Lieblingsort: Anna Känzig fühlt sich am Ufer der Limmat wohl.

Anna Känzig: «Die Stimmung im Song ist wichtig»

Unterwegs Musik hat von klein auf ihr Leben geprägt. Demnächst erscheint ihr drittes Album. Und jetzt macht sie mit beim Projekt «So klingt die Schweiz».

Die Stimme ist wie das Wasser im Fluss, sanft und kraftvoll. Geprägt von der Musik ihrer Eltern, die lange in den USA lebten, war sie bislang der Tradition der Singer-Songwriter verpflichtet. Künftig will Anna Känzig (30) aber auch andere Töne anschlagen.

Sie sind am Zürichsee aufgewachsen – wieso sitzen wir nun hier an der Limmat?
Seit ich in der Stadt Zürich wohne, habe ich den Fluss schätzen gelernt, sehe ihn aber auch mit Respekt. Er hat etwas Faszinierendes, und das Fliessen ist so beruhigend. Tut mir leid für den See …

Dass Sie Musikerin sind, hat etwas mit dem Arbeitszimmer Ihres Vaters zu tun.
In diesem Raum standen alle möglichen Instrumente, ein Klavier und auch alte Synthesizer. Mein Vater ist eigentlich Fotograf, aber auch so eine Art MultiInstrumentalist. Er hat sich das alles selber beigebracht. Dieser magische Raum in unserem Haus hat mich immer extrem fasziniert. Anstatt meine Hausaufgaben zu machen, hing ich lieber dort herum und probierte alles aus.

 
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Sie haben sich dann zunächst einmal für die Gitarre entschieden – warum?
Damals hatten wir einen Garten, und ich fand es lässig, dass man die Gitarre nach draussen oder in die Ferien mitnehmen kann. Das Klavier lässt sich eben nicht so einfach auf den Rücken nehmen. Zudem war ich fleissige Pfadfinderin, und die Pfadileiter hatten natürlich auch immer ihre Gitarre dabei.

Sie haben es dann aber nicht bei den drei Akkorden belassen …
Ich wusste schon sehr früh, dass ich eine musikalische Ausbildung machen wollte  und habe den Weg auch recht gradlinig verfolgt. Ich will aber nicht der Karriere zuliebe die Freude an der Musik und die Kreativität verlieren.

Ist das der Grund dafür, dass Sie noch als Newcomer tituliert werden, obwohl jetzt schon Ihr drittes Album erscheint?
Dass man mich manchmal nicht richtig einsortieren kann, liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nie einen Mega-Hit hatte, der den ganzen Sommer lang rauf und runter gespielt wurde. Doch das hat mich nie gross gestört – ich habe einfach immer meine Musik gemacht.

«

Ich bin sehr gern draussen. »

Aber so ein Mega-Hit wäre schon schön?
Meine Musik war bisher viel ruhiger und eher für die kleinen Bühnen geeignet. Mit der neuen CD ändert sich das nun ein wenig. Es ist schon ein Traum von mir, auch vor grösserem Publikum auf Festivals aufzutreten – das wäre toll.

In welche musikalische Richtung geht es denn mit der neuen CD?
Es ist schwer, das zu erklären, ohne allzu viel zu verraten. Was man sicher sagen kann: Die Gitarre wird nicht mehr so eine grosse Rolle spielen wie bisher.

Beim Projekt «So klingt die Schweiz» sind Sie derzeit auf der Suche nach Talenten. Wovon lassen Sie sich dabei leiten?
Mir persönlich ist die Stimme wichtig, aber auch die Stimmung im Song. Ich bin da ja eher auf der melancholischen Seite, aber hier geht es sehr lüpfig zu und ich bin sehr gespannt, was da auf mich zukommt. Es könnte wirklich noch ein Spätsommer-Hit werden!

Schmuckstück mit Geschichte: Grosis Armreif.

Schmuckstück mit Geschichte: Grosis Armreif.
Schmuckstück mit Geschichte: Grosis Armreif.

Kommt es bei Ihnen auch einmal vor, dass Sie von der Musik die Nase voll haben?
Das passiert mir vielleicht öfter, als man es bei einer Musikerin vermuten würde. Es gibt Tage, wenn ich Musikunterricht gegeben habe und dann noch Bandprobe hatte, dann komme ich nach Hause und möchte am liebsten gar nichts hören. Ich habe auch musikfreie Wochenenden, an denen ich keinen Ton spiele und singe – das brauche ich einfach.

Und was machen Sie dann?
Ich bin sehr gern draussen, gehe joggen oder fahre mit dem Velo irgendwohin. Auch in den Bergen bin ich sehr gern, insbesondere im Engadin, wo wir ein Häuschen haben. Gerade in diesem Sommer war ich viel wandern, aber nur in berechenbarer Natur, also nicht etwa Klettern oder so. Und Kochen …

… sei nicht gerade Ihre Stärke, hiess es.
Ich bin eher eine chaotische Köchin. Aber ich denke, ich habe ein Talent, aus den Resten im Kühlschrank etwas zu basteln. Darin bin ich wirklich sehr gut.

Wichtiges hält sie als Polaroid fest.

Wichtiges hält sie als Polaroid fest.
Wichtiges hält sie als Polaroid fest.

Ihre Musik ist jetzt nicht mehr so geprägt von Country und Folk. Hat sich damit auch der Traum von Nashville erledigt?
Nein, aber diesen Traum habe ich nun erst einmal ein wenig zurückgestellt. Mit der neuen CD gehe ich ja nun wirklich auch ein wenig in andere Gefilde. Meine Familie hat wahrscheinlich auch Angst davor, dass ich dann gar nicht mehr in die Schweiz zurückkommen würde. Sie wissen, dass mir das gefallen würde – dieser Ort voller Musik! Auch wenn es natürlich sehr hart ist, wenn man dort Erfolg haben will.

Vier Daten im Leben von Anna Känzig

1989 Sie bekommt zum fünften Geburtstag die erste eigene Gitarre.

2003 Sie gründet die Band «Sphère». Zuvor war sie Sängerin einer Schülerband.

2005 Für ein halbes Jahr lebt sie in Kalifornien. Dann beginnt sie die Jazzschule.

2011 Veröffentlichung ihres Debütalbums «Four Acres and No Horse».

Mehr über Anna Känzig und das Projekt «So klingt die Schweiz»

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Lukas Maeder
Veröffentlicht:
Montag 07.09.2015, 18:47 Uhr

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