Buchtipp: Erzählkunst in Reinkultur

Einfach brillant. Andrea Camilleri (92) liefert mit «Die Inschrift» ein Meisterstück der Erzählkunst. Auf nur gerade 48 Seiten malt er in einer unaufgeregt lakonischen Sprache ein ironisches Sittengemälde Italiens in den 1940er-Jahren.

Wir schreiben den 11. Juni 1940, Italien befindet sich seit einem Tag im Krieg. Michele Ragusano betritt das Lokal des Vereins «Faschismus und Familie». Soeben ist er aus der fünfjährigen Verbannung zurückgekehrt, die er sich wegen «systematischer Diffamierung des ruhmreichen faschistischen Regimes» eingebrockt hatte. Die Begrüssung ist anfänglich eisig, später gewalttätig. Ragusano gerät verbal an Don Manueli (97). Als er droht, ein Geheimnis preiszugeben, geht der alte Mann zu Boden. Tot. Ein Märtyrer des Faschismus – dem nun aber die post-hume Entehrung droht. Wie können seine Glaubensbrüder seinen Heiligenschein wahren, ohne den eigenen zu verlieren? Satire pur. Ein Buch mit hohem Pro-Wort-Preis, aber hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis. 

Andrea Camilleri, «Die Inschrift». Im Handel oder für Fr. 23.– plus Fr. 5.– Versandkosten im Shop

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Martin Zimmerli

Redaktor

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zvg
Veröffentlicht:
Montag 05.02.2018, 09:00 Uhr

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