Aufgeplustert

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Schreiber: Ich fühl mich kolossal. Hab mir ein 10er-Abo im Fitnessstudio gekauft und war sage und schreibe schon viermal dort. In fünf Wochen. Rekord! Ich spüre, dass ich diesmal durchhalte und meine Oberarme zeigen bereits wieder muskulöse Rundungen statt hängender Fischbäuche. Scheint mir jedenfalls. Gewichte stemmen, Fett verbrennen, Kondition verbessern – das tut auch meinem Selbstwertgefühl gut.

Ich radle nach der Stunde flott nach Hause. Schneider sitzt noch am Computer und schreibt. Mein Fleissiger. Voller Tatendrang frage ich ihn, ob wir noch einen Film zusammen schauen wollen? Oder plaudern? Oder sonst was? Er seufzt: «Bin schlapp, ich schaffe nur noch ein Sudoku.»

«

Ich spüre, ich halte durch. Ich fühl mich kolossal.»

Seltsam, sonst bin ich bei uns die müde Maus. Wir treffen uns kurz danach auf dem Sofa, er mit Rätsel und Stift, ich mit Mineralwasser. Ich sehe zu, wie er ziellos nach Ziffern sucht.

«Du», sage ich munter und tippe auf ein leeres Feld, «da kommt eine Drei hin.»

Schneider richtet sich auf und blinzelt mit müden Augen. «Eine Drei?»

«Ja, genau und da, eine Sieben!»

«Sonst noch was?»

Ich blicke meinen matten Mann an. Und dann kann ich nicht anders, als lachend seinen Bauch zu tätscheln: «Ja! Da könnte durchaus was weg.»

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Schneider: Manchmal spielen wir «Phase 10», ein Kartenspiel. Das ist immer höchst lustig, denn die Mischung aus Können und Glück kann einen völlig aus dem Rennen werfen oder eben zum Sieg führen. Wähnt sich Schreiber im Hoch, dann sehe ich das auf den ersten Blick: Körpersprache, Tonfall, Mimik. So sehen Sieger aus! In ihrem Falle natürlich Siegerinnen. Dann steht sie allein auf dem Gipfel und blickt hinab.

Zum Beispiel auf mich.

So wie jetzt. Bloss weil sie einige Male im Fitness war, bildet sie sich ein, sie müsse meinen Bauch tätscheln, im Sinne: «Hm, mein Lieber, nimm dir ein Beispiel an deiner fitten Frau, die diszipliniert an ihrem Körper arbeitet.»

«

Ein bisschen Fitness. Und schon ist sie überheblich.»

Genau viermal 60 Minuten in den letzten fünf Wochen, denke ich. Das macht aus Schreiber noch lange keine Lara Gut, aber dennoch glaubt sie, momentan zu den gestähltesten Frauen des Landes zu gehören. Sie reckt sich, spannt ihren Körper und sagt von oben herab: «Auch du kannst es schaffen, du musst dich nur überwinden und daran glauben.»

Statt an etwas zu glauben, strecke ich meinen Arm aus und piekse ihr mit dem Bleistift in den Bauch.

Pffft! Die Luft geht raus, sie krümmt sich und wimmert: «Muskelkater!»

Nun bin ich es, der lacht.

Die Kolumnisten live mit ihrem neuen Programm «Mein Leben als Paar»: 31. März Unterkulm. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 27.03.2017, 15:00 Uhr

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