Da ist es ja wieder, das «Chileli» von Wassen: Dank der Streckenführung mit Kehrtunnels sieht man die Kirche drei Mal.

Auf Bergstrecken unterwegs

Dank der Basistunnels durch Lötschberg und Gotthard lässt sich die Schweiz mit Höchsttempo durchqueren. Deutlich lustvoller ist aber nach wie vor die Fahrt über die Bergstrecken. 

Der «Lötschberger» führt durch verschneite Landschaften.

Der «Lötschberger» führt durch verschneite Landschaften.
http://www.coopzeitung.ch/Auf+Bergstrecken+unterwegs Der «Lötschberger» führt durch verschneite Landschaften.

Es ist 7:58 Uhr. Die Passagiere im «Lötschberger» der BLS verstecken sich hinter geschlossenen Augen oder geöffneten Zeitungen. Man kanns verstehen. Es ist ein trüber Wintermorgen im Bahnhof Münsingen BE und es gibt nichts zu sehen. Doch schon 20 Minuten später, in Spiez, schält sich der Niesen aus dem Pyjama und die Passagiere aus ihrer Lethargie: Thunersee, Brienzersee, Kandertal. Bei Kandersteg steht eine Herde Simmentalerinnen dampfend im Schnee. Aus den Kaminen kringeln sich Rauchfahnen in den Himmel. Heile Welt. Gut, haben wir uns dafür entschieden, unsere Schweizerreise nicht möglichst schnell durch die beiden neuen Basistunnels Lötschberg und Gotthard zu machen, sondern «oben- durch», durch die alten Tunnels.

Eisenbahngeschichte

Ankunft in Domodossola.

Ankunft in Domodossola.
http://www.coopzeitung.ch/Auf+Bergstrecken+unterwegs Ankunft in Domodossola.

In Goppenstein, dem Tor zum Wallis, wurde Eisenbahngeschichte geschrieben. Hier lebten anfangs des letzten Jahrhunderts rund 3000 Arbeiter, die am Lötschbergtunnel arbeiteten. Heute ist kein Mensch zu sehen. Über dem Walliser Haupttal hängt dann eine wintermüde Sonne und drückt wie eine milchige Scheibe durch die Wolken.
Nach Brig gehts vorwärts ins Ausland und wieder zurück in die Eisenbahngeschichte: Der 111-jährige Simplontunnel führt nach Domodossola. Der dortige Bahnhof, eine Betonorgie, hat den Charme eines Zivilschutzbunkers. Ein paar Frauen mit Rucksäcken, Taschen und leuchtenden Augen entfleuchen dem Zug und streben offensichtlich dem Markt zu.

Und weiter durch die Tunnels des Centovalli.

Und weiter durch die Tunnels des Centovalli.
http://www.coopzeitung.ch/Auf+Bergstrecken+unterwegs Und weiter durch die Tunnels des Centovalli.

Auf uns aber wartet die Centovalli-Bahn, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h nach Locarno ruckelt. 
Die Dörfer im wildromantischen «Hunderttal», das seine Bezeichnung von den zahlreichen Nebentälern hat, tragen Namen wie Gagnone-Orcesco oder Santa Maria Maggiore. Viele Häuser sind verlassen, die leeren Fenster wirken wie stumme Schreie.
Dann, schon auf der Schweizer Seite des Centovalli, in Intragna, sieht man hinauf zur sogenannten Seufzerbrücke im Valle Onsernone. Von dort schauten Generationen von Onsernonesi ein letztes Mal auf ihr Tal zurück, bevor sie als Emigranten ins Ausland zogen. 

Mittagspause in Locarno

Locarno ist auch im Winter einen Halt wert. 

Locarno ist auch im Winter einen Halt wert. 
http://www.coopzeitung.ch/Auf+Bergstrecken+unterwegs Locarno ist auch im Winter einen Halt wert. 

In Locarno – mittlerweile ist es kurz nach Mittag – reicht die Zeit locker, um die Altstadt zu besuchen, an die Seepromenade zu gehen und im Restaurant Casa del Popolo einen Teller bester Spaghetti Napoli zu geniessen. Ein voller Magen hilft denn auch gut, die Fahrt durch den Baubrei bis Bellinzona zu überstehen. Dann gehts wieder heimwärts und wieder in die Vergangenheit. Natürlich könnte man den neuen Neat-Tunnel benutzen und bis zu zwei Stunden Zeit gewinnen. Aber was ist ein bisschen Zeit gegen die Schönheit der alten Gotthardstrecke mit ihren Kunstbauten, Brücken und Landschaften? Oder den Kehrtunneln bei Wassen mit seinem «Chileli», das man drei Mal sieht und 1000 Mal von Emil gehört hat?
Danach zieht die Welt schon bald wieder ihr Pyjama an. Schemenhaft nur noch der Vierwaldstättersee, die Lichter auf dem Pilatus. Übers Mittelland breitet die Dunkelheit ihren Schleier aus. Nach den Schönheiten des Centovalli, des Berner Oberlands oder des Gotthards ist das vielleicht auch besser so.

Zeitverlust ist ein Lustgewinn

Nach rund zwölf Stunden inklusive einer dreistündigen Mittagspause und 8 Stunden und 19 Minuten reiner Fahrzeit mit drei verschiedenen Bahngesellschaften – SBB, BLS, FART – bin ich wieder daheim. Voller Hochachtung für die Menschen, die all diese Kunstbauten, Tunnels und Bahnhöfe gebaut haben. Und mit der Erkenntnis, dass Zeitverlust durchaus ein Lustgewinn sein kann.

Einen Tag lang kreuz und quer durch die ganze Schweiz reisen – möglich ist dies mit dem Coop-Angebot einer SBB-Spezial-Tageskarte, die es noch bis 11. Februar 2017 exklusiv in Coop-Supermärkten mit Kiosk oder Kundendienst sowie bei Coop City gibt (solange Vorrat). Zum Spezialpreis von nur 49 Franken haben Sie – egal, ob mit oder ohne Halbtax-Abo – einen Tag lang freie Fahrt in der 2. Klasse auf allen SBB-Strecken, den meisten Privatbahnen, Postauto- und Schiffslinien sowie den ÖV-Netzen in vielen Schweizer Städten.

Das Ticket kann bis am 5. März 2017 eingelöst werden und lässt sich auch mit der Junior- respektive Enkel-Karte kombinieren.
Zudem können Sie damit vor Antritt der Reise am Bahnschalter oder online auf www.sbb.ch/freizeit ermässigte Zusatzleistungen von Railaway (z. B. Eintritt in Zoos, Museen usw.) buchen.

Mehr Informationen zur Spezial-Tageskarte

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Keystone, Franz Bamert, BLS/Jeroen Seyffer, BLS/Matthias Pfammatter
Veröffentlicht:
Montag 23.01.2017, 10:00 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:




Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?