Rotklee mit hohem Energiegehalt könnte eine Lösung sein, um die Milchproduktion in der Schweiz nachhaltiger zu machen. Ein erster Schritt dazu ist getan.

Auf der Suche nach dem «starken» Klee

Fast unscheinbar wächst der Rotklee auf unseren Wiesen. Doch das kleine Pflänzchen hat grosses Potenzial. Es könnte zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen, wie Forscher der ETH Zürich herausgefunden haben.

Jede Milchkuh braucht Energie – diese liefern ihr die Schweizer Bauern nicht nur in Form von Gras, sondern oft auch mit zugefüttertem Mais, Getreide oder Soja. «Diese Futterkomponenten werden  meist von weit her, etwa aus Süd- oder Nordamerika importiert», sagt Michael Ruckle, Wissenschaftler an der ETH in Zürich. «Das kostet Geld und der Transport ist nicht gerade nachhaltig.» Der 36-Jährige gehört zu einem Team, das eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben scheint: Rotklee!

«Die Pflanze enthält viel Rohprotein, das ist wichtig für alle Wiederkäuer», so der Pflanzenbiologe. «Ausserdem besitzt sie die Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu fixieren, was als natürlicher Dünger wirkt.» Grasland mit Klee bietet dazu – anders als bei reinen Weizen- oder Maisfeldern – Insekten und anderen kleinen Tieren Lebensraum. Kurzum: Rotklee ist ein Multitalent – ideal, um als Tierfutter eingesetzt zu werden. Doch eins fehlt dem Rotklee zum «Wunderkraut»: Energie. Und nur mit Energie kann das Leistungspotenzial der heutigen Milchkühe ausgeschöpft werden. Um die Energiezufuhr in Form von stärkehaltigem Mais oder Getreide zu vermeiden, brauchte es also einen ganz besonderen Klee.

Michael Ruckle, Forscher an der ETH in Zürich

Michael Ruckle, Forscher an der ETH in Zürich
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Gibts stärkehaltigen Klee?

Michael Ruckle ist auf einer  Farm mit Milchkühen in Northern Michigan, USA, aufgewachsen. «Schon als Bub fragte ich mich, warum Gras und Klee nicht ausreichen», sagt der Amerikaner, dessen Vorfahren vor 150 Jahren von Deutschland nach Amerika auswanderten. Er studierte Biologie und kam vor sieben Jahren als junger Wissenschaftler an die ETH.

Die Sache  mit dem Klee ging ihm nicht aus dem Kopf. Mithilfe der ETH-Professoren Bruno Studer (40) und Sam Zeeman (47) reichte er ein Forschungsprojekt beim World Food System Center der ETH (Box rechts) ein. Das Ziel: einen Rotklee zu finden, der mehr Stärke enthält und der mithelfen könnte, die Getreideimporte zu reduzieren. «Klee ist nicht gleich Klee», so Ruckle. «Es gibt Tausende von Varianten, fast jede Pflanze unterscheidet sich von der anderen – auch im Stärkegehalt!»

Bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen fanden die Forscher Spannendes heraus: Etwa dass Klee wie auch andere Pflanzen im Lauf des Tages Stärke in den Blättern sammelt, diese aber nachts wieder verbraucht und in Pflanzenwachstum umwandelt. «Eigentlich müssten Bauern ihr Vieh erst am Abend auf die Weide lassen – das würde ihm guttun.»

Der erste Schritt gemacht

Neben diesen Erkenntnissen haben die Forscher jetzt ihr gestecktes Ziel erreicht: «Nach drei Jahren haben wir vielversprechende Rotkleepflanzen mit unterschiedlichem Stärkegehalt gefunden», ist der Biologe stolz. «Ein erster Erfolg!» Doch seine Arbeit ist noch nicht getan. Nun muss versucht werden, die besonders stärkehaltige Kleevariante zu vervielfachen und im Feld nachzuziehen.

Dazu kooperiert die ETH mit Agroscope, einer Forschungseinrichtung des Bundesamts für Landwirtschaft. Das Institut verfügt über jahrelange Erfahrung bei der Züchtung und Kreuzung von Nutzpflanzen. «Wie lange dies dann dauern wird, wissen wir allerdings nicht», so Ruckle.

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Text:
Gilles Mauron
Foto:
Faeroj Sheik, AFP, Boethling
Veröffentlicht:
Montag 12.03.2018, 09:41 Uhr

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