Brett-Modell

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Schneider: Es war eines meiner Ziele diesen Sommer: Auf einem SUP, also einem Brett mit Paddel, den Rhein vor unserer Haustüre zu bezwingen. Es hat letztlich alles länger gedauert, als ich dachte, wie so oft, aber nun wird es endlich wahr: Ich fahre auf meinem Brett stehend flussabwärts, Richtung Stromschnellen bei Koblenz. Natürlich werde ich vorher ans Ufer schippern, bei der wunderschönen Aue in Rietheim nämlich. Man muss ja beim ersten Mal nicht gleich durchs Wildwasser schäumen. Nein! Beim ersten Mal muss man eine gute Figur machen – und das auf jeden Fall fotografisch festhalten.

«

Beim ersten Mal muss man eine gute Figur machen.»

«Also, bist du bereit?», rufe ich Schreiber zu, die ebenfalls samt Brett flussabwärts treibt. Allerdings kniend. Sie hält die wasserdichte Kamera vor sich und ruft zurück: «Dann mach mal – und Bauch einziehen!»

Ich tauche das Paddel weit vor mir kraftvoll in die Fluten, achte auf eine aufrechte Haltung und atme gleichzeitig den Bauch weg. «Super, ich habs», ruft Schreiber.

«So schnell? Nein, du musst noch mehr Fotos machen!» Ich rudere im Zickzack, will den perfekten Hintergrund, so dass nur Fluss, Wolken und ich zu sehen
sind. Ein Indianer allein in der Strömung!

Hoffe nur, dass Schreiber das richtig belichtet.

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Schreiber: Schneider sitzt am Computer und schaut sich die Fotos an, die ich vorhin im Fluss machen musste. Hach, war das schön, lautlos über das Wasser zu gleiten. Der einzige Stressfaktor war Schneider, der genaue Vorstellungen von seinem Bild samt Brett hatte und mich herumkommandierte.

«Das gibts doch nicht», höre ich ihn murmeln, «völlig unbrauchbar!»

«Was?» Ich gehe zu ihm und schaue auf den Computerbildschirm. «Zeig mal. Also, das sieht doch suuuper aus! Die Farben, der Fluss, fantastisch!», sage ich.

«Der Fluss schon, ja, aber ich! Krumm wie eine Wurst. Und mein Bauch! Du hast immer dann abgedrückt, wenn ich ausgeatmet habe.»

«

Die Fotos zeigen die Realtät.»

Von wegen! Es ist wohl eher so, dass sich Schneider selbst schon länger nicht mehr in Badehosen gesehen hat. Die Fotos zeigen die Realität. Die ist natürlich unerfreulich.

«Wir werden eben ... reifer», sage ich.

Er schweigt. Dann meint er: «Ist nicht leicht, sich so zu sehen.» Das kenne ich aus eigener Erfahrung, darum spanne ich auf jedem Foto den Bauch an. Er blickt zu mir und fragt: «Gefalle ich dir trotzdem noch?»

Ich gebe ihm einen Kuss auf den Kopf und sage: «Und wie! Auch wenn das Brett, das einst dein Bauch war, nun bis unter deine Füsse gerutscht ist.»

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm «Mein Leben als Paar»: 14. September Romanshorn TG; 15. September Staufen AG, 21. September Dinnerlesung in Aeschi BE. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 11.09.2017, 10:11 Uhr

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