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Die Gitarre und ich: Bastian Baker verbindet mit seiner Musik die Deutschschweiz mit der Romandie.






Bastian Baker: «Die Schweiz wird meine Heimat bleiben»

Mit 22 gibt der Waadtländer Bastian Baker sein zweites Album «Too Old To Die Young» heraus. Ein Treffen mit dem passionierten Musiker, der trotz des zunehmenden internationalen Erfolgs auf dem Boden geblieben ist.

Coopzeitung:  Wie schafft man es bei einem derartigen Erfolg in Ihrem Alter, einen kühlen Kopf zu bewahren? Bastian Baker: Ich nehme jeden Morgen ein Eisbad! (lacht). Nein, im Ernst, ich relativiere alles und bin nicht der Typ, der sich hinreissen lässt. Es handelt sich hier um Erfolg in der Schweiz, Frankreich und Belgien. In Ruanda kennt mich niemand. Noch wichtiger als der Erfolg ist die Arbeit, und wir arbeiten enorm viel. Aus meiner Erfahrung als Sportler weiss ich, dass ein gewonnenes Spiel noch nicht viel bedeutet. Was zählt, ist der Meistertitel. Deshalb möchte ich mich auch stets weiterentwickeln.

Und wenn morgen alles vorbei wäre?
Meine Basis ist sehr solid mit meiner Familie und meinen Kollegen, den Leuten, die schon vorher da waren und es auch nachher noch sein werden. Das hilft, «normal» zu bleiben.

Wem fühlen Sie sich künstlerisch am nächsten?
Mein Lieblingskünstler ist Robert Francis, ein amerikanischer Singer-Songwriter, der wunderschöne Songs schreibt. Man braucht Vorbilder. Wenn der Typ mit 60 glücklich ist, inspiriert mich seine Karriere. Ich persönlich bin glücklich, wenn ich die Leute glücklich machen kann. Deshalb mache ich Musik. Man muss sich aber bewusst sein, dass eine Karriere, die mit 20 beginnt, nicht unbedingt linear verläuft. Es gibt Durststrecken und Pausen. Seit drei Jahren lebe ich in einem extremen Tempo. Das ist genial und intensiv, aber auch anstrengend.

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Von Grenzen halte ich nicht viel.»

Sie sind daran, Ihr Spektrum zu erweitern? Bastian Baker: Ja, ich habe begonnen, für andere zu schreiben. Vor allem für amerikanische Künstler, also schreibe ich auf Englisch. Seit diesem September bin ich auch Coach in der belgischen TV-Sendung «The Voice». In musikalischer Hinsicht beginnen wir, den deutschen Markt zu bearbeiten, danach ist Kanada dran. Wir gehen ein bisschen wie Handwerker vor, Land für Land, mit Leuten, die sich engagieren.

Welches sind die kleinen Freuden von Bastian Baker?
Musik machen! Auch abseits der Bühne greife ich zu Hause zur Gitarre, singe mit meinen Kollegen, und wir albern herum. Oder wir grillieren oder gehen ins Restaurant und trinken einen guten Wein. Zudem spiele ich schon von klein auf Tennis. Als R2 (Anm. der Red.: eine sehr gute regionale Klassierung) war ich 2008 Waadtländer Meister. Tennis ist ein genialer Sport für die Nerven. Und ich schlafe gerne! Da ich in der Regel nicht mehr als drei bis vier Stunden pro Nacht schlafe, schlafe ich alle 20 bis 25 Tage einen ganzen Tag durch. So kann ich wieder auftanken. Und last but not least liebe ich Bergwanderungen.

Sie sind auch Fan einer neuen Sportart, oder?
Ja, ich mag Wakesurfen. (Anm. der Red.: ein Wassersport, bei dem der Surfer auf der durch ein Boot erzeugten Welle reitet, ohne mit dem Boot verbunden zu sein.) Eine der entspannendsten Sportarten überhaupt, und das in der wunderschönen Genfersee-Riviera.

Sie sind einer der wenigen Musiker, die man beidseits des Röstigrabens kennt. Was ist der Grund dafür?
Einerseits, weil ich unbedingt auch in der Deutschschweiz spielen wollte. Viele welsche Künstler scheuen sich davor. Schade, denn in der Deutschschweiz aufzutreten, ist eine super Erfahrung. Wie beispielsweise vor 1500 Leuten in Zürich zu spielen ... Das vergrössert auf einen Schlag eine Tournee, erweitert den Blickwinkel und erhöht den Albenverkauf. Als Vorgruppe lasse ich auch welsche Musiker auftreten und Deutschschweizer Musiker in der Westschweiz. Das schafft eine Verbindung zwischen den Sprachregionen. Von Grenzen halte ich nicht viel.

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Eine Diskussion ist nie überflüssig.»

Das ist natürlich einfach für einen, der Schweizerdeutsch spricht! Bastian Baker: Das ist natürlich hilfreich. Die Medien haben weniger Hemmungen, dich einzuladen. Ich habe Schweizerdeutsch gelernt, als ich mit der zweisprachigen Eishockeymannschaft von Fribourg gespielt habe. Man stellt jedoch auch fest, dass nur wenige Romands sich bemühen, Hochdeutsch zu sprechen.

Werden Sie auch bei zunehmendem internationalem Erfolg in der Schweiz bleiben?
Die Schweiz wird immer meine Heimat bleiben. In den letzten drei Jahren bin ich enorm viel gereist. Wenn ich vom Flughafen Zürich mit dem Zug durch das Lavaux fahre, berührt mich das. Hier bin ich aufgewachsen, am See in Villeneuve. Wenn du am Morgen mit diesem Panorama vor Augen aufstehst ... Eine so eindrückliche Landschaft mit gelegentlich unglaublichen Sonnenuntergängen bewirkt, dass du eine gewisse Demut bewahrst.

Sie scheinen sehr reif für Ihr Alter ...
Wenn ich eine Beziehung eingehen würde, sähe das anders aus! (lacht). Ich war vor allem beim Hockey von älteren Leuten umgeben. Das erklärt vieles. Zudem analysiere ich viel und verbringe sehr viel mehr Zeit mit der Suche nach Lösungen als mit dem Wälzen von Problemen. Besonders mit meinem Team. Eine Diskussion ist nie überflüssig. Sie bringt dich nämlich immer weiter.

Bastian Baker

Vielversprechender Sportler: Bevor er als Musiker Erfolg hatte, war Bastian Baker (mit bürgerlichem Namen Bastien Kaltenbacher) ein vielversprechender Hockeyspieler der Novizen Elite des HC Fribourg-Gottéron und spielte bei der Junioren Elite des HC Lausanne. Er war auch eine regionale Tennishoffnung.

Neues Album: «Too Old To Die Young» ist der Titel von Bastian Bakers neuem Album, das am 27. September herausgekommen ist. «Es ist eine Art Regenbogen, denn ich wollte als Künstler immer vielschichtig sein.» Das Album enthält vierzehn in England komponierte Songs. 

Tournee: Ab November geht der Sänger zunächst auf Frankreich- und dann auf Schweiz-Tournee.

Mehr Infos zu Bastian Baker auf seiner Homepage

Die ETH Lausanne (EPFL), genauer das auf deren Campus installierte Start-up «Coteries», hat zusammen mit Bastian Baker diesen Sommer als Weltpremiere eine App für das iPhone lanciert. Diese erlaubt seinen Fans, sämtliche Facetten des Künstlers zu entdecken, zu interagieren und die Musik auf der ganzen Welt zu teilen. Mehr dazu unter:

Zur Projekt-Webseite der ETH Lausanne
Zur Webseite der App

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Text:
Didier Walzer
Foto:
Darrin Vanselow
Veröffentlicht:
Freitag 04.10.2013, 00:00 Uhr

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