Die Arnika ist schön und hat es in sich: Ihre Blüten-Essenzen werden oft und erfolgreich als Heilmittel eingesetzt.

Arnika: Zauberhaftes Heilmittel

Einst war Arnika eine verbreitete Blume, doch heute gehört sie zu den bedrohten Arten und ist darum geschützt. In ihren gelben Blüten stecken Heil- und angeblich sogar Zauberkräfte.

«Treibt nur eure Künste! Das ist alles recht gut, aber ihr werdet mich doch wohl nicht retten.» Mit dieser Aussage trieb Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) seine Ärzte zur Verzweiflung, als er im Februar 1823 mit einer schweren gesundheitlichen Krise darniederlag. Man vermutet, es sei ein Herzinfarkt gewesen. Hoch erfreut war der Dichter hingegen, als ihm zu Ohren kam, dass man ihm Arnika geben wolle. Sogleich hielt er einen botanischen Vortrag über die Blume, die er oft auf Wiesen gesehen hatte. In seiner Autobiografie «Dichtung und Wahrheit» wird geschildert, wie er sich gegen seine Herzkrämpfe regelmässig einen Arnikatee kochen liess. Fortan lobte Goethe die wohltuende Wirkung der Pflanze.

Sie kommt oft zum Einsatz

Vielleicht rührt der Name «Bergwohlverleih» – eine andere Bezeichnung von Arnika (Arnica montana) – von genau diesem Effekt. Sie ist auch als Kraftrose, Kraftwurz, Wundkraut, Fallkraut oder Bergdotterblume bekannt. In der Naturmedizin kommt Arnika zur Vorbeugung und Nachbehandlung von Schlaganfall sowie als Bestandteil vieler Herz-Kreislauf-Mittel zum Einsatz. Frischpflanzenextrakt aus der Arnika-Wurzel ist ein Venenmittel und hilft bei offenen Beinen. Auch herzstärkende, kreislaufanregende und durchblutungsfördernde Effekte sind bekannt.

Kneipp empfahl es wärmstens

Inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Bergblumen-Blüten Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen und antibakteriell wirken. Als Salbe oder Tinktur kommt Arnika darum bei Schwellungen, Verstauchungen, Prellungen, Muskelkater, Hexenschuss und Ähnlichem zum Einsatz. Das wusste schon Sebastian Kneipp (1821–1897): «Arnika halte ich für das erste Heilmittel bei Verwundungen und kann es deshalb nicht genug empfehlen!»

Die aromatisch duftende, sommergrüne, krautige Pflanze reckt sich 20 bis 60 Zentimeter in die Höhe – ihre Blüten sehen aus wie lauter kleine Sonnen, die sich zwischen Mai und Juli der grossen Mutter am Himmel entgegenrecken. Zu finden sind sie auf Bergwiesen, Weiden und Moorböden im subalpinen und alpinen Gebiet.

Besondere Heilkraft sagte man in der Volksmedizin der Arnika nach, wenn sie am Johannistag gesammelt wurde, also dem 24. Juni. Weil ihre Blüten als Sinnbild der Sonne galten, spielte die Arnika in vielen Volksbräuchen rund um den Johannistag und die Sommersonnenwende eine Rolle und gehörte zu den so- genannten Johanniskräutern. Die Germanen feierten am 24. Juni die Hochzeit des Sonnengottes mit der Erdgöttin, damit im Spätsommer die Ernte gut ausfalle. Erst später fanden Astronomen heraus, dass der tatsächliche Tag der Sonnenwende der 21. Juni ist. Am Abend vor dem Johannistag deponierten zudem die Bauern Arnikasträusse an die Ecken ihrer Getreidefelder. Man wollte so den Korndämon «Bilmesschnitter» daran hindern, das Getreide zu vernichten. Dieser ging vor allem in den Tagen der Sommersonnenwende um.

Hildegard von Bingens Loblied

Diesen Ritualen wohnte natürlich ein Zauber inne. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Arnika ist auch als Zauberpflanze bekannt. Die Klostermedizinerin Hildegard von Bingen (1098–1179) schwärmte von ihren Zauberwirkungen: «Wenn ein Mann oder eine Frau in Liebe erglüht, dann wird, wenn jemand sie oder ihn auf der Haut mit Wolfesgelena (wahrscheinlich ist die Arnika gemeint, Anm. d. Red.)) berührt, der Berührte in der Liebe zum anderen verbrennen. Und wenn das Kraut vertrocknet ist, dann werden Mann oder Frau durch die Liebesglut fast rasend, so dass sie schliesslich unsinnig werden.»

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Veröffentlicht:
Montag 23.04.2018, 09:00 Uhr

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