Stimmen Temperatur und Luftfeuchtigkeit? Das richtige Raumklima bestimmt das Wohlbefinden.

Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden

Gegen 18 Stunden verbringen wir täglich in Innenräumen – vor allem, wenn es kühler wird. Höchste Zeit also, das häusliche Raumklima auf Vordermann zu bringen.

Damit wir uns zu Hause wohlfühlen, spielt das richtige Raumklima eine wichtige Rolle. Zwei entscheidende Faktoren sind die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Aber auch die Umgebungsflächen des Innenraums sind von Bedeutung. «Wenn man direkt hinter einer grossen Fensterfront sitzt und die Sonne intensiv strahlt, empfindet man das als unangenehm, wenngleich die Temperatur und Feuchtigkeit im optimalen Bereich sind», gibt Marco Waldhauser, Präsident des Schweizerischen Vereins von Gebäudetechnik-Ingenieuren, ein Anschauungsbeispiel. Der lll lll Ingenieur ist Geschäftsführer und Mitinhaber eines grösseren schweizerischen Planungsbüros für Heizung, Lüftung und Klima, das auch in Energiefragen berät und Gebäude energetisch optimiert. «Am Arbeitsplatz können wir leider viel zu oft wenig Einfluss auf ein behagliches Raumklima nehmen. Zu Hause aber sehr wohl!», so der Raumklima-Profi.
So «arbeitet» Marco Waldhauser auch mit seinem Eigenheim, um das für ihn optimale Raumklima mit möglichst geringem Aufwand zu erzeugen: Während im Sommer noch die Gebäudehülle mit Vorhängen und insbesondere Fensterläden möglichst hermetisch geschlossen wurde, gilt in der kälteren Jahreszeit das Gegenteil: Möglichst früh dem Sonnenlicht Einlass gewähren, um eine angenehme Wärme zu erzeugen, heisst das Motto. «So kann auch Heizenergie gespart werden», sagt Marco Waldhauser.

Lasst den Sonnenschein herein! 

Was die Luftfeuchtigkeit betrifft, fühlt sich die grosse Mehrheit der Menschen bei Werten irgendwo zwischen 30 und 50 Prozent wohl. Liegt der Wert konstant über 60 Prozent, drohen Schimmelbefall oder ein unerwünschter Zuwachs von Milben im Schlafzimmer, in den Vorhängen oder weiteren Textilien. «Im Winter ist die Luft oft sehr trocken, da ist das ‹richtige› Lüften umso wichtiger», sagt Marco Waldhauser.
Dabei ist es wichtig, dass die in Innenräumen durch Menschen und Pflanzen entstehende Feuchtigkeit nicht ständig weggelüftet wird. Mit sporadischem gutem Lüften kann so ohne zusätzlichen Energieaufwand und grossem Wärmeverlust ein angenehmes Innenraumklima erreicht werden.
Eine Frage der Technik
Wie bei der idealen Raumtemperatur, ist auch das Raumklima eine individuelle Angelegenheit. Um das als optimal empfundene Klima zu erreichen, besteht heute eine grosse Auswahl an technischen Hilfsmitteln, um dem Raumklima auf die Sprünge zu helfen (siehe nebenstehenden Beitrag). Aber Achtung: Es ist empfehlenswert, sich vor dem Kauf über die genaue Funktion und den Energieverbrauch der Geräte ins Bild zu setzen. Eine stetige Reinigung von Geräten beziehungsweise Filtern ist wichtig, damit nicht Bakterien und Keime in die Luft abgegeben werden.
Was die Entwicklung betrifft, befinden sich zurzeit die Vernetzung verschiedener Geräte zu Alleskönnern sowie eine erleichterte Steuerung zum Beispiel durch eine Smartphone-App auf dem Vormarsch. Die Zukunft verspricht nicht nur eine bequemere Bedienung, sondern auch mehr Energieeffizienz. «Allerdings ist diese Entwicklung im Gebäudebereich nicht ganz unproblematisch und unumstritten, weil mehr Technik auch mehr Ärger bedeuten kann. Während technische Geräte mehrfach produziert werden, ist jedes Gebäude ein Unikat», gibt Marco Waldhauser zu bedenken.

Atmosphäre Wie viel soll geheizt werden? Wie oft gelüftet? 
Experte Marco Waldhauser gibt Tipps für ein optimales Raumklima.

Das gründliche Lüften von Haus oder Wohnung ist das A und O für ein angenehmes Raumklima, gerade auch im Herbst und Winter, wenn die Luft besonders trocken ist. Im Idealfall wird während der Heizsaison zwei- bis dreimal pro Tag fünf Minuten lang intensiv gelüftet. Dabei werden  sämtliche Fenster – und möglichst auch die Türen – geöffnet. Ist die Heizung ausgeschaltet, darf nach Belieben gelüftet werden.

Fenster nicht kippen
Erhöhter Lüftungsbedarf besteht im Badezimmer. Achtung: kein Dauerlüften im Winter, zum Beispiel durch Kippstellung von Fenstern. Dies führt neben einer zu starken Abkühlung der Wände und Bildung von Kondenswasser auch zu erhöhten Wärmeverlusten.
Wer die Heizung optimal einsetzt, spart Energie und damit Geld. In den kälteren Jahreszeiten heisst das Motto «Sonnenwärme reinlassen», um die Räume natürlich zu wärmen. In der Nacht verträgt es oftmals kühlere Temperaturen – gerade im Schlafzimmer. Eine Kontrolle beziehungsweise Anpassung der sogenannten Heizgrenze (Aussentemperatur, unter der die Heizung in Betrieb geht) kann einen entscheidenden Effekt haben: Sind bei Altbauten allgemein 18 Grad erforderlich, muss die Heizung bei gut isolierten Neubauten oftmals erst unter 12 Grad eingeschaltet werden.
Übersteigt die Luftfeuchtigkeit 60  Prozent, besteht erhöhte Gefahr der Bildung von Schimmel und Milben. Es lohnt sich, in gefährdeten Räumen regelmässig die Werte zu prüfen und im Bedarfsfall einen Entfeuchter einzusetzen. Möbel gehören nie direkt an die Aussenwand, sondern sollten einen Abstand von mindestens 15 Zentimetern aufweisen, damit die Luft zirkulieren kann. Wäsche darf in Innenräumen grundsätzlich getrocknet werden, sofern dies die Raumluftfeuchte nicht übermässig ansteigen lässt. Dies gilt besonders bei nicht oder schlecht gedämmten Aussenwänden. Bei Neubauten kann es mitunter in Kellerräumen bis zwei Jahre lang dauern, bis die Räume komplett entfeuchtet sind.

Verhaltenshinweis Raumklima: Energiesparend und gesund leben

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Text:
Simon F. Eglin
Foto:
Alamy, zVg
Veröffentlicht:
Montag 17.10.2016, 17:00 Uhr

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