Zweifellos schön, aber mit seinem Schnabel ist keinesfalls zu spassen.

Aufregung in der Voliere

Eine nicht alltägliche Aufgabe: Die Vögel eines Züchters müssen auf eine Krankheit kontrolliert werden. Doch das Einfangen der Tiere ist schwierig und sie rächen sich für die Aufregung auf ihre Weise.

Der Brief war unmissverständlich: Ein Vogel des Züchters hatte eine Erkrankung, die auch auf Menschen übertragbar war. Entdeckt wurde dies, nachdem der Vogel verkauft worden und gestorben war. Das Verkaufsgeschäft drohte den Züchter zu wechseln, falls dieser die Gesundheit seiner Vögel nicht nachweisen könne.

Der Züchter war sehr aufgeregt. Schliesslich ging es um seinen guten Ruf. Als Erstes mussten wir den gesamten Bestand kontrollieren. Waren seine restlichen Vögel ebenfalls erkrankt? Um das herauszufinden, mussten wir Tupferproben entnehmen. Diese Tupfer würden anschliessend im Labor untersucht werden. Ich ging auf Hausbesuch und fand eine wunderschöne Voliere vor. Die bunten Vögel lebten nach Arten getrennt in Schwärmen in einem Freikäfig mit Gebüschen, Brunnen und vielen Sitzstangen. Bei Kälte konnten sie sich in ein Häuschen zurückziehen und dort die Wärmelampe geniessen. Da Vögel, und vor allem die papageienartigen sehr intelligent sind, ahnten sie bereits, dass der Züchter und ich etwas mit ihnen vorhatten. Unruhig flatterten sie im Gehege umher. «Wie um Gottes willen wollen wir an 20 verschiedenen Tieren einen Tupfer nehmen?», fragte ich leicht verzweifelt. Vor allem hatte ich Respekt vor deren Schnäbeln.

Die Jagd begann. Der Züchter versuchte, sie mit seinem Netz einzufangen. Laut schimpfend flogen die Tiere über uns hinweg und entleerten ihren Darm wie viele Vögel bei Aufregung. Hatten wir einen eingefangen, wurde seine Ringnummer abgelesen, geschaut, dass er nicht bereits einmal dran gewesen war, dann entnahm ich die Probe. Zum Glück hatte der Züchter sie fest im Griff, denn vor lauter Unmut zerkauten sie innert kürzester Zeit die Fäden und den Holzstab des Vogelfangnetzes.

Einige Vögel hatten wir mehrmals im Netz. Endlich, nach Hunderten Versuchen und einem durchlöcherten Fangnetz, hatte ich meine Tupferproben beisammen. Ich schaute auf meine Ärmel. Sie waren weiss gesprenkelt vom Vogelkot. Ich betrachtete den Vogelzüchter. Ausgerüstet mit Überschürze und Hut, war er bedeutend umsichtiger gewesen als ich. Er schaute auf meine ebenfalls weiss gesprenkelten Haare. Wieso war ich nur ohne Kopfbedeckung in die Voliere gegangen? «Bevor ich die Tupferproben abgebe, muss ich, glaube ich, noch duschen», meinte ich und beschloss, in Zukunft vermehrt mit Käppi zu arbeiten.

Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter

Falls Sie ein gravierendes Problem haben, können Sie eine Frage an Tierärztin Dr. Chantal Ritter stellen. Beachten Sie aber, dass Chantal Ritters Ratschläge eine erste Einschätzung der Lage sind, doch im Ernstfall nicht den Besuch eines Tierarztes ersetzen können. Die Tierarztsprechstunde finden Sie in unserer Online-Tiercommunity.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
iStockphoto
Veröffentlicht:
Montag 25.11.2013, 09:05 Uhr

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