Gerry Hauser hält seine Bienen nicht nur wegen des Honigs. Der Imker ist fasziniert vom Wesen und der Art dieser Tiere.

Bienen leisten Schwerstarbeit

Der Bio-Imker Gerry Hauser kommt immer wieder ins Staunen. Denn seine Bienen leisten Unglaubliches. Sogar, wenn sie keinen Nektar heimfliegen.

Ein bisschen Rauch beruhigt die Bienen, wenn Arbeiten im Innern der Kiste angesagt sind.

Ein bisschen Rauch beruhigt die Bienen, wenn Arbeiten im Innern der Kiste angesagt sind.
Ein bisschen Rauch beruhigt die Bienen, wenn Arbeiten im Innern der Kiste angesagt sind.
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Und nebenbei gibts auch noch Honig.»

Dieser Halbsatz ist der Schlüssel zum Wesen des Bio-Imkers Gerry Hauser. Hauser, seine Frau Barbara Bachmann und die rund 1,2 Millionen Buckfast-Bienen wohnen in einer Gebirgsfalte des Napfgebiets hoch über Luthern LU. Wenn Hauser von seinen Bienen redet, schwingt viel Respekt und ja – Zuneigung – mit: «Sie sind unglaublich ruhig, nicht anfällig auf Krankheiten und uns in vielen Dingen überlegen.»

Der Bio-Bauer erzählt davon, dass seine Bienen auf den Sammelflügen bis zu drei Kilometer fliegen. «Dabei suchen sie nicht einfach drauflos, sie werden von Kundschafterinnen zu ertragreichen Gegenden gewiesen.» Wie schwer beladene Lastkähne gleiten sie dann heimwärts, ihr Orientierungssinn ist phänomenal. Oder dann die Königin. Die legt bis zu unvorstellbaren 2000 Eier. Pro Tag! Damit sie das kann, wird sie im Flug von den Drohnen begattet, die diesen Liebesakt mit dem Leben bezahlen. Dann gibt es die Arbeiterinnen, die Wächterinnen, die Putz-equipe. Und so langsam wird klar, warum der Imker so hochachtungsvoll von seinen wohlorganisierten Bienen spricht. Organisiert und arbeitsam. Durchschnittlich sind etwa 20 000 Flugeinsätze notwendig, um einen Liter Nektar zu sammeln. Ein Liter Nektar ergibt etwa 150 Gramm Honig. An einem warmen Tag macht ein Bienchen rund 40 Ausflüge und beglückt gegen 4000 Blüten. Mit anderen Worten: Für einen Liter Honig werden in durchschnittlich 10 000 Flugstunden etwa 10 Millionen Blüten angeflogen.

Hausers Bienen produzieren hellen Blüten- und Waldhonig. Der Imker verarbeitet Blütenhonig zu Cremehonig und beliefert damit auch Coop-Läden in der Innerschweiz. «Cremehonig ist nichts anderes als Blütenhonig, den ich über mehrere Tage immer wieder schonend umrühre, um eine grobe Kristallisation zu verhindern», erklärt der Imker. Für den Waldhonig, der etwas dunkler ist, steuern die Bienen keine Blüten, sondern Fichten, Föhren und andere Waldbäume an. Dort sammeln sie sogenannten Honigtau, der aus den Pflanzensäften der erwähnten Bäume besteht. Dieser Honigtau wurde von Kleinstlebewesen bereits vorverarbeitet. Waldhonig ist in der Regel intensiver im Geschmack als Blütenhonig. Das Aroma des Blütenhonigs wiederum variiert stark – je nachdem, auf welcher Höhe er geerntet wird. «Alpenrosen- und Fruchtbaumblüten riechen nun mal anders als Löwenzahn», erklärt Hauser, der mit seinen 30 Völkern dem Frühling in die Höhe nachreist und dort Bergblütenhonig erntet. «Sortenreine Honige – etwa Sonnenblumen, oder Klee – gibt es eigentlich nur in Ländern mit riesigen Monokulturen. In der kleinteiligen Schweiz haben wir Gott sei Dank keine so überdimensionierten Anbauflächen.» Somit gibt es bei uns – ausser dem Kastanienhonig aus dem Tessin – kaum sortenreine Honige.

Ob bauen oder sammeln – jede Biene im Volk weiss genau, was sie zu tun hat.

Ob bauen oder sammeln – jede Biene im Volk weiss genau, was sie zu tun hat.
Ob bauen oder sammeln – jede Biene im Volk weiss genau, was sie zu tun hat.
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Es ist ein Riesenglück, die Wunderwelt der Bienen zu erleben.»

Hausers Honiggläser werden von der Bio-Knospe geziert. Was unterscheidet denn eigentlich Bio- von konventionellem Honig? «Die Hauptunterschiede sind sicher die umfangreichen Honigvorräte, welche ich den Bienen für den Winter lasse», sagt Hauser. Wenn er nachfüttert, dann nur mit Bio-Zucker, der zweieinhalb Mal teurer ist als konventioneller Zucker. Gegen den Befall mit der gefürchteten Varroa-Milbe dürfen Bio-Imker keine synthetischen Medikamente, sondern etwa Ameisensäure verwenden. Auch die Bienenstöcke müssen aus natürlichem Material sein und das Wachs für die Waben darf nur in Bio-Qualität zugekauft werden. Hauser geht noch einen Schritt weiter: Das eigene Bio-Wachs wird in einem Kreislauf neu aufbereitet und zu Mittelwänden verarbeitet.

Gerry Hauser kann seine Arbeit noch so gut machen, mit seinen Bienen noch so respektvoll umgehen. Dass er auch immer Honig ernten kann, steht nirgends geschrieben. «Je nach Wetter, nach Temperatur und weiteren Faktoren kann es auch mal wenig oder nichts geben.» Was dann? «Auch dann ist es ein Riesenglück, die Wunderwelt der Bienen zu erleben.»

Weltweit werden in der Imkerei am häufigsten die Rassen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) eingesetzt. Schweizer Imker verwenden vor allem die graue Biene (Apis mellifera carnica), die hier ursprünglich heimischen dunklen Nigra (Apis mellifera mellifera) und die Zuchtrasse Buckfast. Um Winterverluste auszugleichen und schlechte Völker zu ersetzen, bilden Imker regelmässig Jungvölker mit einer jungen Königin.

Finden Sie hier weitere Infos zu Bienenarten

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Das ist drin

Früher stand auf jedem Honigglas zu lesen: «Mutter, gib Deinem Kind Honig, er ist gesund.» Darum ein Blick auf die Inhaltsstoffe:

  • 40 Prozent Fruchtzucker (Fruktose)
  • etwa 30 Prozent Traubenzucker (Glukose)

Dazu: 

  • Wasser
  • Enzyme
  • Vitamine
  • Mineralstoffe und Spurenelemente
  • Säuren
  • Aminosäuren
  • Proteine
  • Aromastoffe.

Das Bienensterben hat auch bei uns eine grosse Betroffenheit ausgelöst. Wie der Film «More than honey» zeigt, gibt es ohne Bienen keine Nahrung.

Die Coop Patenschaft für Berggebiete fördert seit 70 Jahren Projekte und Familienbetriebe in den Schweizer Bergen. Mit der diesjährigen Aktion will sie zwei Dinge auf einmal erreichen: Bergbäuerinnen und Bergbauern sollen mit der Bienenzucht ein zweites Standbein erhalten. Wenn Sie als Leserin, als Leser dazu beitragen wollen, können Sie für 80 Franken pro Jahr eine Bienen-Patenschaft übernehmen. Das Geld fliesst ohne Abzug in bestehende und zukünftige Bienenzucht-Projekte in den Bergen.

Weitere Informationen zu Bienen und der Patenschaft

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Annette Boutellier
Veröffentlicht:
Montag 28.07.2014, 16:05 Uhr

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