Biss und fest

Sie: Einmal wöchentlich arbeiten wir einen Tag gemeinsam zu Hause. Damit ich in Ruhe viel schreiben kann, ist dann jeweils Schneider fürs Mittagessen zuständig. Ich geniesse es, mir keine Gedanken übers Essen machen zu müssen. Oder besser gesagt, ich würde es gern geniessen. Denn Schneider denkt gar nicht ans Kochen. 

 
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Er schreibt, er recherchiert, er plaudert. Ab elf Uhr werde ich leicht nervös. Hat er sich schon überlegt, was er kochen will? Muss er eventuell vorher noch einkaufen? Die Zeit läuft. Doch Schneider ist die Ruhe selbst.

«

Hat er sich schon überlegt, was er kochen will? »

Und weil er bis um halb zwölf noch nicht mal den Kühlschrank geöffnet hat, frage ich sachte und nicht unfreundlich: «Gell, du kochst?» «Klar, bloss keine Panik. Ich habs im Griff.» «Was gibts denn Leckeres?» «Kartoffelgratin. Da haben wir alles hier.» «Gratin? Die Kinder sind um Viertel nach zwölf zu Hause. Sehr, sehr hungrig. Wann sollen wir denn essen? Um zwei?» «Stress’ nicht so, ich mach ja schon.» Er schleppt sich in die Küche. Ich hör ihn schälen, schneiden, klappern. Um Viertel vor zwölf schiebt er die Form in den Ofen, der zur Begrüssung piepst. Und ich frage mich, was wir in einer halben Stunde wohl aufgetischt bekommen werden.

Er: Alle sitzen hungrig da. Die Kleine stibitzt sich die goldbraune Käsekruste, die Kartoffeln schiebt sie an den Tellerrand. Schreiber begnügt sich vorerst mit Salat. Auf meiner Gabel dampft Gratin, ich nehme den Mund voll. Es quietscht zwischen den Zähnen. «Was sind das für Kartoffeln?», frage ich Schreiber. «Kartoffeln halt, bio.» «Bio, klar, aber die sind ja total hart.» «Das ist nicht das Problem der Kartoffel», sagt sie. «Du bist das Problem.» Ich? Na, klar! Bloss weil ich ein bisschen spät angefangen habe. Schreiber beginnt dafür viel zu früh mit der Kocherei und wundert sich dann, wenn das Essen matschig und lauwarm ist. «Nein, das ist die falsche Sorte», sage ich. «Mehlige Kartoffeln sind nämlich in einer halben Stunde gar.»

«

Ich gebs ja zu. Ich war etwas spät dran.»

«Gar nichts sind die, ein Gratin dauert immer eine Stunde.» «Streitet ihr?», fragt die Kleine und die Grosse sagt: «Die sind ja roh! Sind die dann giftig?» Schreiber blickt streng zu mir: «Du fängst einfach zu spät an mit Kochen, gibs zu.» Ich gebs zu und gehe zum Abfalleimer. Dort liegt der Plastiksack, auf dem ich lese: «Festkochende Kartoffeln.» Wusst’ ichs doch. «Die haben einfach zu viel Biss», erkläre ich. Genau wie meine Frau, wenn sie sauer ist.

Das Buch mit den besten Coop-Kolumnen der letzten Jahre, «Spesen einer Ehe», bei www.schreiber-schneider.ch erhältlich. Dürfen Beifahrer im Auto mitreden? Oder sollte es der Beifahrer beim Schweigen bewenden. Wer hat recht? Stimmen Sie unter oben stehendem Link ab. Er redet mir ständig drein, und das nervt! Besser, ich passe auf, sie fährt ja viel zu schnell.

 (Coopzeitung Nr. 18/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 27.04.2015, 16:51 Uhr

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