FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler am Eingang zum Spielfeld im St. Jakob-Park: «Der FCB dominiert mein Berufs- und Privatleben – zeitlich und emotional.»

Bernhard Heusler: «Man gewinnt halt nicht alles»

Persönlich. Bernhard Heusler über seine Philosophie beim Führen des FC Basel, die Zeit nach seinem Rücktritt, die kurze Sommerpause und die kollektive Kriminalisierung von Fussballfans.

Coopzeitung: Ihre Spieler erholen sich in den Ferien. Sie dagegen haben die anstrengendste Zeit des Jahres, damit zu Saisonbeginn wieder genug Spieler auf dem Rasen stehen.
Bernhard Heusler: So dramatisch ist es nicht. Aber die Pause ist extrem kurz. In dieser Transferperiode bleibt bei ein paar Spielern wohl lange offen, ob sie bleiben oder ob ein anderer kommt.

Die Erwartungen sind klar: Schweizermeister, Champions League und Cup. War es psychologisch vorteilhaft, den Cupfinal zu verlieren? Das zeigte: Auch beim FCB sind Titel nicht selbstverständlich.
Das ist dann Bescheidenheit auf allerhöchstem Niveau! Man gewinnt halt nicht alles, auch nicht jedes Penaltyschiessen. Aber ich finde das sicher nicht gut! Doch es hat gezeigt: Fussball kann man nicht auf dem Reissbrett entwerfen.

Sie führen den FC Basel im Mandat einer Anwaltskanzlei und haben daneben noch zwölf andere Mandate.
Ja, wobei der FCB mein Berufs- und Privatleben dominiert – zeitlich und emotional. Das Nebeneinander mit anderen Verwaltungsratsmandaten lässt sich aus meiner Kanzlei organisieren. So kann ich mich auch mal abseits der FCB-Geschäftsstelle in mein Büro zurückziehen. Da gewinne ich automatisch Abstand, um das hoch emotionale Fussballgeschäft zu führen, ohne vollständig aufgefressen zu werden. Das ist die grosse Gefahr. Unser Credo lautet: Wir möchten rational entscheiden und führen, aber emotional Fussball spielen.

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Wir möchten rational führen, aber emotional Fussball spielen»

Sie planen gerne langfristig. Das ist im Fussballgeschäft doch kaum möglich?
Es kommt auf die Rolle an. Der Präsident sollte sich möglichst nicht in den Bereich des Trainers einmischen und umgekehrt. Man muss die Verantwortung klar trennen. Darum werde ich meinen Enkeln nie erzählen: Ich stand im Halbfinal der Europa League.

Warum nicht?
Ich bin zwar verantwortlich für den Club, aber ich stand nicht auf dem Platz! Sorry, ich weiss genau, was ich als Sportler erreicht habe und was nicht. Mein Ziel muss es sein, den Club irgendwann so zu übergeben, dass man sagen kann: Der FCB ist ein gesunder Top-Club.

Ein durchaus realistisches Szenario. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Bernhard Heusler bis zur Pensionierung FCB-Präsident bleiben will.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das die Leute möchten.

Und nach dem Rücktritt werden Sie sich Ihren anderen Mandaten zuwenden.
Nicht nur. Nach zehn Jahren im Geschäft kann ich mir nicht vorstellen, von einem Tag auf den andern nichts mehr mit Fussball zu tun zu haben. Durch meine Tätigkeit haben sich auch neue Kontakte aufgetan. Beim Club würde ich aber einen klaren Schnitt machen.

Was heisst, dass Sie dann nicht mehr ins Stadion kommen werden?
Im Gegenteil! Ich würde einfach keine Funktionen mehr ausfüllen, nicht mal als Berater. Ich würde mich als normaler Fan auf meine alten Plätze im Sektor C setzen. Diese Karten habe ich nicht hergegeben und werde es auch nicht tun.

Ein Thema der nächsten Saison ist sicher die Verschärfung des Fankonkordats.
Wir sind ein Sportclub und machen keine Politik. Ich fühle mich auch nicht als politischer Widersacher oder Gegenspieler. Das wird leider oft falsch dargestellt.

Gehört es als Präsident nicht zu Ihren Aufgaben, Profil zu zeigen?
Das mache ich schon seit einer Weile. Am meisten erschreckt mich, dass wenn ich versuche, die Problematik differenziert zu betrachten, gewisse Leute auf mich wie auf ein rotes Tuch reagieren und nicht mal sachlich mit mir reden wollen.

Und welche Position vertreten Sie?
Ich vertrete die Interessen des Clubs und des Schweizer Fussballs. In dieser Position fühle ich mich auch nicht der Fanbewegung Basel verpflichtet. Es mag erstaunen, aber wenn Fans kollektiv kriminalisiert werden, fühle ich mich für die Zürcher Südkurve genauso verantwortlich. Fans sollen dieselben Rechte geniessen wie jeder Mensch im demokratischen Rechtsstaat Schweiz. Je mehr wir die Fans gesamthaft – politisch und medial – kriminalisieren, desto mehr solidarisieren und radikalisieren sie sich. Wir dürfen doch erwarten, dass man die Lage auf Basis der realen Zahlen beurteilt. Leider stelle ich fest: Das ist unerwünscht.

Die Zahlen sagen: Gewalttaten in den Stadien haben stetig abgenommen und liegen bei einer schweren Tat auf 750 000 Zuschauer. 95 bis 99 Prozent der Stadionbesucher fühlen sich gemäss repräsentativen Umfragen sicher im Stadion.
Allein Hinweise auf diese Zahlen genügen, um als Schönredner bezeichnet zu werden. Tatsache ist, dass der Gebrauch verbotener Pyros das Hauptproblem in den Stadien ist. Trotz der seit Jahren auf das Ausmerzen der Pyros konzentrierten Sicherheitspolitik. Bei den wenigen Gewaltvorfällen handelt es sich meist um Auseinandersetzungen an den Eingängen.

Bernhard Heusler

Geburtsdatum: 27. Dezember 1963
Zivilstand:
verheiratet, zwei Kinder
Wohnort:
Binningen, BL
Karriere:
Obwohl von klein auf FCB-Fan, spielte Bernhard Heusler bei den Junioren des SC Binningen, später wechselte er zum Laufen. Sein Studium an der Uni Basel schloss er 1988 mit summa cum laude ab. 1994 machte er als Dr. iur. in den USA ein Nachdiplom und arbeitete zwei Jahre bei einer New Yorker Anwaltskanzlei. Nach der Rückkehr in die Schweiz erhielt er vom FC Basel ein Beratungsmandat in den Vertragswirren um Hakan Yakins Rückkehr von Paris nach Basel. Bekannt wurde er als FCB-Kommunikator in der Aufarbeitung der «Schande von Basel», als am 13. Mai 2006 das Meisterschaftsfinale zwischen dem FCB und dem FC Zürich in eine Fan-Schlägerei ausartete. Drei Jahre später wurde er operativer FCB-Chef und seit 2012 amtet er als Präsident.

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Artikel: Olivier Joliat

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 17.06.2013, 12:40 Uhr

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