Auf dem Tablet erscheint der Elefant aus dem Malbuch in 3-D, dank einer «Augmented Reality»-Software der ETH und Disney Research Zürich.

Digital und real kombiniert

Programme und Hightech-Brillen ergänzen die reale Welt mit Infos und Animationen aus der digitalen Welt. Auch die Schweiz mischt bei «Augmented Reality» mit.

Wie sieht das schwarz lackierte Bücherregal wohl an der Wohnzimmerwand neben dem Cheminée aus? Um das herauszufinden, soll es keiner aufwendigen Fotomontage oder gar eines Aufbaus des Möbels in den eigenen vier Wänden mehr bedürfen. Wie? Man lädt sich ein «Augmented Reality»-Programm auf das Tablet. Dessen Kamera schaltet sich ein und filmt die Umgebung, und das Möbelstück erscheint auf seinem Bildschirm im Raum. Augmented Reality (AR) ergänzt die Realität mit virtuellen Informationen auf Displays oder speziellen Brillengläsern. Das können Bilder, Texte oder Animationen sein.

An der diesjährigen Cebit präsentierte der französische Software-Hersteller «Augment» sein Programm zur virtuellen Projektion von Objekten in Räume vor. Firmen können die Gegenstände, die sie vermarkten, in das Programm einfüttern, indem sie diese umfassend abfotografieren. Daraus wird ein 3-D-Bild errechnet, das sich in kompatible Apps einbinden lässt: Es erscheint entweder auf einem Marker (zum Beispiel ein Zettel mit einem Code) oder es lässt sich per Fingertipp auf die gewünschte Position auf dem Tablet-Display einblenden, ohne Marker.

Made in Switzerland

Unter dem Stichwort «Augmented Creativity» entwickelten ein Team der ETH und Disney Research Zürich um Robert W. Sunmer sechs Kreativ- und Spiel-Apps. Diese findet man jedoch (noch) nicht in den App-Stores, sie sind Forschungsprojekte. Zwei davon seien hier kurz angerissen: Speziell für Kinder erstellten die Entwickler eine App, um ausgemalte Figuren aus einem Malbuch virtuell zum Leben zu erwecken. Ausserdem kreierte das Team ein Multiplayer-Game, für welches jeder Spieler ein eigenes Tablet nutzt, aber alle denselben Marker anpeilen und zusammenarbeiten müssen, um Erfolg zu haben. Wird der Marker erkannt, erscheinen Türen, durch die Aliens versuchen, in unsere Welt zu gelangen. Um diese zu schliessen, müssen sich die Spieler im Raum bewegen und sich direkt davorstellen. Idealerweise passt die Farbe des Spielers auf die Farbe des Tors: Dann gibt es Punkte. Die Absicht dahinter ist, aus passivem Konsum etwas Kreatives und Aktives zu machen.

Ex-Astronaut Scott Kelly mit der Hololens-Brille von Microsoft in der Raumstation ISS.

Ex-Astronaut Scott Kelly mit der Hololens-Brille von Microsoft in der Raumstation ISS.
Ex-Astronaut Scott Kelly mit der Hololens-Brille von Microsoft in der Raumstation ISS.

Technikbrillen – auch im All

AR gibt es nicht nur für Tablets und Smartphones, sondern auch in Form von AR-Brillen. Aktuell bekommt vor allem Microsofts Hololens gute Noten. Sie wurde unter anderem vom ehemaligen amerikanischen Astronauten Scott Kelly in der internationalen Raumstation getestet. Die NASA erwägt, künftig mithilfe von AR-Brillen Experimente im All anzuleiten. Denn bisher mussten die Astronauten aufwendig vorbereitet werden, bis sie die von anderen Forschenden erdachten Untersuchungsvorhaben verstanden hatten und durchführen konnten.

Derzeit werden bereits Reparatur-Anleitungen auf die Gläser der AR-Brille WD100G von Brother übertragen, die allerdings ziemlich klobig und mit mehreren Tausend Dollars eher teuer und für das Firmensegment gedacht ist. Auch im Verkehr und auf Skipisten ist der Einsatz solcher Brillen möglich: Die Skibrille Oakley Airwave beinhaltet Navigation, Tempo-Anzeige sowie Hinweise auf eingehende Nachrichten und Anrufe. Google tüftelt am Nachfolger-Datenbrillen-Modell Google Glass 2. Über ein Dutzend Elektronikhersteller, darunter auch Samsung und Sony, entwickeln derzeit ihre eigenen AR-Brillen-Modelle. Wir dürfen gespannt sein, was auf uns zukommen wird.

 

Sonnenstand

Mit der App «Sun Surveyor» können Sie sich an Ihrem Standort den Sonnenstand für verschiedene Tageszeiten anzeigen lassen. Hierfür muss das Smartphone allerdings zuerst kalibriert werden. Eine einfache Anleitung dazu ist in der App enthalten. In der kostenlosen «Lite»-Version ist der Sonnenstand, in der Vollversion sind auch der Mondstand sowie ein Live-View-Modus enthalten. Die App gibt zudem Auskunft über die «Blaue Stunde» und Sonnenauf- und -untergang sowie die Dämmerung. Das ist für jene Fotografen praktisch, die Aufnahmen im Freien machen.

«Sun Surveyor Lite», kostenlos für Android und iOS, die Vollversion «Sun Surveyor» für Fr. 8.– für Android und Fr. 10.– für iOS (von Adam Ratana).

 

Augmented Reality Game-Apps

Augmented Reality Games lassen uns in eine virtuelle Parallelwelt abtauchen. Wir werden zum echten Avatar (Spielfigur, hinter der eine echte Person steckt). Beim Spielen muss man an reale Orte gehen und sich real bewegen. Deshalb ist die Kamera während eines Augmented Reality Games, das ohne GPS funktioniert, immer im Einsatz, weil die reale Umgebung Teil des Spiels wird.

Ingress vorgestellt

(Englisch, von «Ingress» auf Youtube)

Ingress (Android, iOS, nur Englisch) ist ein Spiel, das behauptet, keines zu sein. Beabsichtigt ist, dass die Spieler immer mehr in die virtuelle Welt eintauchen und sich mit ihrem Avatar identifizieren. Dabei hilft, dass das Spielfeld 1:1 der realen Welt entspricht. Die Spielumgebung stellt sich wie ein verfremdetes Google Maps dar. Man begibt sich auf eine nicht enden wollende Schnitzeljagd.

Reale Architektur und Kunst sind Teil des Spiels – sie stellen Portale dar, die in Ingress spielentscheidend sind. Denn Agenten zweier verfeindeter Lager (der Widerstand und die Erleuchteten) bekämpfen sich indirekt über sogenannte Portale, die sie per Knopfdruck hacken, um Ausrüstungs-Gegenstände zu sammeln. Portale können Gebäude, wie zum Beispiel Kirchen, aber auch Brunnen oder Strassenlaternen sein. Man muss versuchen, so viele Portale wie möglich für die eigene Partei zu gewinnen, indem man fremdbesetzte attackiert und eigene schützt und auflädt.

Der Soundtrack erzeugt Spannung. Man fühlt sich etwas an die Science-Fiction-Trilogie Matrix erinnert, in der sich in der Matrix (Parallelwelt) zwei verfeindete Lager bekämpfen und der Widerstand sich für den letzten Rest Menschlichkeit einsetzt.

Daten für Google

Sämtliche Ortungsoptionen – etwa GPS – und mobile Daten müssen für Ingress aktiviert sein und man muss per Häkchen zusagen, dass Google die Standortdaten verwenden darf. Ingress, entwickelt von Niantic Labs und herausgegeben von Google, ist folglich für Google eine attraktive Möglichkeit, an Nutzerdaten zu kommen. Zumal die Nutzer selbst Portale vorschlagen können, mit standortbezogenen Fotos und dazugehöriger Kurzbeschreibung. Ein packendes Spiel, bei dem man sich jedoch bewusst sein sollte, dass man Google als Datenfutter dient. So muss man sich beispielsweise durch Angabe der Handynummer «verifizieren», um über Level 1 hinauszukommen.

«Ingress» gibt es kostenlos für Android und iOS.

Bugs Mayhem – Käferjagd

(von «augmented» auf Youtube)

Bugs Mayhem (iOS) ist ein jugendfreies Shooter-Game, allerdings für Insektenliebhaber ungeeignet. Denn in Bugs Mayhem ist das Ziel, so viele fliegende Käfer wie möglich abzuschiessen – getroffene Schmetterlinge geben Punktabzug. Die Käfer sind ziemlich flink unterwegs und die meisten sind relativ klein, was die Aufgabe anspruchsvoll macht. Wenn also Ihre Arbeitskollegen auf einmal wie wild mit dem Handy durch die Gegend gestikulieren und sich dabei um sich selbst drehen, sind sie möglicherweise auf den Geschmack gekommen. Ein nettes kurzweiliges Spiel.

«Bugs Mayhem» gibt es kostenlos für iOS.

Billard

Billaboom (Android) ist ein Billard-Spiel, das man im Einzel- oder Mehrspieler-Modus spielen kann. Hierzu braucht es allerdings einen sogenannten Marker. Das ist in diesem Fall ein ausgedrucktes Blatt mit einer Grafik, auf welches auf dem Display des Smartphones ein dreidimensionaler Billardtisch eingeblendet wird. Real ist nur der Perspektivenwechsel, indem man sich um den Tisch (Marker) bewegt. Dieser fällt leichter als das mühsame Ausrichten per Fingertipp. Nun müsste man nur noch das Handy als Queue nutzen können, dann wäre der Spassfaktor zu 100 Prozent gegeben. Hierfür benötigt es noch immer einen Fingertipp aufs Display.

«Billaboom» gibt es kostenlos für Android und iOS.

Spielratgeber zu Ingress (Deutsch)

In der Tasche

Die Air Card 785 von Netgear ist praktisch, um unterwegs am Laptop, Tablet oder Smartphone online zu arbeiten und Medien zu streamen. Der WLAN-Hotspot im Handyformat wird mit eigener Micro-SIM-Karte betrieben. Im Ausland lassen sich mit dort gekauften SIM-Karten Roaming-Gebühren umgehen. Für Streaming empfiehlt sich ein grosszügiges Datenvolumen ab zehn Gigabyte. Der Hotspot zeigt auf einem Farbdisplay Information zu den Verbindungen. Er unterstützt Dualband-WLAN (2,4 und 5 Ghz) und die Mobilfunkstandards 4G LTE/3G/2G. Über eine Web-Oberfläche oder die Netgear-App gibt es viele Einstelloptionen. Bis zu 15 Geräte lassen sich verbinden. Der Akku hält bis zu acht Stunden.

Die Air Card 785 von Netgear ist bei Fust für Fr. 124.90 erhältlich.

Zum Produkt bei Fust

Blütenstaub-Alarm

In der App «Pollen» lassen sich Dreitages-Pollen-Prognosen für die Standorte der teilnehmenden Messstationen anzeigen. Bei der Installation der App wählt man jene Allergene, wie zum Beispiel Birke, deren Luftbelastung interessieren. Die Auswahl lässt sich später noch erweitern. Nebst der Prognose und der tagesaktuellen Belastungsanzeige beinhaltet die Anwendung auch ein Lexikon zu den Blütezeiten und Infos über Pflanzen. Wer ein Konto anlegt, kann sich personalisierte Warnungen aufs Handy schicken lassen und ein Pollen-Tagebuch über das persönliche Befinden bei der jeweiligen Belastung führen.Die Auswahl an Allergenen wird laut Entwicklern stetig ergänzt.

Die App «Pollen»  ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Annina Striebel

Redaktorin

Foto:
Screenshot mit Genehmigung der ETH Zürich/Disney Research Zürich, Getty Images, zVg
Veröffentlicht:
Montag 25.04.2016, 17:01 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?