Ansichtssache: Toyota Prius

Aufwertung Bei der vierten Generation des Hybrid-Klassikers haben die Toyota-Ingenieure ein wenig europäischer gedacht.

Waren Sie schon in Südamerika? In Nordafrika? Gar in Südostasien? Vielleicht schon, die Schweizerinnen und Schweizer sind ja eines der reiselustigsten Völkchen der Erde. Und, haben Sie alles verstanden? Damit meine ich am allerwenigsten die Sprache: Wie oft schauen wir in fremden Ländern Menschen zu, glauben zu verstehen, was Sie gerade tun – und begreifen doch überhaupt nichts. Weil es so schwierig ist, sich in andere Kulturen hineinzuversetzen.

 
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Japanische Ideale

So geht es mir manchmal mit japanischen Autos. Vor allem mit dem Toyota Prius: Wie kann man bloss ein Spritsparmobil entwerfen, das so gewöhnungsbedürftig ausschaut? Wie kann man einen aus viel unterschiedlichem Plastik zusammenkomponierten Innenraum als wohnlich empfinden? Und wieso geben sich Toyotas Ingenieure bei solch einem zukunftsträchtigen Modell nur mit vermeintlich zweitbester Technik zufrieden? Denn viele Marken bieten schon Plug-in-Hybride an, die man auf Kurzstrecken wie Elektroautos fahren und an der Steckdose wieder aufladen kann.

Auf den ersten Blick folgt die vierte Generation des Prius nun dem gleichen Konzept: Die Front wirkt verknittert und das Heck so hoch, dass es fast zu schweben scheint. Und entspricht damit japanischen Schönheitsidealen, wie mir ein Toyota-Mitarbeiter stolz erklärt. Und das setze sich im Innenraum fort. Gut, da bin ich bei ihm: Endlich schaut das Cockpit nicht mehr so lieblos aus wie bei den Vorgängern. Mehr Platz vor allem auf der hinteren Sitzreihe und im Kofferraum gibt es nun auch. Die Oberflächen fasse ich gerne an, der witzig-winzige Hebel für die Fahrstufen könnte wohl auch eine Mondlandefähre manövrieren und die futuristischen Instrumente passen ins Bild.

Harmonisch, aber alles andere als funktional: mittig angeordnete Instrumente.

Harmonisch, aber alles andere als funktional: mittig angeordnete Instrumente.
Harmonisch, aber alles andere als funktional: mittig angeordnete Instrumente.

Besser und erst noch günstiger

Warum aber müssen sie in der Mitte platziert sein? Das ist harmonisch, so der Ingenieur.
Technisch haben er und sein Team wenig verändert – nur die Reibung verringert, einen kleineren Elektromotor eingebaut und die Steuerung der Batterie optimiert. Trotzdem genügt das, um den neuen Prius auf dem Papier immerhin neun Dezi sparsamer zu machen als den Vorgänger. Ausserdem heult sein Getriebe bei Bergfahrten nur noch ein ganz kleines bisschen – früher nervte mich dieses Geräusch deutlich mehr. Aber in Japan fährt man gelassener und gleichmässiger und dazu passt die Getriebecharakteristik gut. Sagt der japanische Ingenieur. Da müssten Europäer sich halt hineinfühlen.

Toyota verbaut noch immer eine konventionelle Batterie statt eines Lithium-Ionen-Akkus wie nahezu alle Konkurrenten. Aber das System ist bewährt und hat die Kosten seiner Entwicklung sicher zu einem Gutteil eingefahren. Deshalb kann Toyota den neuen Prius 300 Franken günstiger als den Vorgänger anbieten, obwohl viel mehr Ausstattung serienmässig mitgeliefert wird. Das verstehen dann auch wir Europäer.

Toyota Prius

Motor & Antrieb
4-Zylinder-Benziner und Elektromotor,
90 kW/122 PS,
stufenloses Getriebe,
Frontantrieb

Verbrauch & CO2
3,0 l/100 km,
70 g/km CO2,
Euro 6, Energieetikette A

Preis
ab 34'500 Franken

Platzangebot    ****
Komfort ****
Kosten/Nutzen    
*****

   
           
    

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Text:
Andreas Faust
Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 28.03.2016, 15:59 Uhr

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