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Die auf 2205 Meter gelegene Gaulihütte ist ein wahres Bijou.

Ihr vertraut man einfach: Käthi Flühmann, erste Bergführerin der Deutschschweiz.

Gletscher und Gletscherbach haben die Landschaft geprägt.

Käthi Flühmann kann ihre Gäste bestens motivieren.

Im Anmarsch zum Gauligebiet.

Auf den Spuren der Dakota

Die erste Bergführerin der Deutschschweiz nimmt die Coopzeitung-Leser mit auf den Gauligletscher und zu den Spuren eines Bergdramas. Erst jetzt gibt der Gletscher langsam die Überreste eines Flugzeugabsturzes frei. 

Eigentlich geht es in dieser Geschichte um eine 1946 abgestürzte US-Maschine, um ein Jubiläum, um starke Frauen und das fast unbekannte Gauligebiet. Doch die Schlüsselszene der drei Tage dauernden Wanderung sieht so aus (läuft so ab): Käthi Flühmann, die vor genau einem Vierteljahrhundert ihre Bergführerinnenprüfung gemacht hat, und eine Kollegin stimmen unter den Gauli-wasserfällen ein Jodellied an. Nicht, weil sie müssen, nicht, weil irgendwer zuhört, einfach, weil sie wollen. Aus lauter Freude am Leben, an den Bergen. Aus Dankbarkeit. Die beiden zaubern eine fast sakrale Stimmung herbei, sogar Blues- und Rockfans wie mir läuft es heiss und kalt den Rücken hinunter. Das Lied hört damit auf, dass man das Glück in den Bergen findet. «Genau so ist es für mich», sagt Käthi am Schluss fast verlegen. Doch ihre blaugrünen Augen im braun gebrannten Gesicht leuchten wie die zahlreichen Seelein im Gauligebiet.

Auch heuer werden wieder Teile der 1946 abgestürzten Dakota aus dem Eis auftauchen.

Auch heuer werden wieder Teile der 1946 abgestürzten Dakota aus dem Eis auftauchen.
http://www.coopzeitung.ch/Auf+den+Spuren+von+Dakota Auch heuer werden wieder Teile der 1946 abgestürzten Dakota aus dem Eis auftauchen.

Dabei wäre vor einem Vierteljahrhundert alles fast schiefgegangen: «Ich machte eine Lehre als Verkäuferin und war todunglücklich dabei», erzählt Käthi Flühmann beim Aufstieg zur Gauli-hütte. Doch bevor die junge Frau in einem Laden verblühte wie eine Alpenrose ohne Sonne, machte sie als erste Frau der ganzen Deutschschweiz die Bergführerprüfung: «Wir schenken ihr nichts, aber tragt Sorge zu ihr», sagte damals der Prüfungschef. Die erste Frau und dann noch so jung, das muss etwas Spezielles gewesen sein. Doch Käthi, die inzwischen in allen Kontinenten auf die Welt hinunter- geblickt hat, wehrt ab: «Ich wollte nie etwas Spezielles sein. Ich wollte einfach mein Geld mit Arbeit verdienen, die Freude macht.» Dann öffnet sich das von Gletscherschliff durchfurchte Tal, Hunderte von Wasserfällen rauschen, flüstern, donnern, fallen von den Felsen herab. «Hier bin ich daheim», sagt Käthi und sagt es nochmals, als wir die Gaulihütte betreten. Sieben Jahre lang hat sie die dem SAC Bern gehörende Hütte zusammen mit ihrem Mann Daniel bewartet, ihre beiden Buben haben hier ihre ersten Jahre verbracht, hier, im labyrinthischen Tal, in dem man sich allein sehr schnell verlieren kann, kennt sie jeden Weg. Die Hütte selber ist wie ein kleines, liebevoll saniertes Hexenhaus, in dem sich inzwischen eine andere Frau, Susanne Brand, seit sieben Jahren daheim fühlt. In vielem – etwa der Liebe zu den Bergen und den Menschen – gleicht Susanne ihrer Vorgängerin sehr.

Auch heuer werden wieder Teile der 1946 abgestürzten Dakota aus dem Eis auftauchen.

Auch heuer werden wieder Teile der 1946 abgestürzten Dakota aus dem Eis auftauchen.
http://www.coopzeitung.ch/Auf+den+Spuren+von+Dakota Auch heuer werden wieder Teile der 1946 abgestürzten Dakota aus dem Eis auftauchen.

Die beiden Frauen sind nicht umsonst Freundinnen geworden. Während unserer drei Tage auf der Gaulihütte verwöhnt uns Susanne mit allem möglichen Guten und sozusagen als Dessert auch mit der Sage des Gauli-Wiibli. Dieses Wiibli war wohl ein bisschen zu aufrecht und selbstständig, vielleicht auch zu weiblich. Auf jeden Fall wurde es auf den Gauligletscher verbannt. Vielleicht, geht mir durch den Kopf, wären starke Frauen wie Käthi und Susanne früher auch auf den Gletscher verbannt worden.

Heute gehen die beiden freiwillig und nehmen uns mit. Schritt für Schritt geht es aufwärts, und mit jedem Schritt tut sich der Blick weiter auf. Käthi nimmt uns ans Seil – erste Erfahrungen auf dem Gletscher, es ist ein sehr gutes Gefühl. Dann sind wir da, wo im November 1946 eine amerikanische Dakota mit zwölf Leuten und etwa einer Hundertschaft Schutzengel im Nebel und völlig abseits der Route aufsetzte. Ein paar Meter höher, ein paar Sekunden früher – die Maschine wäre zerschellt. Käthi schildert die Geschichte, als ob sie erst gestern passiert wäre. Sie erzählt von den Amerikanern, die scheinbar die Restbestände an Raupenfahrzeugen aus dem gerade beendeten Weltkrieg nach Meiringen brachten; wie die Journalisten aus der halben Welt im beschaulichen Haslital einfielen – und wie sich schliesslich einheimische Bergführer und Hilfsmannschaften aufmachten.

Auf den Gauligletscher kommt man nun in Gottes Namen auch mit den modernsten Raupenfahrzeugen nicht. Doch die Amis griffen trotzdem in die Vollen: Tonnenweise warfen sie Hilfs- und Lebensmittel ab. «Der Gauli-gletscher sah eine Zeit lang aus wie der erste Selbstbedienungsladen des Haslitales», liess sich einer der damaligen Retter zitieren. Nachdem alle Passagiere sicher im Tal waren, wurde es wieder ruhig auf dem Gletscher. Wobei das eben nicht wirklich stimmt: Immer wieder finden Berggänger Überreste des Flugzeugs: Sanitätstaschen, Lampen, Bekleidungsstücke – und letztes Jahr einen der beiden Propeller. «Da wird noch viel kommen», ist Käthi überzeugt.

Zurück auf der Hütte, erzählt sie die Dakota-Geschichte weiter, Susanne bringt noch eine Flasche aus ihrem gut bestückten Weinkeller, draussen ziehen Sternschnuppen vorbei. Am Schluss weiss ich nicht mehr, warum ich auf der Gaulihütte bin. Sind es die Wasserfälle? Diese starken Frauen? Die Dakota? Die grandiose Landschaft? Egal. Es ist einfach wunderschön.

Die geführte Wanderung zwischen Alpenwiesen und Gletscherfeldern wird zum unvergesslichen Erlebnis. 

Achtung: Die Teilnahmefrist für diese Reise ist leider abgelaufen. Eine Buchung ist nicht mehr möglich. Wir bitten um Ihr Verständnis.


Zwischen den Viertausendern und dem Sonntagsspaziergang gibt es noch eine andere Dimension: geführtes Wandern im Grenzbereich zwischen Hochgebirge und Alpweiden. An Menschen, die diesen Bereich entdecken wollen, richtet sich das Angebot von Käthi Flühmann. Zwar wird das eine oder andere Mal am Seil gegangen, Steigeisen kommen zum Einsatz – aber es wird nie extrem. Was Sie mitbringen müssen, ist eine gute Kondition und die Lust auf wunderschöne Landschaften, Mystik, Geschichte und Geschichten rund um die Gaulihütte.

1. Tag: 08.30 Uhr Treffpunkt Bahnhof Meiringen. Aufstieg zur Gaulihütte 2205 m, 4½ bis 5 Std.

2. Tag: Aufstieg über den Gauligletscher bis Chammliegg 2560 m, Aussicht zum Absturzort der Dakota, Besichtigung der Fundstelle des Propellers der Dakota, anschliessend Wanderung zurück zur Hütte. 5 Std.

3. Tag: Wanderung über das Gletschervorfeld zu den einzigartigen Wasserfällen, Abstieg über den kleinen Klettersteig direkt an den Wasserfällen. Abstieg zurück ins Urbachtal. 5 Std.

Preis: Fr. 690.–

Inbegriffen sind

  • Bergführerhonorar
  • Übernachtung mit Halbpension in der Gaulihütte
  • Marschtee
  • Miete des technischen Materials wie Steigeisen und Klettergurt
  • Transport ab Meiringen ins Urbachtal und zurück.

Anforderung

  • Leichte Hochtour
  • keine Bergerfahrung nötig
  • gute Kondition
  • Berg- oder Wanderschuhe.


Weitere Infos wie Materialliste 
www.hasliguides.ch

Diese Tour wird bei jedem Wetter durchgeführt.

Daten 2013
Montag–Mittwoch 15.–17. Juli;
Freitag–Sonntag 23.–25. August;
Montag–Mittwoch 9.–11. September;
Freitag–Sonntag 13. –15. September;
Montag–Mittwoch 16.–18. September;
Freitag–Sonntag 20.–22. September.

Weitere Daten im Herbst auf Anfrage.

Achtung: Die Teilnahmefrist für diese Reise ist leider abgelaufen. Eine Buchung ist nicht mehr möglich. Wir bitten um Ihr Verständnis.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Yannick Andrea
Veröffentlicht:
Freitag 12.07.2013, 16:48 Uhr

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