Auf der Strecke bleiben

Kleider machen Leute – aber auch Probleme.

Steven Schneider: Ich komme in ein Alter, in dem man sich an früher erinnert. Mit «früher» meine ich eine Zeit, in der vieles viel besser war. Der Rennsport zum Beispiel, Anfang der 70er: Als Jo Siffert jedes Wochenende ein Rennauto pilotierte, um sein Leben zu verdienen. Mal ein Formel-1-Auto, mal ein Formel-2-Auto und auch mal einen hellblauen Porsche mit orangen Streifen. Jo Siffert war, zusammen mit ein paar anderen Rennfahrern und meinem Vater, mein Held. Das waren Männer! Mutig, tollkühn, furchtlos!

«

Das waren Männer: mutig, tollkühn, furchtlos!»

Tja, und an diese gute alte Zeit erinnerte mich das Oldtimer-Rennen auf dem Nürburgring, wo hinter der Haupttribüne jemand Kleider mit aufgenähtem Gulf-Logo verkaufte. Sündhaft teuer waren die, aber dann zeigte mir der Verkäufer eine Lederjacke, in deren Futter meine alten Helden abgebildet waren: Jo Siffert, Jacky Ickx, Pedro Rodriguez, Derek Bell und so. Die einen verbrannten im Rennwagen, die andern überlebten, aber alle waren sie auf der Überholspur.

Ich wusste, ich musste diese Jacke haben. Sagt nicht Schreiber, Mode sei Ausdruck eines Lebensgefühls? Da hat sie für einmal völlig recht. Und so eine Jacke ist schliesslich immer noch viel billiger als ein Rennauto.

Sybil Schreiber: Ich habe heute kein Problem mehr damit, dass mein Liebster immer noch auf schnelle Autos abfährt. Oder auf nostalgische Autorennen, an denen alte Karren im Kreis fahren. Aber ich habe ein Problem, wenn Schneider dabei sündhaft viel Geld ausgibt. Noch dazu für etwas, das ihn optisch in die Nähe seiner Idole bringen soll: Schneider brachte von seinem Männerausflug eine Lederjacke mit.  Eine Rennfahrerlederjacke. Mindestens fünf Kilo schwer. Wuchtig. Schwarz. Und mit einem orangeblauen Gulf-Aufnäher verziert. So peinlich. Aber er ist auf dieses Gulf-Ding besonders stolz. «Die ganz Grossen sind für Gulf gefahren», erklärt er mir. Schneider und seine Lederjacke! Ein Team, das bei mir jedes Mal Lachreiz auslöst. Er sieht in der Jacke aus wie ein Bub, der Cowboy spielt.

«

Er sieht aus wie ein Bub, der Cowboy spielt.»

Auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit zu Steve McQueen nicht zu leugnen ist. Ich meine, wie wirkt das, wenn ein nicht mehr ganz taufrischer Mann in einer Rennfahrerjacke im Supermarkt ein Wägelchen vor sich her schiebt und Gemüse einkauft? Eben! Dabei sollte er doch nur eines wollen: bei mir im Rennen bleiben. Aber mit dieser Kluft bleibt Schneider in meinen Augen einfach auf der Strecke.

 (Coopzeitung Nr. 27/2014)

Was ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie uns einen Kommentar!

Kommentare (3)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 30.06.2014, 00:00 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Mägert Andrea antwortet vor 2 Monaten
Die Kündigung
Hiermit Kündige ich meine Coop ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 
Die Kroatin antwortet vor 2 Monaten
Schweizer Hymnen
Numme e so näbebii... die kroa ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?