vorher aushängen», unterbreche ich seinen Tatendrang. «Nein, das geht auch so, aushängen ist heikel.» Ich beobachte Schneider, dann die Türe, dann sage ich: «Wenn mir ein Fachmann den Tipp gibt, die Türe auszuhängen, hat das Relevanz.» Jedenfalls mehr, als wenn sich mein Mann plötzlich als Handwerker aufspielt. Er schraubt, ich bestimme: «Häng sie aus!» Schneider ächzt: «Bist du 100 Prozent sicher?» «Schon, ja, doch, also ziemlich.»

Er: Schreibers «schon, ja, doch, also ziemlich» hätte mir eine Warnung sein sollen. Denn erst nach einem Gewaltakt konnten wir die Türe gemeinsam aus den Angeln heben. Dabei klemmte ich mir fast den Finger ab und Schreibers Zehe wäre beinahe zu Mus zerquetscht worden. Nun gut. Die zwei kaputten Türbandoberteile sind rasch gewechselt, die Tür muss jetzt nur noch zurück in den Rahmen. Aber sie wiegt, so dünkt mich, noch schwerer und wir schaffen es einfach nicht, sie präzis über alle drei Bandunterteile zu lupfen.

«

Ich klemme mir fast den Finger ab.»

Aber die Höhe ist: Während ich mich lautstark ärgere, wird Schreiber von kolossalen Lachanfällen durchgeschüttelt. Sie japst nur noch. Als sie wieder Luft kriegt, schleppt sie Speckbrettchen aus der Küche ran, um die Türe zu unterlegen. Nützt nichts. Entweder sind sie zu dick oder zu dünn. Dann rennt sie zum Computer und sucht bei Youtube Unterstützung: Ein Mann in Latzhose zaubert locker eine Türe in die Angeln. Dafür empfiehlt er ein Werkzeugset für 49 Franken, das er in drei Tagen liefern kann. Schreiber lacht sich schlapp und sagt: «Siehst du, wir sind nicht allein.» Nein, denn wäre ich allein, hätte ich die Türe nie ausgehängt, sondern einfach repariert.

 (Coopzeitung Nr. 02/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 11.01.2016, 15:00 Uhr

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