Harmonie auch neben dem Set: Patrick Dempsey und Renée Zellweger.

Babyalarm: «Sie trinkt weniger Wodka, isst weniger Eis»

Neues Paar: Vor der Premiere am Zürcher Filmfestival sprechen Renée Zellweger und Patrick Dempsey über den neuen Bridget-Jones-Film.

Renée, schön, dass Sie Bridget Jones ein drittes Mal zum Leben erwecken. Haben Sie eine Antwort, warum Bridget Jones so geliebt wird?
Renée Zellweger: Weil sich jeder ein Stück weit in ihr wiedererkennt. Sie verkörpert Wahrhaftigkeit – und nicht die Vorstellung, wie wir sein müssten, aussehen sollten und was wir zu erreichen hätten. Auch in ihren Ängste und Schwächen erkennen wir uns wieder. Aber trotz ihrer ganzen Unzulänglichkeiten triumphiert sie am Ende.

Patrick, würde sich ein Mann im echten Leben in eine Frau wie Bridget verlieben?
Patrick Dempsey: Aber klar. Man will bei einer Frau auch Schwächen, das Menschliche, Nicht-Perfekte sehen. Für mich ist Bridget einfach echt und erreichbar.

Ist Unvollkommenheit nun gewissermassen die neue Perfektion? Und fortgeschrittenes Alter sexy?
PD: So ist es! Ecken und Kanten sind doch interessant und sehr sexy. Ich finde Charakter-Eigenheiten faszinierend und auch das Älterwerden wunderschön. Warum soll man nur die Jugend zelebrieren? Wir müssen Menschen doch zugestehen, sich zu entwickeln und zu verändern. Schon jungen Mädchen muss man vermitteln, dass es okay ist, wie sie sind und aussehen. Das Gleiche gilt für junge Männer. Sie müssen keine Superhelden sein.

Patrick, war es schwer, als neues Cast-Mitglied und Hugh- Grant-Ersatz dazuzustossen?
PD: Ich glaube, am Anfang waren alle nervös, nicht nur ich. Aber Renée hat mich beruhigt: «Alles okay, lasst uns einfach loslegen.»

Die andere Neuigkeit ist: Bridget hat auf einmal keine Gewichtsprobleme mehr. Hatten Sie, Renée, genug davon, sich wieder Kilos anzufuttern?
RZ: Oh nein, gar nicht! Wer wehrt sich schon gegen eine Extraportion Spaghetti? Ich sicher nicht! – Ich finde ja, dass Bridget nie ein Gewichts-problem hatte. Sie dachte es nur! Jeder von uns hat den Wunsch, dies und das an sich zu ändern, um einem eigenen Ideal zu entsprechen. Ihre Macke war halt das Gewicht.

Lässt auch im dritten Teil von Bridget Jones kein Fettnäpfchen aus: Renée Zellweger mit Hugh-Grant-Nachfolger Patrick Dempsey.

Lässt auch im dritten Teil von Bridget Jones kein Fettnäpfchen aus: Renée Zellweger mit Hugh-Grant-Nachfolger Patrick Dempsey.
Lässt auch im dritten Teil von Bridget Jones kein Fettnäpfchen aus: Renée Zellweger mit Hugh-Grant-Nachfolger Patrick Dempsey.

Betonung auf «war». Warum ist Schluss mit der Kalorienzählerei?
RZ: Dieses Thema habe ich lange mit der Regisseurin Sharon Maguire diskutiert. Ihr gings darum, dass sich Bridget über die Jahre weiterentwickelt hat. Ihr ganzer Lebensstil hat sich verändert: Sie trinkt viel weniger Wodka, isst weniger Eis und geht nicht mehr jeden Abend aus. Immerhin ist sie Produzentin einer Nachrichtensendung und hat weniger Zeit.

Klingt geradezu vernünftig. Und ziemlich un-bridget-ig.
Das ist der Clou: Bridget war immer von der Idee besessen, dass ein paar Pfunde weniger ihr Ticket zum Glück wären. Jetzt mag die Figur stimmen, aber ihr Leben ist immer noch ein Chaos: Sie ist noch immer besorgt und ängstlich, ihr passieren noch immer die unmöglichsten Dinge, sie muss weiterhin kämpfen, um ihre Probleme zu meistern. – Diese Botschaft gefällt mir sehr!

Wie war es für Sie, einen falschen Schwangerschafts-bauch vor sich her zu tragen?
RZ: Hut ab vor allen Müttern! Das Ding ist wirklich mordsschwer. Und ich konnte die Kugel wenigstens am Ende eines 16-Stunden-Drehtags wieder abschnallen.

Was gab es da sonst noch für Erkennt- oder Erlebnisse?
RZ: Colin Firth musste mich durch eine Drehtür tragen – und wir sind stecken geblieben. Das war natürlich nicht geplant! Aber Colin hatte sich seinen Fuss in der Drehtür eingeklemmt und wir gingen fast zu Boden. Ich dachte: «Was für ein verrückter Ort, um zu sterben. Über all die Jahre mache ich Sport – und dann breche ich mir das Genick auf dem Knie von Colin Firth!» Es war Situationskomik pur. Als es endlich «Schnitt!» hiess, sind wir vor Lachen zusammengebrochen.

Renée, Sie waren fünf, sechs Jahre nicht mehr auf der Leinwand zu sehen. Warum haben Sie sich zurückgezogen?
RZ: Es gab einiges jenseits der Filmwelt und Hollywood, das mich schon mein Leben lang interessiert hat und was ich unbedingt mal lernen wollte. Man sagt sich ja gerne: «Eines Tages mach ich dies und das …». Und wie das so ist, plötzlich ist man dreissig, vierzig. Für mich war dann der ideale Zeitpunkt gekommen.

«

Man will bei einer Frau auch Schwächen sehen.»

Muss man eine Hollywood-Auszeit nehmen, um mal etwas anderes zu machen?
PD: Um einen Standpunkt zu vertreten, muss man über Lebenserfahrung verfügen. Wir haben das Glück, viel in der Welt herumzureisen. Aber dadurch bewegt man sich auch leicht abseits der Realität. Deshalb muss man sich auch auf die eigentliche Reise des Lebens machen, wie zum Beispiel Kinder grossziehen.

… oder nebenbei erfolgreich Autorennen wie Le Mans fahren und sogar Mitbesitzer eines eigenen Rennteams zu sein. Ist das Ihre Art der Auszeit, Patrick?
PD: Nein, ich habe kaum Auszeiten. Direkt nach «Grey’s Anatomy» bin ich mit meinem Renn-Programm durchgestartet. Wer denkt, dass ich mich erholt habe, liegt falsch.

Reden wir von der Liebe. Wann wussten Sie, Patrick, dass Ihre Jillian die Richtige für Sie ist – die Frau fürs Leben?
PD: (strahlt): Man weiss es. Man WEISS es einfach. ICH wusste es einfach. Es war wie ein Donnerschlag, es hat mich umgehauen. Ich weiss noch, sie trug ein blaues Shirt … Und ihre Augen ... wunderschön. Da war so ein Feuer drin, das mich sofort fasziniert hat. Es dauerte dann aber noch drei Jahre bis zu unserem ersten Date.

Kürzlich sah es so aus, als stünde Ihre Ehe nach 17 Jahren vor dem Aus. Sie haben dann doch noch die Kurve gekriegt. Was ist Ihr Rat?
PD: Jeder hat da sein eigenes Ding. Ich kann nur sagen: Gib nie auf – kämpfe dafür.

In der Gesellschaft herrscht nach wie vor die Ansicht, dass Frauen nur erfüllt sind, wenn sie heiraten und Kinder haben. Haben Sie darunter gelitten, dass das von Ihnen erwartet wurde?
RZ: Dem würde ich keine Aufmerksamkeit schenken! Aber das gefällt mir so am Phänomen Bridget Jones: Da geht es genau darum, um soziale Muster und gesellschaftliche Paradigmen, um Erwartungen, wie dein Leben auszusehen hat – im Gegensatz dazu, wie du selbst es dir vorgestellt und erträumt hast.

Renée, Ihre Mutter Kjellfrid ist Norwegerin, Ihr Vater Emil Schweizer und stammt aus dem Kanton St. Gallen. Wie ist Ihre Beziehung zu den Eidgenossen?
RZ: Ich war leider schon lange nicht mehr in der Schweiz. Mein Vater ist als Kind in die USA emigriert, als achtjähriger Junge. Heute ist er 80 und lebt mit meiner Mutter in Florida. Dort sind sie Mitglied in einem Schweizer Verein. Beim letzten Treffen kam beim Dinner eine Frau auf sie zu und sagte zu meinem Vater: «Du bist doch der Junge, der mit acht ausgewandert ist. Ich kenne dich noch aus der Schule in der Schweiz!» Ist das nicht irre?

Sprechen Sie eigentlich selbst auch ein wenig Deutsch?
RZ: Leider kein bisschen! Ich habe nie verstanden, warum meine Eltern meinem Bruder und mir das nicht beigebracht haben, zusammen beherrschen sie sechs Sprachen! Aber als ich für den ersten Bridget-Jones-Dreh neun Monate lang in England war und mir den britischen Akzent antrainiert habe, habe ichs kapiert: Meine Eltern waren selbst Einwanderer und gaben sich Mühe, sich an die neue Kultur anzupassen. Ihre Kinder sollten sich nicht mehr als Aussenseiter fühlen. Also haben sie sogar zu Hause die neue Sprache gesprochen, um uns das Amerikanische so vertraut wie möglich zu machen.

Man kennt sie vor allem in der Rolle der Bridget Jones. Doch die Filmografie der 47-jährigen US-Amerikanerin Renée Zellweger (mit Schweizer Wurzeln) ist weit umfassender (Texas Chainsaw Massacre, Unterwegs nach Cold Mountain, Nurse Betty usw). In seiner Paraderolle als «McDreamy» in der Spitalserie Grey’s Anatomy hat Patrick Dempsey (50) geglänzt. In Bridget Jones’ Baby soll er nun Hugh Grant vergessen machen.

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Text:
Mariam Schaghaghi, Christina Mänz
Foto:
Getty Images
Veröffentlicht:
Montag 19.09.2016, 16:00 Uhr

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