«Gefährlich, gross und kalt»: Ben Moore, hier mit einem Mondmodell, über das Weltall.

Ben Moore: «Wir wollen wissen, wie Leben entsteht»

Er ist Professor, Buchautor und Musiker – und sucht nach Antworten auf die grundlegenden Fragen der Wissenschaft.

Seit zwölf Jahren ist Ben Moore Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. Neben seiner Forschungstätigkeit hat der gebürtige Engländer zwei populärwissenschaftliche Bücher und ein Soloalbum veröffentlicht. Die Schweiz möchte der 48-Jährige nicht mehr missen.

Forschen, populäre Bücher, Musik – gibt es etwas, das Sie nicht können?
Vieles! Ich wünschte, ich könnte noch mehr lernen. Ich habe bloss ein paar Hobbys, die ich interessant finde. Hätte ich die Zeit dazu, würde ich mich gerne mit Neurowissenschaft befassen – das menschliche Gehirn hat mich schon immer fasziniert.

Was hat Sie zur Astrophysik gebracht?
Das habe ich meinem Vater zu verdanken. Als Teenager habe ich ihn oft zur Arbeit begleitet. Er war Förster und hatte nie die Chance, zur Universität zu gehen. Trotzdem war er leidenschaftlich wissbegierig. Er fragte sich, warum der Himmel blau ist oder wie die Sonne funktioniert. Diese Neugier hat er an mich weitergegeben.

Alles andere als Hausmusik: «Professor Moore» spielt Elektro-Rock.

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Welcher Frage gehen Sie derzeit nach?
Ich suche nach dem Ursprung des Lebens. Biologen haben gezeigt, dass alles Leben auf der Erde einen gemeinsamen Vorfahren hat, einen Mikroorganismus, der vor etwa 3,8 Milliarden Jahren lebte. Nach der gängigen Meinung hat sich dieses Wesen in den Ozeanen entwickelt. Wir untersuchen dagegen die Möglichkeit, dass es mit einem Asteroiden auf die Erde gelangt sein könnte. Alle Bausteine des Lebens – Aminosäuren, Zuckermoleküle, DNA-Nukleotide – wurden bereits in Asteroiden nachgewiesen.

Auch in Ihrem neuen Buch «Da draussen» geht es um ausserirdisches Leben.
Wir wissen heute, dass fast jeder Stern, den wir am Nachthimmel sehen, ein Planetensystem hat. Allein im letzten Jahr haben Astronomen zahlreiche Planeten wie unsere Erde entdeckt, die sich um Sterne wie unsere Sonne drehen. Man schätzt, dass es in unserer Galaxie etwa zehn Milliarden davon gibt. Mit den Erkenntnissen der Astrophysik und der Biologie können wir versuchen, uns das Leben auf diesen Planeten auszumalen.

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Etwas Bescheidenheit tut der Menschheit gut.»

Physikspiel: Der Trinkvogel bewegt sich, solange Wasser im Glas ist.

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Warum sind Sie bemüht, diese Themen auch für Laien verständlich zu fomulieren?
Weil es die Menschen interessiert. Ich erkläre Dinge gerne so, dass sie auch für Leser ohne Universitätsausbildung verständlich sind. Wir Menschen wollen wissen, wie Leben entsteht. Nicht umsonst befassen sich damit auch die zwei meistgedruckten Bücher der Welt, die Bibel und der Koran.

Sie äussern sich aber kritisch zur Religion.
Ich weise nur darauf hin, dass wir nicht so stark an Geschichten festhalten sollten, die vor sehr langer Zeit geschrieben wurden. Meine Bücher zeigen das Universum von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus. Der ist mit einem religiösen Weltbild schwer vereinbar.

Seine Bücher erklären das Universum auf allgemein verständliche Weise.

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Was können wir durch wissenschaftliche Betrachtung des Universums lernen?
Ich finde es wichtig zu erkennen, wie unbedeutend wir Menschen wirklich sind. Wir leben auf einem durchschnittlichen Planeten, der um einen durchschnittlichen Stern kreist. Gemessen an der Zeitskala des Universums sind wir heute hier und morgen vermutlich schon wieder verschwunden.

Wirkt das nicht entmutigend auf Sie?
Etwas Bescheidenheit tut der Menschheit gut – wir geniessen keine Sonderstellung im Universum. Das heisst aber, dass es da draussen zahllose faszinierende Dinge zum Entdecken gibt. Wenn die Erde der einzige Planet mit Leben in unserer Galaxie wäre, dann wäre das eine sehr einsame Galaxie. Das ist eine beängstigende Vorstellung!

Würden Sie sich also in den Weltall aufmachen, um nach Leben zu suchen?
Keineswegs! Das Weltall ist gefährlich, sehr gross und kalt, und die Reisen zwischen den Sternen sind extrem lang. Wenn wir ein cooles, schnelles Raumschiff hätten, würde ich gehen. Unsere Technologie ist aber noch nicht so weit.

Also bleiben Sie weiterhin in der Schweiz?
Ich möchte nirgends sonst leben – es ist der beste Ort auf dem ganzen Planeten: eine der schönsten Ecken, aber zugleich das zivilisierteste und best organisierte Land, das ich kenne. Heimweh kriege ich nur, wenn ich die Schweiz verlasse.

Roboter Robby sah er erstmals mit 13 im Film «Alarm im Weltall».

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Was steht aktuell auf Ihrer To-Do-Liste?
Derzeit arbeite ich an einem Buch, mit dem ich Kindern im Grundschulalter das Universum auf verständliche Weise näher bringen möchte. Und an einigen Tagen im März und April werde ich im Museum Rietberg sein – jeder, der dort vorbei kommt, kann einen Kaffee mit mir trinken und Fragen über das Universum und das Leben stellen. Zudem suche ich nach Inspiration für ein Science-Fiction-Buch, das sich mit ausserirdischem Leben befasst.

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir intelligentes Leben in unserer Galaxie finden werden?
Ich denke, intelligentes Leben mit einem Nervensystem und einem Gedächtnis ist wahrscheinlich. Auf der Erde haben wir mehrere Millionen intelligenter Arten. Da wir nicht genau wissen, wie das Leben auf der Erde entstand, ist es schwer, genaue Vorhersagen für andere Planeten zu treffen. Aber durch natürliche Selektion wären Lebewesen mit einer gehirnähnlichen Struktur sehr wahrscheinlich auch auf anderen Planeten im Vorteil.

Wie könnte solches Leben aussehen?
Das wissen wir nicht genau, da wir ja noch keines gefunden haben. Es wird aus Molekülen gebaut sein, aber nicht notwendigerweise aus den gleichen wie wir. Es könnte genauso gut Leben geben, das auf Silizium aufgebaut ist und Methan atmet. Vermutlich würden Aliens symmetrisch sein, da Fortbewegung durch Symmetrie erleichtert wird. Ihre Grösse wäre durch die Atmosphäre und die Gravitation ihres Planeten vorgegeben. Abgesehen davon können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ausserirdische könnten auch wie Oktopusse aussehen – die ja ohnehin intelligente Wesen sind.

Vier Daten im Leben von Ben Moore

2010 Er entwirft mit Studenten ein Urknall-Lovemobil für die Zürcher Street Parade.

2012 Sein Buch «Elefanten im All» erzählt allgemein verständlich die Geschichte des Universums.

2014 Als «Professor Moore» veröffentlicht er sein erstes Elektro-Rock-Solo-Album «Escape Velocity».

2015 Im Museum Rietberg Zürich begleitet er die Ausstellung «Kosmos - Rätsel der Menschheit».

Informationen zur aktuellen Ausstellung im Museum Rietberg
Mehr über Ben Moore auf seiner Homepage (Englisch)

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Interview: Anna Ettlin



Foto:
Christoph Kaminski

Veröffentlicht:
Montag 02.03.2015, 16:43 Uhr

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