Aus dem Weg und Sinn

Sie: Immer diese fiesen Alltagsteufelchen, die eine Beziehung attackieren! Die aus Kleinkram Krisen machen. Jene Nervtöter, die ich meine, sind mobil. Mal stehen sie im Weg, mal legen sie sich quer oder machen sich breit. Konkret: Ich ärgere mich über die Treter meiner achtfüssigen Familie. Sie werden stets dort ihrem Schicksal überlassen, wo sie sich grad vom Fuss gelöst haben. Selten stehen sie säuberlich nebeneinander in ihrer Bestimmung als Paar. Dass zudem jeder von uns eine eigene Schuhschublade hat, ignorieren alle.

«

Warum putzt er sie nicht und räumt sie weg?»

Ausser mir.

So stolpere ich auf dem Weg in unseren Schopf wieder einmal über völlig verdreckte Bergschuhe. Klumpendicker Matsch an den Profilsohlen! Der halbe Acker im Schlepptau! Schneiders Markenzeichen. Und warum lässt er diese Matschlatschen vor dem Haus herumliegen? Warum putzt er sie nicht? Warum räumt er sie nicht weg? «Na, warum wohl», höre ich seine Gedanken, «weil ich sie ja später sowieso wieder anziehe.» Ich könnte jetzt einen Aufstand machen und lospoltern. Da ich aber grade ein freundlicher Mensch sein will, stelle ich die Schlammschuhe in Schneiders Regal in den Schopf. Wo sie hingehören. Ohne zu meckern. Was leider wieder mal keiner mitbekommt

Er: Mittagszeit. Wir kehren zurück von einer Matinee-Lesung. Vor dem letzten Hügel biege ich auf
einen Feldweg ein: «Ab hier spaziere ich mit Lilla nach Hause.»
«In diesen Schuhen?», fragt Schreiber und deutet auf meine Halbschuhe.
«Meine Wanderschuhe sind doch hinten im Auto.»
«Ach ja?»
«Die habe ich nach dem Morgenspaziergang extra vor der Haustüre gelassen. Du hast sie doch sicher in den Kofferraum getan, oder?»
«Ich?»

«

Was räumt sie auch immer alles weg.»

«Wenn der Hund dabei ist, steige ich immer vorher aus und gehe zu Fuss heim.»
«Die Bergschuhe hab’ ich ins Regal gestellt», antwortet Schreiber angesäuert.
«Nicht ins Auto?»

«Nicht ins Auto, nicht in den Kühlschrank, nicht aufs Sofa, sondern wo sie hingehören: ins Regal! Es nervt, dass du deine Schuhe immer liegen lässt.»

«Ich dachte, wenn sie nicht mehr dastünden, hättest du sie ins Auto getan. Was räumst du auch immer alles weg!»

«Und warum hast du sie nicht schon am Morgen ins Auto gepackt?»

«Weil der Schlamm noch trocknen sollte.»

Schreiber schweigt. Jetzt habe ich den Dreck: keine Schuhe, keine frische Luft, dafür eine muffige Frau. Und eigentlich würde ich jetzt gerne jemandem die Schuld geben. Aber, ehrlich gesagt:
Ausser mir steht niemand sonst zur Disposition.

 (Coopzeitung Nr. 17/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 25.04.2016, 17:01 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Annette Lefevre antwortet vor zwei Tagen
Sextest
Liebe Schreiber und Schneider, ... 
Oli Skyler antwortet vor zwei Tagen
Fan und forsch
Habe Ihre Kolummne heute in de ... 
Veronica antwortet vor 2 Wochen
Die Velotortour
Besser Butterschnitte statt da ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?