Auf in den Kampf!

Er lässts spriessen, sie sorgt sich. 

Steven Schneider: Die Dinge laufen momentan nicht so glatt. Ich muss mehr kämpfen! Weniger Kompromisse, mehr Mut, lautet meine Losung.

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Weniger Kompromisse, mehr Mut, lautet meine Losung.»

Weg mit dem freundlichen Schneider. Her mit dem Krieger! Aber ohne Militärhosen, olivgrünen Parka oder schwere Stiefel. Damit ich über mich hinauswachse, brauche ich etwas, das aus mir herauswächst. Nur das stählt mich. Und welcher richtige Kerl hat schon Zeit, sich morgens mit Wässerchen und Klinge abzugeben? Eben! Mein Bart sorgt nach vier Tagen in meinem Rudel für Reibung: «Papa, bist du müde?», fragt mich meine jüngere Tochter beim Abendessen. «Du siehst so verschlafen aus mit dem Kaktus im Gesicht.» Schreiber grinst und sagt: «Das war eine fantasievolle Bezeichnung für die Stoppeln an deinen Wangen, die übrigens grässlich kratzen. Falls du mehr Abstand zu mir brauchst, kannst du mir das auch einfach sagen, gell?» «Ich suche keinen Abstand, ich gebe meiner Männlichkeit Ausdruck.» Schreiber lacht: «Glaub bloss nicht, dass ich das sexy finde.» Rückschlag! Für meinen harten Kampf da draussen hatte ich zärtliche Streicheleinheiten in unserem sicheren Nest fest eingeplant. Denn unter meiner Kriegsbemalung steckt doch immer noch derselbe Schneider.

Sybil Schreiber: Schneider entdeckt den Krieger in sich. Doch beim Anblick seines unrasierten Gesichtes kann ich nur müde lächeln.

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Das ist nichts als ein Urschrei aus der haarigen Vergangenheit.»

Mir fallen all unsere Bekannten ein, die in letzter Zeit reichlich stoppelig durchs Leben laufen und dabei alt aussehen. Er soll bloss nicht behaupten, Bärte seien modisch gesehen der letzte Schrei. Wenn überhaupt, sind sie ein Urschrei aus der haarigen Vergangenheit, als Männer barfuss durchs Gebüsch rannten. Mir scheint, dass Schneider auf der Suche nach seinem persönlichen Neandertal ist. Besorgt frage ich ihn, wie lange er seine Backenhaare zu tragen gedenke. «Bis ich gesiegt habe. Ich bin in einem Alter, in dem man sich entscheiden muss: Entweder warte ich ab, bis ich zum alten Eisen gehöre, oder ich begebe mich auf die Reise und kämpfe für meine Werte. Auch wenn das gefährlich und ungemütlich ist.» Klingt rätselhaft. «Bin ich bei deiner Mission mit von der Partie?», frage ich nun doch etwas unsicher. «Wieso? Du spielst dabei überhaupt keine Rolle!» «Wie meinst du denn das nun wieder?» «Na, ich kämpfe doch nicht um dich.» «Das ist nicht zu übersehen», sage ich. «Denn solange dein Bart wächst, herrscht bei mir sowieso Liebespause.»

 (Coopzeitung Nr 05/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 27.01.2014, 07:04 Uhr

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