Wasser wird zum guten Tropfen, wenn mans braut mit Malz und Hopfen. Diesem Spruch wird jeder Biergeniesser zustimmen, ohne Wenn und Aber.

Bier her! Was Sie schon immer über Bier wissen wollten

Am 24. April feiert die Schweiz zum vierten Mal ihr Bier. Zum Tag des Schweizer Bieres präsentieren wir 7 spannende Fakten rund um den Hopfensaft.

Wein auf Bier, das rat ich dir ... 

… Bier auf Wein, das lass sein. Wer sich an diesen Spruch hält, soll den Kater am nächsten Tag vermeiden. Eine Missinterpretation – denn der Spruch hat einen sozialen Ursprung: Die Ägypter gelten als Erfinder des Bieres und sollen es viel lieber getrunken haben als den Wein, den die Römer verehrten. Die Römer hingegen hielten Bier und auch die Ägypter für unkultiviert. Im übertragenen Sinn symbolisiert Wein für den Römer also höhere und Bier niedere Kultur. Dementsprechend bedeutet Bier auf Wein sozialen Abstieg – und das lass sein. Umgekehrt steht Wein auf Bier für sozialen Aufstieg – und das rat ich dir.

Frauensache

Bis ins frühe Mittelalter fand die Bierproduktion hauptsächlich in den Klöstern statt. Danach wechselte sie in Familienunternehmen. Nicht selten standen diesen Frauen vor. 1439 arbeiteten in Oxford gar mehr Frauen als Männer im Braugewerbe. Der Grund dafür lag darin, dass Bierbrauen eng mit der fraulichen Tätigkeit, dem Brotbacken, verbunden war.

 
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Ab in den «Sternen»

Dass unzählige Beizen in der Schweiz «Sternen» heissen, ist kein Zufall. Der Brauerstern zeigte als Symbol der Zunft der Brauer und Mälzer früher an, wo Bier ausgeschenkt wurde. Die sechs Zacken sollen die Elemente Feuer, Wasser und Luft sowie die Bier-Zutaten Hopfen, Malz und Wasser symbolisieren.

Unter- vs. obergärig 

Bier kann in viele verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Eine geläufige Unterscheidung ist die zwischen unter- und obergärigem Bier. Bei Ersterem sammelt sich die Hefe unten im Braukessel, bei Letzterem schwimmt sie auf dem Sud. Für obergäriges Bier braucht es für die optimale Hefeentwicklung eine Raumtemperatur von 15 bis 20 Grad in der Brauerei, bei untergärigem 4 bis 9 Grad. Je nach Jahreszeit wurde früher ober-(etwa Weizenbiere, Ale) oder untergäriges Bier (Lager) gebraut. Erst als Carl von Linde 1876 die erste industriell nutzbare Kühlmaschine entwickelte, konnte überall und zu jeder Jahreszeit untergärig gebraut werden. Gefördert wurde von Linde vom Münchner Braumeister Gabriel Sedlmayr, in dessen Brauerei die Maschine erstmals zum Einsatz kam.

Das Feierabend-Bier

Eigentlich mundet ja jedes Bier. Eins gibt es aber, das noch besser als die andern schmeckt: das Feierabendbier. Dafür musste der Feierabend erst erfunden werden. Eine Entwicklung, die zu diesem beigetragen hat, war das Schweizer Fabrikgesetz, das 1877 erlassen wurde. Es brachte unter anderem den 11-Stunden-Tag, massive Einschränkungen bei der Nacht- und Sonntagsarbeit sowie das generelle Verbot von Kinderarbeit unter 14 Jahren. Zum ersten Mal hatten die Arbeiter ein geregeltes Arbeitsende und konnten dann mit gutem Gewissen ihr Feierabendbier geniessen.

Bierkartell

Von 1935 bis 1991 gab es in der Schweiz ein Bierkartell. Fast alle Brauereien waren daran beteiligt. Das Kartell erlaubte eine Regulierung des gesamten Biermarktes. Es regelte die Preise, die Gebiets- und Kundenzuteilungen und Normierung der Biere in Bezug auf Sorten, Inhaltsstoffe, Etiketten und Gebinde.

Swissness

Laut den neuen «Swissness»-Regeln muss ein Bier zu mindestens 80 Prozent aus heimischen Zutaten bestehen, um als Schweizer Produkt zu gelten. Da Trinkwasser nicht als Zutat gezählt wurde und Hopfen und Malz oft aus dem Ausland stammen, hätten sich viele Schweizer Biere nicht mehr so nennen dürfen. Nun hat der Bundesrat aber entschieden, die Bestimmungen zu lockern und Wasser als Schweizer Zutat zuzulassen.

Am Freitag, 24. April, findet der vierte «Tag des Schweizer Bieres» statt. Organisiert wird der Tag vom Schweizer Brauerei-Verband, der Bierkultur und Brautradition erlebbar machen möchte. An diesem Tag wird auch der Goldene Bierorden verliehen.

Traditionell erhält ihn eine national bekannte Persönlichkeit. Letztes Jahr war Schauspieler Mike Müller der Glückliche. Viele Brauereien öffnen am Freitag ihre Tore für Besucher. Einen Tag später, am 25. April, lädt die Brauerei Feldschlösschen in Rheinfelden zum Tag der offenen Tür mit Führungen, Degustationen und Wettbewerben.

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Eine kleine Brauerei versucht sich im Unterengadin gegen die Grossen zu behaupten. Ihr Trumpf? Swissness pur.
Seit 2004 wird im Engadiner Bergdorf Tschlin Bier in Bio-Qualität hergestellt. Derzeit rund 75 000 Liter pro Jahr. Nun gibt es das Biera Engiadinaisa unter dem Label «Pro Montagna» im Coop zu kaufen. Wir haben mit Geschäftsführer Reto Rauch (39) gesprochen.

Wie würden Sie das «Tschliner Bier» beschreiben?
Es ist nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut, unfiltriert und daher naturtrüb; ein Bio-Bier. Also eigentlich ist es einfach ein gutes, süffiges Bier. Wer gerne ein Bier trinkt, wird es mögen.

Tschlin liegt auf 1530 m ü. M. – wird das Bier dank der Höhenluft denn anders als im Flachland?
Die Luft alleine macht sicher keinen grossen Unterschied. Aber unser Vorteil ist, dass das Wasser hier oben eine sehr gute Qualität hat, sodass wir es unbehandelt einsetzen können.

Wie sieht es aus mit den anderen Zutaten?
Die Braugerste kommt aus der Bergregion, einige Produzenten sind sogar aus Tschlin selbst. Gran Alpin, die Vereinigung der Bündner Getreidebauern, liefert uns das Malz aus Bündner Gerste. Traditionell hatten wir im südlichen Unterengadin sehr viele Ackerterrassen. Dank Gran Alpin wird der Getreideanbau wieder gefördert, was positiv ist fürs Landschaftsbild. Trotzdem werden im Berggebiet natürlich nie die Erträge erreicht wie im Flachland. Das Malztreber wird als qualitativ hochwertiges Nebenprodukt der Bierherstellung wieder als Futtermittel in der Landwirtschaft eingesetzt. Da schliesst sich ein Kreislauf und das passt für uns sehr gut. Der Bio-Hopfen kommt von einem Betrieb im Kanton Solothurn.

Ist es schwierig, als Kleinbrauerei zu überleben?
Generell ist es sicher schwieriger, da wir mit den Grossen preislich nicht mithalten können. Und wenn man Bier nach dem Deutschen Reinheitsgebot braut, ist es auch schwierig, etwas komplett anderes zu machen, das einen höheren Preis rechtfertigen würde. Unser Vorteil ist sicher, dass wir aus den Bergen kommen, das bringt Sympathiepunkte und die Leute sind auch eher bereit, etwas mehr zu bezahlen.

Die Lage hat aber anscheinend auch Nachteile …
Ja, da wir in einer Tourismusregion sind, schwankt die Nachfrage je nach Jahreszeit sehr stark. Und wenn im Winter hier oben viel Schnee liegt, können etwa die Lastwagen nicht mehr ins Dorf hineinfahren. Dann müssen die Paletten mit dem Malz oder dem Bier mithilfe eines Traktors zur oder von der Brauerei weg geschafft werden.

Derzeit sind kleine Brauereien im Aufschwung. Wieso eigentlich?
Das hat sicher damit zu tun, dass viele Schweizer Bierbrauereien von grossen ausländischen Konzernen übernommen worden sind. Deshalb setzen viele Konsumenten wieder vermehrt auf kleinere lokale Hersteller. Der andere Punkt ist, dass derzeit generell eine Bewegung hin zu regionalen Produkten zu beobachten ist. Die Leute haben einfach Freude an Schweizer Produkten.

Das «Tschlin ambra» ist unter dem Label «Pro Montagna» neu in allen grösseren Coop-Läden der ganzen Schweiz für Fr. 2.50/33 cl erhältlich. «Ambra» ist das rätoromanische Wort für Bernstein und bezieht sich auf die dunkle Farbe des Spezialbiers. Das klassische Biera Engiadinaisa ist ein Teil der ProBier-Genusskiste.

Genusskiste

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13 Brauer – 13 BierstileViele kleine regionale Brauereien entwickeln immer wieder neue Biere. So sind in den letzten Jahren viele einzigartige Kreationen entstanden. Einen Einblick gibt die Genusskiste «ProBier», die pünktlich zum Tag des Schweizer Biers lanciert wird. 13 Biere vom Pale Ale über das Appenzeller Holzfass-Bier bis zum Biera Engiadinaisa sind darin vertreten. Die Genusskiste gibts ab 24. April auf coopathome.ch sowie in allen grösseren Coop-Läden der Deutschschweiz für Fr. 29.95 – solange der Vorrat reicht.

Infos zum Tag des Schweizer Biers
Infos zum Tag des Schweizer Biers bei Feldschlösschen
Die erste weibliche Biersommelière der Schweiz
Statt Wein-Degu: Blick in eine Brauerei
«

Ist alkoholfreies Bier genauso gut wie das alkoholhaltige Bier?»

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Text:
Nicole Hättenschwiler
Foto:
Alamy, Getty Images
Veröffentlicht:
Montag 20.04.2015, 16:54 Uhr

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