Aufgeklärt

Sie antwortet, wo er verhüten will.

Steven Schneider: Unsere jüngere Tochter fragt beim Mittagessen: «Was ist ein Pariser?»
Beinahe verschlucke ich mich am Risotto. Müssen die das in der dritten Klasse schon wissen? Vorsichtig will ich mich erkundigen, woher sie diesen Ausdruck hat, als Schreiber sich einmischt: «Also, das ist so ein Gummiteil ...»
Stopp! Ich muss eingreifen. Aufklärung zwischen Salat und Sirup? Geht nicht!
«Moment, Moment», sage ich zu meiner Kleinen, «warum möchtest du das denn wissen?»
«Jemand aus der Klasse hat erzählt, dass hinter einem Strauch ein Pariser liegt …»


«

Aufklärung zwischen Salat und Sirup? Geht nicht!»

Meine Frau wirft sich sofort in die Atempause: «Ja eben, also diesen Gummi streift man ...»
Ich kicke Schreiber unter dem Tisch mit dem Fuss an. Gehts noch! So lange nicht klar ist, was unsere Tochter wirklich schon weiss oder wissen will, so lange müssen wir auch nicht mehr sagen als notwendig. Ich frage meine kleine Tochter: «Weiss denn jemand in deiner Klasse, was das ist?»
Schreiber übergeht mich: «Also, das ist ein Gummiteil, das stülpt man über das, äh, nun, das Pfiffeli und dann gibt es keine Babys.»
Stille. Keiner kaut mehr.
Dann sagt unsere Tochter: «Aha. Ich dachte nämlich, das sei jemand, der in Paris lebt.»

Sybil Schreiber: Unsere Kleine will bloss wissen, was ein Pariser ist, und Schneider kriegt die Krise.
Als wir nach dem Essen alleine sind, erklärt er mir seine Bedenken: «Ich wollte nur hundertprozentig sicher sein, ob sie wirklich das wissen wollte, worauf du ohne Vorwarnung geantwortet hast. Sie ist schliesslich erst in der dritten Klasse.»

«

Er ist doch sonst nicht so vorgestrig.»

«Ich finde es besser, wenn wir unseren Töchtern erklären, was diese Bezeichnungen bedeuten. Sonst tun das irgendwelche Pimpfe auf dem Pausenplatz.»
«Schon, aber alles zu seiner Zeit. Eine Neunjährige muss nichts über Verhütung wissen», argumentiert Schneider.
Ich beruhige ihn: «Ich sehe das anders. Ausserdem habe ich bloss ihre Frage beantwortet und gesagt, wofür Pariser wirklich da sind. Mehr nicht!»
«Schon, aber die richtige Antwort wäre gewesen: Um die französische Hauptstadt zu beleben. Und nicht, um sie über das Pfiffeli zu stülpen.» Er blickt mich verärgert an.
«Ach, komm, jetzt tust du aber wirklich kompliziert. Du bist doch sonst nicht so vorgestrig.»
Schneider schweigt beleidigt.
Irgendwie ist er wohl doch etwas mit der Zeit stehen geblieben. Mir scheint, er hat einfach Mühe damit, dass seine kleinen Mädchen langsam gross werden.

 (Coopzeitung Nr 13/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 24.03.2014, 16:40 Uhr

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