Jung und Alt: Sie hat das Leben noch vor sich, die aktuellen Geldscheine jedoch sind am Ende ihres Lebens angelangt.

Bargeld ein Auslaufmodell?

Hat Bargeld im Zeitalter der Kreditkarte und der Geldwäscherei-Bekämpfung ausgedient? In der Schweiz sicher nicht: Am 12. April kommt die neue Banknotenserie in Umlauf – gestartet wird mit der 50er-Note. 

Während die Europäische Zentralbank über die Abschaffung der 500-Euro-Scheine berät, werden in der Schweiz Stimmen laut, die die Einführung einer 5000-Franken-Note fordern. Auch wenn diese Forderung noch nicht mehrheitsfähig ist, die Schweiz setzt auf Bargeld: Ab dem 12. April kommt die neue Banknotenserie in Umlauf.
Auf den ersten Blick scheint die Schweizer Geldpolitik damit dem europäischen Trend entgegenzulaufen. Doch hierzulade wird illegalen Transaktionen mit andern Mitteln begegnet: Da Bargeldzahlungen schwerer nachvollziehbar sind, hat die Schweizer Regierung zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäscherei und illegalen Transaktionen schärfere Regeln beschlossen. Seit dem 1. Januar 2016 muss bei Bargeldzahlungen ab hunderttausend Franken ein Ausweis vorgelegt werden.
Europa scheint hingegen eine andere Richtung einzuschlagen: So denkt Dänemark darüber nach, sein Bargeld ganz abzuschaffen und stattdessen auf virtuelle Bezahllösungen wie die Kreditkarte oder das Smartphone zu setzen. Passend dazu hat die dänische Handelskammer beim Parlament bereits die Befreiung vom Bargeldzwang beantragt. Skandinavien ist seit jeher die Region, in der im weltweiten Vergleich am wenigsten Bargeld zum Einsatz kommt. In der bargeldlosen Vorreiter-Nation Schweden ist die «Cash-free»-Bewegung zu einem richtigen Markenzeichen geworden: Hier werden selbst Zeitungen, Busfahrkarten und die Tasse Kaffee mit der Kreditkarte bezahlt. Am Ende werden es die Kunden sein, die über Erfolg oder Misserfolg des Bezahlsystems entscheiden: Derzeit zahlen jedoch viele Schweden immer noch mit Kronen.

Luigi Rezzonico (59), Treuhandberater aus Lugano.

Luigi Rezzonico (59), Treuhandberater aus Lugano.
http://www.coopzeitung.ch/Bargeld+ein+Auslaufmodell_ Luigi Rezzonico (59), Treuhandberater aus Lugano.

Könnte man angesichts der vielen neuen elektronischen Zahlungsmethoden nicht komplett auf Bargeld verzichten? «Das ist vor allem eine kulturelle Frage», sagt Luigi Rezzonico (59), Treuhandberater aus Lugano. «Während meines USA-Aufenthalts war es ganz normal, die Einkäufe mit der Kreditkarte zu bezahlen. Ich habe mich rasch daran gewöhnt. Es ist schnell und unkompliziert und man kann bei Bedarf auch grössere Beträge bezahlen.» Auch die Sicherheit sei gewährleistet: «Ich kann jede Transaktion auf dem Handy überprüfen und Bezahlvorgänge beim ersten Verdacht abbrechen.» Natürlich gebe es auch Gefahren: Die Verwendung von Kreditkarten und Online-Bezahlungen erfordern höchste Vorsicht: «Man muss aufpassen, nicht mehr auszugeben, als man sich eigentlich leisten kann.»

«

Ich kann alles auf dem Handy überprüfen.»

Luigi Rezzonico

Monica Thaler (54), Tessiner Weinverband

Monica Thaler (54), Tessiner Weinverband
http://www.coopzeitung.ch/Bargeld+ein+Auslaufmodell_ Monica Thaler (54), Tessiner Weinverband

Es geht auch ohne Kreditkarte

Monica Thaler (54) vom Tessiner Weinverband Interprofessione della Vite e del Vino Ticinese vertritt eine ganz andere Meinung: «Ich gebe nur das Geld aus, das ich im Portemonnaie habe. Ich plane meine Ausgaben und habe daher nie viel Bargeld dabei. Wenn ich etwas Interessantes sehe, lasse ich es zurücklegen und kaufe es am nächsten Tag. Mit diesem Grundsatz bin ich gross geworden: So kann man nicht mehr Geld ausgeben, als man hat ...» 

«

Ich gebe nur Geld aus, das ich im Portemonnaie habe.»

Monica Thaler 

Also ist ein Leben ohne Kreditkarte, E-Banking und Smartphone mit Bezahl-App auch heute noch möglich? «Natürlich, aber ich muss zugeben, dass auch ich eine Euro-Prepaid-Karte habe, da ich nur auf diesem Weg ein Hotelzimmer buchen oder online einkaufen kann. Ein guter Kompromiss, wie ich finde, aber ansonsten kann ich gut darauf verzichten. Auch auf Auslandsreisen bleibt die Karte zu Hause.»

David Delcò (46), Ausbildner des Schweizerischen Roten Kreuzes in Piazzogna

David Delcò (46), Ausbildner des Schweizerischen Roten Kreuzes in Piazzogna
http://www.coopzeitung.ch/Bargeld+ein+Auslaufmodell_ David Delcò (46), Ausbildner des Schweizerischen Roten Kreuzes in Piazzogna

Die goldene Mitte

David Delcò (46), Rettungssanitäter und Ausbildner des SRK Piazzogna, ist ein Verfechter der goldenen Mitte: «Meistens bezahle ich per E-Banking, ich hebe nur selten Geld ab. Im Alltag bezahle ich mit der Kreditkarte oder bar. Die Maestro-Karte ist meiner Meinung nach auch für kleine Ausgaben sicher, aber man muss seine Ausgaben unbedingt im Auge behalten, um nicht ins Minus zu rutschen. Auch im Internet bin ich vorsichtig. Aber PayPal ist sicher und ich weiss, dass das Geld beim Empfänger ankommt. 

«

Meistens bezahle ich per E-Banking.»

David Delcò

Über das Internet kann ich bequem von zu Hause aus bezahlen und muss nicht viel Bargeld herumtragen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich Geldbeträge von einem Konto auf ein anderes überweisen kann und dabei immer im Blick habe, wie viel ich ausgebe.» Gibt es auch Risiken? «Ich fühle mich recht sicher, da ich mein Antivirus-Programm regelmässig aktualisiere und aufpasse, wem ich welche Daten über das Internet preisgebe. Nach jedem Bezahlvorgang bekomme ich eine elektronische Benachrichtigung.» Und wie sieht es mit dem Bezahlen per Smartphone aus? «Langsam mache ich mich auch damit vertraut. Das System ist auf jeden Fall interessant: Ich habe gesehen, dass man in Bellinzona die Parkgebühren schon mit dem Smartphone bezahlen kann …»

Im Schnitt 63 Franken

In den Coop-Verkaufsstellen werden inzwischen die Hälfte aller Einkäufe mit einem der elektronischen Zahlungsmittel bezahlt: «Unsere Kunden bevorzugen unabhängig vom Betrag das Bezahlen mit Bankkarten», sagt Beat Leuthardt, Leiter Finanzen bei Coop. 1991 wurde im Durchschnitt bei einem Wert von 120 Franken elektronisch bezahlt. Bis 2014 ist dieser Wert auf 63 Franken gesunken.
Neben Kreditkarten und dem Smartphone kommt in der Schweiz im Sommer die erste Armbanduhr auf den Markt, mit der Beträge bis 40 Franken kontaktlos bezahlt werden können: Wird die Uhr an das entsprechende Gerät gehalten, läuft die Bezahlung ganz ohne PIN-Eingabe ab. Werden diese neuen elektronischen Bezahlsysteme das Bargeld an den Kassen der Coop-Verkaufsstellen irgendwann ganz ablösen? «In absehbarer Zeit sicherlich nicht», meint Leuthardt lächelnd. «In der Schweiz werden wir nach wie vor Bargeld und vor allem Kleingeld brauchen, da die Hälfte unserer Kundschaft gerne mit Banknoten bezahlt und wir das Rückgeld herausgeben müssen.»

Cash bleibt wichtig

Sergio Rossi, Ordentlicher Professor für Makroökonomie und Geldwirtschaft an der Universität Fribourg.

Sergio Rossi, Ordentlicher Professor für Makroökonomie und Geldwirtschaft an der Universität Fribourg.
http://www.coopzeitung.ch/Bargeld+ein+Auslaufmodell_ Sergio Rossi, Ordentlicher Professor für Makroökonomie und Geldwirtschaft an der Universität Fribourg.

Wird Bargeld irgendwann abgeschafft?
In Zukunft wird die Verwendung von Bargeld aus zwei Gründen stark abnehmen: Auf der einen Seite werden kleine Beträge zunehmend mit Smartphone-Apps bezahlt. Grössere Beträge werden hingegen künftig nur noch per Banküberweisung bezahlt, da grosse Banknoten wie die Tausend-Franken-Note zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und illegalen Transaktionen aus dem Verkehr gezogen werden. Ausserdem wird sich der Online-Handel immer stärker durchsetzen, wodurch Bargeldzahlungen weiter zurückgehen.

Welche Gefahren und Vorteile hat eine bargeldlose Gesellschaft?
Sie birgt vor allem zwei Gefahren: Bei Zahlungen mit mobilen Geräten ist es unmöglich, vollumfängliche IT-Sicherheit zu garantieren – zudem kann die Abwicklung durch verschiedene technische Probleme gestört werden. Ausserdem ist die Gefahr höher, sich zu verschulden, da man kein Bargeld mehr braucht, um Güter oder Dienstleistungen zu kaufen. Aber es gibt auch klare Vorteile: Man kann Zahlungen vornehmen, ohne vorher Bargeld abheben zu müssen, oder Produkte kaufen, ohne vorher das nötige Geld verdient zu haben.

Wie sieht ein Alltag ohne Bargeld aus?
Die Bargeldlosigkeit befreit zunächst einmal von der Notwendigkeit eines gefüllten Portemonnaies und somit eines Einkommens, um im Alltag Güter und Dienstleistungen kaufen zu können. Ist die erste Euphorie jedoch verflogen, sieht man schnell ein, dass Bargeld das beste und sicherste Zahlungsmittel ist, um bequem kleinere Beträge zu bezahlen – ganz ohne sich Sorgen über allfällige Betrüger oder IT-Probleme machen zu müssen oder sich aufgrund der Möglichkeit, Dinge auf Pump zu kaufen, zu verschulden. Letztlich hängt auch viel von der finanziellen Kompetenz jedes Einzelnen ab.

Historischer Verzug

Die ersten nationalen Banknoten wurden 1907, nach der Schaffung der Schweizerischen Nationalbank, gedruckt, 57 Jahre zuvor waren die ersten nationalen Münzen geprägt worden. Damals wurden die Kantonalen Währungen durch den Franken und den Rappen ersetzt. Die Nationalbank druckte damals Interimsnoten und verwendete das Notenbildmuster, das vorher die Kantonalbanken verwendeten. Es wurde ergänzt mit einer roten Rosette mit Schweizer Kreuz.

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1907–1925

Banknoten im Wert von 50, 100, 500 und 1000 Franken; 1945 aus dem Zahlungsverkehr genommen.




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1911–1958

Banknoten von 5, 10, 20, 40, 50, 100, 500 und 1000 Franken. Die 10- und 40-Frankennoten wurden nie in Umlauf gebracht; 1978 aus dem Zahlungsverkehr genommen.



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1938 (Reserveserie)

Notbanknoten von 50, 100, 500 und 1000 Franken. Sie wurden nie in Umlauf gebracht.




Die letzten 60 Jahre

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1957–1980

Banknoten im Wert von 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Franken; im Jahr 2000 aus dem Zahlungsverkehr genommen.



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1978–2000

Banknoten im Wert von 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Franken; werden im Jahr 2020 aus dem Zahlungsverkehr genommen.



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1998–2016

Banknoten im Wert von 10, 20, 50, 100, 200 und 1000 Franken, die 2036 aus dem Zahlungsverkehr genommen werden sollen.



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Ab 2016

Banknoten im Wert von 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Franken, die bis 2019 in regelmässigen Abständen in Umlauf gebracht werden.



Das digitale Portemonnaie 

Twint ist neben zahlreichen anderen digitalen Bezahllösungen eine App, mit der man Guthaben zum bargeldlosen und sicheren Bezahlen auf sein Smartphone laden kann. Dank der App lässt sich das Handy wie eine Kreditkarte nutzen: An der Kasse wird die Smartphone-App aktiviert und zur Durchführung der Transaktion vor ein Gerät (Beacon) gehalten. Ausserdem kann Geld zwischen Freunden und Bekannten empfangen und verschickt werden. Alles, was man dazu braucht, ist ein Bank- oder Postkonto.

www.twint.ch

Geld tauschen

Stark abgenutzte oder beschädigte Banknoten können direkt bei der Schweizerischen Nationalbank eingetauscht oder per Post an das Emissionsinstitut geschickt werden. Der Umtausch ist im Allgemeinen kostenlos. Die Echtheit der Banknote muss festgestellt werden können. Bei einer beschädigten Banknote muss ein Teil eingesendet werden, der grösser als die Hälfte der Banknote ist und die Seriennummer vollständig erkennen lässt. Ist die Banknote zweigeteilt, müssen beide Teile an je einem Stück insgesamt grösser als die Hälfte der Banknote sein und dieselbe Seriennummer muss vollständig erkennbar sein. Bei versehentlich beschmutzten Banknoten werden die Herstellungskosten in Höhe von 30 Rappen je Note berechnet. Wenn Sie beschädigte Banknoten per Post einsenden möchten, sollten Sie das «Gesuch für den Ersatz beschädigter Banknoten» ausfüllen, das auf der Webseite der Schweizerischen Nationalbank zum Download bereitsteht.

Formular: Gesuch für den Ersatz beschädigter Banknoten (PDF)
 

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Text: Mirko Stoppa

Foto:
Heiner H. Schmitt, Massimo Pedrazzini, zVg SNB
Veröffentlicht:
Donnerstag 14.04.2016, 16:00 Uhr

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