Apfelfest: Saft, Schorle, Most und Co.

In Sursee dreht sich alles rund um Äpfel und Birnen. Woher stammt all das Mostobst, aus dem die vielen Getränkevarianten hergestellt werden?

Die Bauern liefern ihr Mostobst ab, …

Die Bauern liefern ihr Mostobst ab, …
http://www.coopzeitung.ch/Apfelfest_+Saft_+Schorle_+Most+und+Co_ Die Bauern liefern ihr Mostobst ab, …

Wer in Sursee LU dem Zug entsteigt, dem schlägt sofort ein fruchtig-süsser Duft entgegen – zumindest von Ende August bis Anfang November. Dann ist die Apfel- und Birnenernte in vollem Gang. Und die Obstbauern der Gegend bringen ihre Früchte ins Städtchen am Sempachersee, dort, wo Ramseier eine der zwei hauseigenen Mostereien betreibt.

Der «König der Äpfel»: Christian Consoni (46) ist Chef der Ramseier Suisse AG.

Der «König der Äpfel»: Christian Consoni (46) ist Chef der Ramseier Suisse AG.
http://www.coopzeitung.ch/Apfelfest_+Saft_+Schorle_+Most+und+Co_ Der «König der Äpfel»: Christian Consoni (46) ist Chef der Ramseier Suisse AG.

«Unsere geschäftigste Zeit dauert nur elf Wochen im Jahr», sagt Christian Consoni, Chef der Ramseier Suisse AG. «Aber dann herrscht absoluter Hochbetrieb.» Davon kann sich jeder Besucher überzeugen: Wagenladung um Wagenladung Mostobst kommt in Sursee an. Zuerst werden die Anhänger als Ganzes gewogen – einmal mit und einmal ohne Inhalt. «Ausserdem führen wir eine Sicht- und Qualitätskontrolle durch», so der 46-Jährige, der seit sechs Jahren Chef des Unternehmens ist. «Sind die Früchte frisch, gesund, reif, sortentypisch?» Erst dann werden die Mostäpfel – und zu einem kleinen Teil auch Mostbirnen – in das tiefer gelegene Silo geleert. Wie die Tausende und Abertausende Kilo an bunt leuchtenden Früchten auf riesigen Haufen liegen, bieten sie einen beeindruckenden Anblick. «Die Natur, aber auch die Bauern, die ihre Bäume, Blüten und Früchte durchs Jahr hindurch hegten und pflegten, haben wieder eine saubere Arbeit abgeliefert», stellt Consoni anerkennend fest. «Auch wenn sich mir dieses Schauspiel jedes Jahr bietet, wird es mir dabei immer wieder warm ums Herz», sagt er.

Schwache Ernte in diesem Jahr

… das in der Waschanlage gründlich gereinigt wird.

… das in der Waschanlage gründlich gereinigt wird.
http://www.coopzeitung.ch/Apfelfest_+Saft_+Schorle_+Most+und+Co_ … das in der Waschanlage gründlich gereinigt wird.

In diesem Jahr schaut es mit der Ernte aber  mau aus. «Schwere Fröste haben im Frühjahr mehr als die Hälfte der Mostapfelblüten vernichtet», erzählt Consoni. Seit einigen Jahren werden die Schwankungen immer extremer. «Im Jahr 2011 hatten wir einen Rekordsommer mit so vielen Schweizer Äpfeln wie noch nie – wir wussten zum Teil nicht wohin mit ihnen», so der gebürtige Thurgauer.

Ramseier hat reagiert und die Verarbeitungs- und Lagerkapazitäten ausgebaut. Doch zurück zu den Äpfeln: Die angelieferten Früchte kommen in ein Wasserbad, in dem sie grob gereinigt werden. Anschliessend gelangen sie via Fliessband zur zweiten Reinigungsstufe. Dort werden sie mit Trinkwasser abgeduscht. Erst nachdem die ganzen Früchte zerkleinert wurden, gehts mit ihnen ab in die Presse. «Pro Pressgang erhalten wir aus 10 000 Kilo Obst etwa 8000 Liter Saft», erklärt der Ramseier-Chef. Der Pressvorgang dauert bei Äpfeln zwei Stunden, bei Birnen nur eine – sie sind deutlich weicher.

Nur heimische Äpfel und Birnen

Apfelsaft, Wasser und Kohlensäure - mehr kommt nicht in die «Zisch»-Flaschen.

Der gewonnene Most wird anschliessend zu Konzentrat weiterverarbeitet und in riesigen Tanks gelagert – und davon gibt es in Sursee sehr viele. Abgefüllt wird dann bei Bedarf. Nur so kann das Unternehmen, das als Teil der Fenaco-Agrargenossenschaft quasi den 7000 Obstbauern der Schweiz gehört, die Extreme der letzten Jahre ausbalancieren und in schwachen Jahren auf Saft des Vorjahres zurückgreifen. «Mit unserer Strategie mussten wir noch nie Früchte aus dem Ausland importieren, in unseren Apfelsaftprodukten steckte und steckt immer 100 Prozent Schweiz», so Consoni.
Dass der Apfelsaft immer ungefähr gleich schmeckt, ist eine Herausforderung. «Je nach Jahrgang ist eine der über 30 bei uns verwendeten Apfelsorten mal lieblicher, mal saurer», weiss Consoni. «Wir haben extra dafür einen Kellermeister angestellt, der für eine möglichst ausgewogene Mostobstmischung sorgt.» Fans von Süessmost, Apfelsaft und Schorle können also beruhigt sein: Ihr Lieblingsgetränk aus Schweizer Äpfeln und Birnen wird nie ausgehen – und immer gleich gut und erfrischend schmecken.

Mit grossem Lastwagen wurde der abgefüllte Süssmost und Apfelsaft ausgeliefert (ca. 1920er-Jahre).

Mit grossem Lastwagen wurde der abgefüllte Süssmost und Apfelsaft ausgeliefert (ca. 1920er-Jahre).
http://www.coopzeitung.ch/Apfelfest_+Saft_+Schorle_+Most+und+Co_ Mit grossem Lastwagen wurde der abgefüllte Süssmost und Apfelsaft ausgeliefert (ca. 1920er-Jahre).
  • 1910 Gründung der «Emmentalischen Obstweingenossenschaft Ramsei» in Emmental BE durch acht Mostereien. 
  • 1913 Die Genossenschaft lässt das Verfahren zur Herstellung von unvergorenem alkoholfreiem Apfelwein – dem heutigen Süessmost – patentieren.
  • 1925 An den Schweizerischen Landesausstellungen räumen Ramseier-Produkte regelmässig Auszeichnungen ab. In Bern sind es sogar gleich fünf Goldmedaillen.
  • 1934 Inbetriebnahme der schweizweit ersten Anlage zur Konzentratherstellung.
  • 1940 Wegen Zuckermangels im Zweiten Weltkrieg steigt die Nachfrage nach Ramseier Süessmost und Konzentraten stark an.
  • 1954 Der Absatz von Obstwein geht zurück, Süessmost und Fruchtsaftgetränke werden populärer: Apfelsprudel und Apfelsaft naturtrüb kommen auf den Markt.
  • 1977 Die Mostereien Ramsei, Kiesen, Münsingen und Herzogenbuchsee schliessen sich zur Pomdor AG zusammen. Gemeinsam führen sie die Marke Ramseier national weiter.
  • 1980 Die Apfelpressbetriebe Gachnang, Winterthur, Höngg, Wittenbach, Worb, Sursee und Pomog werden eingegliedert.

  • 1999 Kauf der Marke Elmer von Feldschlösschen.
  • 2000 Erste Ramseier Apfelschorle.
  • 2002 Kauf der Markenrechte an Sinalco für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein.
  • 2005 Pomdor fusioniert mit der Granador (Fruchtsäfte) zu Unidrink AG.
  • 2008 Umbenennung von Unidrink zu Ramseier Suisse AG. Umzug des Hauptsitzes von Hitzkirch nach Oberkirch bei Sursee LU.
  • 2014 Der Standort in Hochdorf LU betreibt mit einer neuen Dosenabfüllanlage die grösste unabhängige Schweizer Brauerei.
  • 2017 Zisch wird lanciert. Auf Anhieb kommt  das leichte Apfelsaftschorle bei den Schweizerinnen und Schweizern sehr gut an.

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Markus Kohler

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt, Monique Wittwer
Veröffentlicht:
Montag 13.11.2017, 06:13 Uhr

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