Joel Ruffiner, Kevin Schwestermann und Fabian Jordan (v. l. n. r.) haben einen weiten Weg vor sich: «Das ist nicht zu unterschätzen.»

Berlin–Brig

Drei Freunde aus Brig laufen von Berlin zurück ins Wallis – fürs Erlebnis und für einen guten Zweck. 

Es ist eine Bieridee, die sich an einem lauen Sommerabend im Jahre 2016 entspinnt. Joel Ruffiner (23) und Kevin Schwestermann (28) sitzen nach dem Training beim FC Lalden zusammen und stellen verrückte Gedankenspiele an. Kevin ist zuvor einmal während zwei Wochen von Rom nach Brig gewandert und schwärmt nun vom Lauferlebnis, verdammt aber gleichzeitig die Strapazen. Schnell ist ihnen klar: «So etwas könnten wir nochmals machen.» Zuerst wollen sie von Dänemark nach Brig laufen, merken aber, dass das dann doch zu lange dauern würde. Nachdem sie zahlreiche Varianten durchdiskutiert haben, kommen sie auf die Lösung. «Berlin–Brig tönt doch gut!», sagt Joel. Irgendwann gibt es kein Zurück mehr. «Wir haben schon zu vielen Leuten vom Projekt erzählt.»
Schliesslich stösst noch ein weiterer Briger Freund hinzu, Fabian Jordan (24). Das Trio beginnt mit den Planungen. Und bestimmt den 30. Juli 2017 als Starttag des 1000 Kilometer langen Marsches. Nach 14 Tagesetappen soll das Ziel am 12. August in Brig erreicht werden. Das ergibt einen Durchschnitt von 70 Kilometern pro Tag. «Das ist nicht zu unterschätzen», findet Kevin, der seit seiner 840 Kilometer langen Wanderung von Rom nach Brig am besten weiss, was auf ihn und seine Freunde zukommen wird. «Blasen an den Füssen lassen sich sicher nicht vermeiden.» Zudem werde jeder irgendwann seine ganz persönliche Krise durchmachen. «Dann ist es wichtig, dass er von den anderen unterstützt wird», sagt Joel.

Die Sterne vom Himmel holen

Den drei Freunden ist schon bald klar, dass sie die 1000 Kilometer nicht nur aus Freude am Laufen in Angriff nehmen. «Wir wollen es», so Fabian, «mit einer guten Sache verbinden.» Offenbar treffen die drei damit den Nerv der spendenwilligen Bevölkerung. Ein Jahr später sind mittlerweile über 25 000 Franken zusammengekommen, die nach Abschluss des langen Marsches der Stiftung Sternschnuppe überreicht werden sollen; die gemeinnützige Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, für behinderte oder kranke Kinder einen Stern vom Himmel zu holen, indem sie ihre Herzenswünsche erfüllt.
Der Herzenswunsch von Joel, Kevin und Fabian ist es, am 12. August gut in Brig anzukommen. Gestartet wird das Projekt mit dem Namen «Gate2Castle» vom Brandenburger Tor aus, danach gehts durch ganz Deutschland und die Schweiz bis zum Stockalperschloss. Die Strecke verläuft grösstenteils flach, bis auf die letzten beiden Etappen, die durch die Alpen führen. Damit sie die 1000 Kilometer schaffen und die Planungen nicht durcheinander bringen, müssen sie im Durchschnitt fünf bis sechs Kilometer pro Stunde zurücklegen. Gemütliches Bummeln liegt also nicht drin. «Wir müssen ein ordentliches Tempo einschlagen», sagt Joel. «Dafür haben wir in den letzten Monaten viel trainiert», ergänzt Kevin. Der längste Übungsmarsch führte von Martigny nach Brig und war 84 Kilometer lang. «Das ging problemlos.»
Sicherheitshalber kann sich das Wander-Trio, das im gewöhnlichen Alltag arbeitet oder noch studiert, aber auf externe Unterstützung verlassen. Ein Chiropraktiker nimmt sich der müden Knochen an. Zwei weitere Betreuer, die die Strecke gleichzeitig mit dem Auto zurücklegen, sind für ihr Wohlbefinden sowie für Unterkünfte, Mahlzeiten und vieles mehr verantwortlich. Und dann ist da noch die Kommunikationsspezialistin, die während des Marsches Medien und Interessierte mit einem Live-Ticker auf dem Laufenden hält. «Wir sind froh über diese Hilfe», sagt Fabian und macht gleichzeitig klar: «Laufen müssen wir immer noch selber.»

14 Pizze von Rom nach Brig

Damit die drei die 1000 Kilometer problemlos bewältigen, haben sie komplett dem Alkohol entsagt. «Pünktlich mit dem Ende der Fasnacht war für alle Schluss mit Bier», sagt Kevin. «Zudem habe ich extra wegen dieses Projekts mit dem Rauchen aufgehört.» Während der Extremwanderung müssen sie sich hingegen nicht extrem zurückhalten – zumindest nicht, was das Essen anbelangt. «Erlaubt ist, auf was wir Lust haben», sagt Joel. Bei Kevin war dies während des Marsches von Rom nach Brig eine tägliche Pizza. «Dem Körper hat es nicht geschadet», sagt er, «der Motivation hingegen sehr geholfen.»
Fabian ist nun froh, wenn es losgeht. Zugleich freut er sich jetzt schon auf die letzten Meter: «Das Stockalperschloss vor den Augen zu haben, muss überwältigend sein.» Im Ziel, da sind sich die Freunde einig, gibts eine Belohnung: «Natürlich ein Bierchen.»

 

Begleiten Sie das Trio ins Ziel!

Finale am 12. August
14 Etappen benötigt das Briger Trio für seine Tour von Berlin nach Brig. Das grosse Finale steigt am 12. August – mit der letzten, 50 Kilometer langen Etappe vom Grimselpass zum Stockalperschloss. Abmarschzeit ist bereits um 5 Uhr. Wer will, kann sich unterwegs anschliessen. Nach der Ankunft wird auf dem Sebastiansplatz Party gemacht.

Weitere Infos zum Projekt sowie Live-Ticker

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