Ausgepfiffen

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Schreiber: Schneider pfeift fürs Leben gern. Seit je. Das gefiel mir am Anfang unserer Liebe ganz gut. Irgendwann begann es mich ein wenig zu nerven, doch seit er gar nicht mehr trillert, fehlt es mir irgendwie. Denn in letzter Zeit pfeift er nicht mehr, nein, er singt. Summt. Brummt. Und zwar p-a-u-s-e-n-l-o-s. Keine Lieder, nur Tonfragmente. Viel «Dubidduu», etwas «Tschbumm bumm», lautes «Bambadambadam».

«

Sollen das Tanzschritte sein?»

Eine Melodie ist nicht erkennbar. Warum? Schneider ist im Konzertmodus. Wieder einmal steht er mit neun Kumpels als A-cappella-Truppe auf der Bühne und schmettert Hits. Mal im Hintergrund, mal im Vordergrund. Premiere war letzten Freitag, ein paar Konzerte liegen noch vor ihm, aber Schneider übt, als ginge es um die grössten Schweizer Talente.

Auch zu Hause; er ist weder zu überhören noch zu übersehen, denn er bewegt sich sehr eigenwillig zu seinen Klängen: Zum «Tschbumm» greift er in die Luft und kippt die Handgelenke, als wische er Fenster; zweimal kurz, einmal lang, dann kreist er seine Hüfte und haucht «Duaahhh». Ich muss lachen: «Das sollen Tanzschritte sein?»

Er keucht: «Kulturbanausin! So ist das Showbusiness und ich mache keine ‹Tanzschritte›. Das sind ‹Moves›!»

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Schneider: Ich habe immer Menschen bewundert, die Klavier spielen und gleichzeitig singen können. Ich kann das nicht. Und das gleiche Problem habe ich jetzt: Alle paar Jahre beschliessen wir zehn Männer, die sich einmal wöchentlich zum Singen treffen, vor Publikum aufzutreten. Wir sind zwar nur mässig gut, aber dafür lustig. Im Vorfeld unserer Konzerte gebären wir allerhand Ideen, etwa, dass wir eine Choreografie brauchen. Die lenke von unseren schrägen Tönen ab, albern wir. Aber vielleicht meinen wir es auch so.

«

Keine Tanzschritte. Moves!»

Das Problem: Wir kriegen «Good Vibrations» von den Beach Boys fünfstimmig ganz passabel hin, jedoch nur, bis unsere schöne Tanzlehrerin ins Spiel kommt. Kaum kombinieren wir Schrittabläufe mit Melodien, klappt nichts mehr. Wir stolpern. Über Töne und Füsse. «Üben, üben, üben», heisst es darum. Und das mache ich. Seriös. Immer und überall! Auch jetzt, zwischen den Auftritten.

«Muss das wirklich hier sein?», mosert Schreiber, als ich gerade in der Küche summend versuche, elegant im Takt mit der rechten Hand mein linkes Knie zu berühren.

«Ja. Muss sein. Gefällt es dir nicht?»

«Tja. Pfeif doch lieber wieder mal!», entgegnet sie.

Und da wird mir klar: Es gefällt ihr wirklich nicht.

«Mein Leben als Paar», Lesungen: 9. Mai Brig; 10. Mai Bern; 17. Mai Aarau; 19. Mai Andwil; 20. Mai Höngg. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 01.05.2017, 16:00 Uhr

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