Axé Ouro spricht: «Eine Abkehr vom Materiellen ist vonnöten – Wohlstand gleich Hohlstand.»

«Wissen tötet wahre Intelligenz»

Wie aus dem gelernten Bahnpostbeamten und Ski-Nachwuchstrainer Rolf-Ernst Walther der Medizinmann Axé Ouro aus Basel wurde.

Ein früherer Journalistenkollege sagte einmal, man solle einen Artikel nicht mit «es gibt» beginnen. Eigentlich ein guter Tipp. Doch hier muss es sein – es geht nicht anders. Denn es gibt Menschen, die sind speziell, und es gibt Menschen, die sind sehr speziell. Und dann ... ja dann gibt es noch Rolf-Ernst Walther alias Axé Ouro (sprich «Asche Ooro») – den Medizinmann aus Basel, Reinkarnation eines Xingu-Indianers aus dem brasilianischen Mato Grosso.

Allein schon seine – sagen wir einmal – etwas spezielle Erscheinung hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Spärlich bekleidet mit pilzförmiger Frisur und diversen Tätowierungen im Gesicht,
an Armen und Beinen, steht er in seiner Basler 4,5-Zimmer-Wohnung, die zugleich als Praxis dient und in der man sich näher dem brasilianischen Urwald fühlt als wohl sonstwo in der Schweiz. Der 69-Jährige hat schon viel erlebt. Nach seiner Lehre zum Bahnpostbeamten flitzte der gebürtige Langendorfer SO über verschneite Berghänge, war als Skilehrer und Nachwuchstrainer beim Schweizerischen Skiverband (SSV) tätig, bevor er sich, 26-jährig, in Deutschland zum diplomierten Masseur und Physiotherapeuten ausbilden liess. Glücklich wurde Axé Ouro damit aber nicht. «Ich empfand die Art und Weise der Behandlung als unvollständig», sagt er und erklärt: «damit werden nur die Symptome bekämpft, nicht aber deren Ursache.»

Axé Ouro sagt auch Sätze wie: «Wissen tötet die wahre Intelligenz, Auswendiglernen schadet» oder: «Wahre Intelligenz ist, wie man weniger Energie verbraucht.» Es sind dies Aussagen, die des Öfteren einer Wiederholung bedürfen, um sie zu kapieren. Aber darauf hofft man vergeblich. «Ich lebe immer im Hier und Jetzt, was ich eben gesagt habe, kann ich nicht repetieren – das ist Vergangenheit.» Er erklärt es trotzdem nochmals, einfach mit anderen Worten.

Schlangenbiss als letzte Prüfung

Wissensdurst und das Streben nach neuen Erkenntnissen trieben den Solothurner in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren in die weite Welt hinaus. Nach ausgedehnten Reisen in den asiatischen Raum – nach Thailand, Indonesien und die Philippinen lebte er – damals noch unter seinem Geburtsnamen Rolf-Ernst Walther – ab 1985 während einer langen Zeit bei den Xingu-Indianern am Oberlauf des Rio Xingu in Brasilien. Er befasste sich mit deren Kultur, ihren Ritualen und wurde eingeführt in die Geheimnisse ihrer archaischen Lebensweise. Schliesslich empfing er die finale Weihe und wurde zum Medizinmann Axé Ouro (Goldenes Licht) ausgebildet. Dabei war ein Schlangenbiss eine Art letzte Prüfung. Im brasilianischen Urwald zeugte er zudem vier Töchter mit vier verschiedenen Frauen, die noch immer am Nebenfluss des Amazonas leben.

Vieles autodidaktisch erlernt

Zurück in der Schweiz, eröffnete Axé Ouro eine therapeutische Praxis für «Energieaufbau und Körperarbeit», in der er seit rund 37 Jahren seine im Urwald erworbenen Fähigkeiten anwendet. Doch nicht nur: «Vieles habe ich auch autodidaktisch erlernt.» Er bezeichnet sich als Spezialisten für Schmerz im Allgemeinen. «Ich helfe den Patienten, ihre Selbstheilkräfte zu aktivieren, mehr nicht. Ich bin kein Heiler», betont er und ergänzt: «Das überlasse ich den Ärzten.» 

Und dann sagt der Medizinmann wieder einen dieser Sätze, für den es geistiger Offenheit bedarf, um ihn zu verstehen: «Ich vermittle das Gesetz der Natur und nicht irgendeinen esoterischen Gugus.» Etwas einfacher ausgedrückt fügt er hinzu: «Es gibt Menschen, die umarmen Bäume und wollen so deren Energie anzapfen. Das ist Humbug. Bäume oder auch Steine können uns keine Energie spenden – die Energie ist in uns selbst.»

Für Axé Ouro ist die heutige Leistungsgesellschaft Ursprung allen Übels – ein Energiefresser des menschlichen Körpers und Geistes. «Wir müssen lernen, die Energie, die wir verlieren, wieder auszugleichen.» Zu mehr aber würde es nicht reichen. «Denn», so sagt er: «aufbauen können wir sie nicht, denn sonst könnten wir auch den Tod überwinden.» Wumm! Eine Aussage, die sitzt und nach nochmaligem Überdenken durchaus Sinn ergibt.

Eine biochemische Fabrik

Doch was genau macht denn nun der Medizinmann Axé Ouro, um seinen Patienten zu helfen, die mehrheitlich aufgrund von Migräne, Bauchschmerzen oder Schlaflosigkeit seine Praxis aufsuchen? «Ganz einfach», sagt dieser, «ich weise die Menschen lediglich an, wie sie besser mit sich und ihrem Energiehaushalt umgehen können.» 

Komplizierter wird es dann wieder, wenn Axé Ouro sagt: «Der Mensch ist eine biochemische Fabrik und ein elektromagnetisches Feld», und mit süffisantem Lächeln und glänzenden Augen ergänzt: «Eine Abkehr vom Materiellen ist vonnöten – Wohlstand gleich Hohlstand.» Punkt!

...im Leben von Axé Ouro

1973: Mit 26 Jahren wählt er den Weg der Unsicherheit und macht sich selbstständig.

Von 1979 bis 1983 bereist er Asien und begegnet dort neuen Therapieformen.

Ab 1985 lebt er für lange Zeit bei den Xingu-Indianern in Brasilien und lernt von ihnen.

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