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Hier kommt niemand rein: Andreas Bläsi vor einem vergitterten Kellerfenster.

Fenster und Türen sollten Doppelriegel aufweisen.

Besonders sicher sind verschliessbare Fenstergriffe.

Lichter mit Bewegungsmelder können Diebe abschrecken.

Ein Schraubenzieher ist auch ein Einbruchswerkzeug.

Ausgeräumt: Wenn ungebetene Gäste zugreifen

Kriminalität Die hohen Einbruchszahlen sprechen eine klare Sprache: In der Schweiz ist viel zu holen. Die Polizei sorgt für Prävention.

Andreas Bläsi hat gut lachen, wenn er sagt: «Ich stehe auf der Sonnenseite, denn ich bin immer willkommen.» In der Tat, das können nicht alle seiner Berufskollegen von sich behaupten. Nach 30 Jahren Polizeidienst weiss der 52-jährige Wachtmeister, wovon er spricht, wenn er sagt, dass er heute nicht mehr auf Streife gehen und sich den Anfeindungen auf der Strasse aussetzen möchte. «Da geht es heute ganz anders zu als noch vor zwanzig Jahren. Res pekt vor der Polizei ist für viele Menschen ein Fremdwort geworden.» Deshalb ist er froh, heute einer von drei Präventionsspezialisten der Basler Polizei zu sein.

Doch auch hier hat sich einiges verändert in den letzten Jahren: Die Einbruchsdiebstähle haben überproportional zugenommen. Kaum verwunderlich, dass Bläsis Hauptaufgabe heute vor allem die Einbruchsprävention ist. Die Beratungen, die er in Privathaushalten vor Ort durchführt, sind kostenlos und im Grunde genommen auch unbezahlbar. Kein Wunder, ist der Fachmann stets willkommen. Weniger schön ist, dass seine Besuche oft einen handfesten Grund haben: «Leider werden wir meistens erst gerufen, wenn etwas passiert ist», erklärt er. Sprich, die Ratsuchenden haben bereits einen Einbruch hinter sich und möchten Tipps, wie sie weiteres Ungemach verhindern können.

Eindringen in die Privatsphäre

Ein kritischer Blick: Entspricht die Schiebetüre auch den neusten Sicherheitsnormen?

Ein kritischer Blick: Entspricht die Schiebetüre auch den neusten Sicherheitsnormen?
http://www.coopzeitung.ch/Ausgeraeumt_+Wenn+ungebetene+Gaeste+zugreifen Ein kritischer Blick: Entspricht die Schiebetüre auch den neusten Sicherheitsnormen?

Und eingebrochen wird viel. Alleine im Jahr 2012 nahmen die Einbruchsdiebstähle in der Stadt Basel gegenüber 2011 um 62 Prozent zu, im Schnitt auf rund fünfeinhalb Einbrüche pro Tag. Seit 2013 gehen die Zahlen aber wieder zurück. Der Grund für die nach wie vor vielen Einbrüche sei einfach, wie Bläsi schulterzuckend bemerkt: «Die offenen Grenzen haben Vorteile, aber es gibt auch Nachteile.» Nachteile, die seinen Job so bitter nötig machen. Denn wer schon einmal Opfer eines Einbruchs wurde, weiss, was es bedeutet, wenn Unbekannte in die Privat- und Intimsphäre eindringen, Schaden anrichten und Dinge stehlen, die von ihrem ideellen Wert her unersetzbar sind. Es verwundert daher auch nicht, dass laut Bläsi rund 15 bis 20 Prozent der Betroffenen danach mit teils massiven psychischen Störungen zu kämpfen haben.

Eingebrochen wird heute anders als früher. Ein Picasso aus der Industriellenvilla wird selten gestohlen. Und wenn, so ist das eine «ganz andere Täterschaft», wie der Profi weiss. Das Gros der Einbrüche geschieht inzwischen fast schon am Fliessband. Die Täter öffnen Türen und Fenster in Sekundenschnelle, durchwühlen Häuser und Wohnungen und nehmen fast ausschliesslich nur Schmuck und Bargeld mit, Dinge, die unverfänglich sind und sich, im Falle von Goldschmuck, sehr schnell einschmelzen lassen. Und ebenso schnell wie die Täter gekommen sind, sind sie wieder weg – vor allem in Grenzkantonen wie Basel. Die Aufklärungsquote ist gering, liegt bei bescheidenen 15 bis 17 Prozent. Die Täterschaft stammt zumeist aus dem Ausland, oft aus armen östlichen Ländern. Werden die Einbrecher geschnappt, ist die rechtliche Handhabe gegen sie gering. Und Schweizer Gefängnisse sind «komfortabel». Zumindest im Vergleich zu den Lebensbedingungen, aus denen die Täterschaft kommt. Mitleid mit den Tätern hat der Sicherheitsberater jedoch nicht. «Aber ich kann es nachvollziehen», sagt er. Weil die Einbrüche also quasi am laufenden Band verübt werden, setzen sich die Täter auch nicht unnötigen Risiken aus, wie der Präventionsspezialist erklärt: «Wenn sie nach allerspätestens fünf Minuten nicht ins Haus oder die Wohnung kommen, ziehen sie zur nächsten Adresse weiter.»

«

Die offenen Grenzen haben Vorteile, aber auch Nachteile. »

Andreas Bläsi (52), Präventionsspezialist

Robuste Türen machen Sinn

Links: ein Sicherheitsschloss. Rechts: leicht aufzubrechen.

Links: ein Sicherheitsschloss. Rechts: leicht aufzubrechen.
http://www.coopzeitung.ch/Ausgeraeumt_+Wenn+ungebetene+Gaeste+zugreifen Links: ein Sicherheitsschloss. Rechts: leicht aufzubrechen.

Deshalb lautet Bläsis wichtigster Präventionstipp: «Die Aussenhülle dicht machen.» Dazu gehören für ihn robuste Türen mit Mehrpunktverriegelung inklusive nicht verschraubter Sicherheitsplatte und einem Sicherheitszylinder am Schloss, an dem Einbruchswerkzeuge nicht angesetzt werden können, genauso wie Fenster mit einer Mehrfacharretierung, Sicherheitsglas und einem verriegelbaren Fenstergriff.

Dass schräg gestellte Fenster eine Einladung bedeuten, dürfte klar sein. Oft lassen sich Fenster und Türen auch mit kleinen Tricks sichern. Mit einer zurechtgeschnittenen Holzlatte etwa kann man Schiebetüren in der Laufschiene verkannten, sodass sie von aussen nicht geöffnet werden können.
Den berühmten Glasschneider hingegen belässt Bläsi dort, wo er herkommt: im Fernsehkrimi, wie er erläutert: «Geschnittenem Glas begegnen wir so gut wie nie, da sind der Aufwand und die Gefahr, sich zu verletzen, für die Täter zu gross. Meistens genügt ihnen ein Schraubenzieher. Und kommen sie damit nicht schnell zum Ziel, war die Prävention erfolgreich.»

Einbrüche zwischen 10 und 13 Uhr

«

Gekippte Fenster sind eine Einladung.»

Andreas Bläsi (52), Präventionsspezialist

Deshalb haben Sicherheitsmassnahmen wie beispielsweise ein laufendes Radio und brennendes Licht für Bläsi nur zweite Priorität. «Brennt im Haus Licht und bewegt sich sonst nichts, greift der Täter zum Handy und weiss ziemlich schnell Bescheid, ob jemand zu Hause ist oder eben nicht.» Vielmehr empfiehlt er, wenn immer möglich, auf die soziale Kontrolle zu setzen, sprich: auf eine wachsame und engagierte Nachbarschaft. Denn die meisten Einbrüche erfolgen, entgegen der weitverbreiteten Meinung, nicht etwa bei Dunkelheit, sondern zwischen 10 und 13 Uhr. Was aber nicht heisst, dass die Dämmerung nicht beliebt ist bei Einbrechern.

Aber auch für den Fall, dass die Täter es schaffen einzudringen, gelte es, ein paar Dinge zu beachten, so Bläsi. Schmuck und andere Wertgegenstände sollten zwingend fotografiert, allfällige Seriennummern notiert werden. Und sie sollten wenn immer möglich gut versteckt sein. Das natürlich nicht im Schreibtisch, unter der Matratze oder in der Sockenschublade. Zudem rät der Spezialist von Haustresoren mit Schlüssel ab, denn: «Dann beginnt die Suche nach dem Schlüssel.» Ebenso empfiehlt er, um unnötigen Schaden zu vermeiden, abschliessbare Möbel unverschlossen zu lassen. Und das nicht erst, seit- dem ihm vor Jahren an einem Tatort einmal ein «edler Louis-XIV-Sekretär mit wundervollen Intarsien und vielen verschliessbaren Schubladen» begegnet ist. «Alle mit roher Gewalt aufgebrochen.» Wahrlich, nicht jeder ungebetene Gast hat es mit der Kultur. Zum Glück gibts Bläsi!

Unbehagen in den eigenen vier Wänden

Welche emotionalen und psychischen Folgen ein Einbruch haben kann, wissen Piero und Maria C. Beim Ehepaar aus Lugano wurde bereits zweimal eingebrochen.Piero und Maria C. – ein wohlhabendes Ehepaar um die fünfzig – wohnen in einer Villa am Luganersee. Gleich zweimal, 2007 und 2009, haben die «üblichen Unbekannten» ihr Zuhause aufgesucht. Das erste Mal an einem schönen Juli-Abend, als sie mit Freunden friedlich auf der Terrasse zusammensassen und die Türen offen liessen. «Die Diebe nahmen einen ‹chirurgischen Eingriff› vor», erzähl Maria. «Ohne Spuren zu hinterlassen, entwendeten sie meinen Schmuck aus der Kommode im Schlafzimmer.» Ihr Hund habe zwar angeschlagen, aber sie hätten ihn nicht ernst genommen. «Wir haben den Diebstahl erst am nächsten Tag bemerkt.» Es handelte sich um Gegenstände von hohem persönlichem Wert, den keine Versicherung zurückerstatten kann: «Die Erstkommunion-Uhr oder die Ohrringe, die mir meine Grossmutter geschenkt hat.» Auch emotional und psychisch hat der Einbruch seine Spuren bei Piero und Maria hinterlassen. «Ich habe mich sehr verwundbar gefühlt und Angst verspürt bei dem Gedanken, dass immer jemand in unser Zuhause eindringen könnte», gesteht Maria. Ehemann Piero pflichtet ihr bei: «Ich war vor allem wütend, dass man sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen kann, dass man Fenster und Türen verschlossen halten muss.»

Polizei gab Empfehlungen
Beim zweiten Mal war das Ehepaar ausser Haus und die Diebe schlugen die Balkontür ein, um sich Zugang ins Haus zu verschaffen. Das Ergebnis: Ein Einbruch ohne Diebstahl, da es nichts mehr zu stehlen gab. Einige Zeit später wurden die Täter festgenommen. «Es handelte sich um einen Mann und eine Frau aus Osteuropa, ‹Kriminaltouristen›, wie man zu sagen pflegt», sagt Maria. Offiziell lebten sie in der Toskana und kämen von dort regelmässig ins Tessin, um Einbrüche zu begehen. Zusammen mit den weiteren Opfern hat Maria am Prozess teilgenommen. «Ich habe ihnen ins Gesicht gesehen und ich weiss, dass sie verurteilt und abgeschoben wurden.»

Und wie hat sich die Polizei verhalten, welche Ratschläge hat sie dem Ehepaar erteilt? «Sie ist in beiden Fällen sehr professionell vorgegangen», erklärt Maria. «Auf ihre Empfehlung hin haben wir nach dem zweiten Einbruch eine Alarmanlage installiert.» Sie selbst sei nach zwei derartigen Erfahrungen übervorsichtig geworden: «Wenn ich das Haus verlasse oder ins Bett gehe, kontrolliere ich immer, ob alle Türen und Rollläden geschlossen sind. Und wenn ich verdächtige Geräusche höre, sehe ich sofort nach.» Ein wenig streitlustig fügt Piero abschliessend hinzu: «Die Unsicherheit, die viele Tessiner befällt, hat nichts mit subjektiver Wahrnehmung oder falscher Panikmache zu tun.» Die Statistiken zeigten, dass sich die Zahl der Einbrüche von 2012 bis 2014 verdoppelt habe. «Als Bürger prangere ich an, dass das Gesetz die Täter zu wenig streng bestraft.»

So beugen Sie Einbrüchen vor

Schon da: Andreas Bläsi berät Sie zu Hause vor Ort.

Schon da: Andreas Bläsi berät Sie zu Hause vor Ort.
http://www.coopzeitung.ch/Ausgeraeumt_+Wenn+ungebetene+Gaeste+zugreifen Schon da: Andreas Bläsi berät Sie zu Hause vor Ort.
  • Sicherheitsfenster mit Mehrpunktverriegelung, Verbund-Sicherheitsglas und abschliessbaren Fenstergriffen einbauen.
  • Stabile Türen mit Mehrpunktverriegelung, stabilem Schloss mit Sicherheitszylinder und nicht verschraubbarer Platte anbringen. Zusätzliche Türriegel und ein Türspion sind empfehlenswert.
  • Rollläden gegen Hochschieben sichern oder einbruchhemmende Rollläden einbauen.
  • Lichtschächte mit Zusatzsperren gegen das Anheben der Roste sichern.
  • Aussenbeleuchtung mit Bewegungsmelder montieren.
  • Bei Abwesenheit per Zeitschaltuhr Licht unregelmässig ein- und ausschalten.
  • Gegebenenfalls eine Alarmanlage einbauen.
  • Attrappen von Alarmanlagen oder Überwachungskameras und auch sogenannte Fake-TVs, die einen laufenden Fernseher vorgaukeln, können abschreckend wirken. 
  • Die Nachbarschaft sensibilisieren.


Was tun, wenn eingebrochen wurde?

  • Bewahren Sie einen kühlen Kopf.
  • Rufen Sie sofort die Polizei.
  • Räumen Sie den Tatort nicht auf.
  • Betreten Sie die Räume wenn möglich nicht und verändern Sie nichts.
  • Sollten Sie eine Liste oder Fotos entwendeter Gegenstände besitzen, händigen Sie diese der Polizei aus.
  • Sollten Sie Einbrecher auf «frischer Tat» ertappen, ziehen Sie sich zurück oder schliessen Sie sich unter Umständen ein und verständigen Sie sofort die Polizei. Versuchen Sie auf keinen Fall, die Täter zu überwältigen.
 

Broschüre «Riegel vor»

Die Schweizerische Kriminalprävention SKP gibt mit «Riegel vor» eine informative Broschüre heraus, wie Sie sich gegen Einbrecher schützen können. Diese ist bei jedem Polizeiposten in der ganzen Schweiz erhältlich oder kann als PDF-Datei unter der unten stehenden Homepage runtergeladen werden.

Die Broschüre als PDF zum downloaden
Weitere Informationen und Hilfestellungen finden Sie hier

Sicher ist sicher: Keine Chance den Langfingern

Es braucht nicht viel, um Einbrechern das Leben schwer zu machen. Coop Bau + Hobby und Interdiscount führen verschiedene Produkte für die Sicherheit.

Licht an
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Frage der Woche

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Wie schützen Sie sich vor Einbrechern?»

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Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 26.01.2015, 15:00 Uhr

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