Blauplan

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Schreiber: Ich will mir die Zähne putzen, geht aber nicht, denn meine Bürste ist weg. Verflixt: Wir sind zu viert, haben auf beiden Etagen ein Bad und zwei komplette Zahnputzstationen mit je vier Zahnbürsten, macht insgesamt acht, alle weiss, aber mit farbigen Punkten markiert. Schneider läuft mir über den Weg, ich frag ihn: «Hast du meine Zahnbürste gesehen?»

«Farbe?»

«Rot. Seit eh und je!»

«Ich hab Blau.»

«

Niemand hält sich an mein Konzept.»

«Unten und oben? Oder nur unten?», will ich wissen.

«Wie unten?»

«Unten im Bad.»

«Ich habe immer Blau, überall», sagt er.

«Aber manchmal gehst du beim Putzen mit der Bürste im Mund durchs Haus. Deshalb sind hier unten auch nur noch zwei, und keine davon ist rot.»

«Du meinst, jemand stiehlt bei uns Zahnbürsten?» Er grinst.

«Natürlich nicht, sondern du und die Mädels, ihr putzt irgendwo die Zähne und schaut nicht mal, mit welcher Zahnbürste!»

«Ich spaziere doch nicht mit fremden Bürsten durchs Haus», sagt er ruhig.

Alles wäre so einfach, würde sich meine Familie an mein Farbkonzept halten. Vielleicht sollte ich die Dinger noch viel deutlicher markieren? Mit wasserfestem Filzstift? Stickern? Nagellack? Schneider fährt fort: «Du kannst ruhig meine blaue nehmen. Macht mir nichts aus, wir sind ja Familie.»

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Schneider: Schreiber hält mir sieben Bürsten unter die Nase. Davon sind drei blau markiert, zwei rot, die andern einmal gelb und einmal grün. «Ah, du hast also deine Zahnbürsten gefunden», stelle ich fest.

«Ja. Eine fehlt noch und dafür sind da drei blaue. Warum?», fragt sie mit bedrohlich rollendem «r».

«Du kaufst die Zahnbürsten», verteidige ich mich.

«Ja, zum Glück, denn sonst würdet ihr sie überhaupt nie wechseln und mit uralten Bürsten putzen.»

«

Dein Konzept? Kennen wir das?»

«Tu ich das nicht?»

«Merkst du gar nicht, dass ich alle zwei Monate die Dinger ersetze?»

«Ich hab mich schon gewundert, dass die so lange halten.»

Schreiber schüttelt sich: «Das werden widerliche Bakterienbrutstätten. Und dann bringt ihr auch noch mein Konzept durcheinander.»

«Dein Konzept? Kennen wir das?»

«Ich habe es bestimmt schon endlos oft erklärt!»

«War ich da immer dabei?»

«Körperlich warst du anwesend, ja.»

«Vielleicht», sage ich, «vielleicht sollten wir das Bürstenmodell wechseln. Keine weissen mehr mit farbigem Punkt, sondern vollfarbige.»

«Was auch nichts nützen würde, wenn ihr euch nicht an die Farben haltet!»

«Ich glaube, dann musst du das eben einfach besser kommunizieren», sage ich.

«Und du besser zuhören!»

«Tu ich doch! Ich habe Blau.»

Dinnerlesungen mit den Kolumnisten und ihrem Programm  «Mein Leben als Paar»: 26. Oktober 2017 Hirschen Erlinsbach SO; 27. Oktober 2017 Rügel, Seengen AG. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 09.10.2017, 10:00 Uhr

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