Zu schade für den Abfall: Mit etwas Kreativität entsteht aus einem alten Buch ein Blumentopf.

Bücherflut: Wohin mit den verstaubten Schätzen?

Ausgelesene Bücher wegzuwerfen, ist für viele ein Tabu. Wer sie behält, hat irgendwann ein Platzproblem. Im Abfall landen müssen Bücher trotzdem nicht.

Sie stapeln sich in Regalen, auf Nachttischen oder warten in Kisten verpackt auf ihren nächsten Einsatz – Bücher. Trotz des viel beklagten Verfalls der Lesekultur sind sie sehr beliebt. Rund 16 Millionen Exemplare gehen hierzulande Jahr für Jahr über den Ladentisch. Nur wenige werden zu heiss geliebten Begleitern auf Lebenszeit, sondern, einmal gelesen, schnell weggelegt. Wer leidenschaftlich gerne liest und öfter neuen Lesestoff kauft, ärgert sich nach einiger Zeit über die «Platzfresser». Wegwerfen können und wollen viele ihre Schätze aber auch nicht. Schliesslich steckt in jedem Einzelnen buchstäblich eine Geschichte. Es stellt sich also die Frage: Wohin mit alten Büchern?

Ausstellen 

Wer nur wenige und gut erhaltene Schmöker loswerden will, kann diese in öffentlich zugängliche Bücherschränke stellen. Von dort wandern sie dann auf den Nachttisch eines anderen Bücherfreunds. Inzwischen gibt es in vielen Städten der Schweiz solche verglasten Schaukästen, die oft von Quartierbewohnern gepflegt werden. Auch der Bücherschrank im St. Johann-Quartier in Basel erfreut sich grosser Beliebtheit, wie die Christoph Merian Stiftung, Initiantin des Projekts, mitteilt. «Angebot und Nachfrage halten sich die Waage. Der Schrank ist mit ganz unterschiedlichen Büchern bestückt.» Der Nachteil bei dieser Methode: Bibliophile laufen Gefahr, mit mehr Büchern heimzukommen, als sie gerade entsorgt haben.

Freilassen 

Eine andere Möglichkeit, sich von ausgelesenen Bänden zu trennen, ist, sie auf eine Reise zu schicken. Wie das geht? Lassen Sie Ihre Bücher frei, indem Sie sie im Tram, Zug oder auf einer Parkbank deponieren. Die Webseite www.bookcrossers.ch bietet ausserdem die Möglichkeit, die Nomaden-Bücher zu registrieren. So kann man herausfinden, wo das Buch gelandet ist und wer es gefunden hat. Vielleicht wird es sogar mehrere Male auf eine Reise geschickt. Die Stationen kann man online mitverfolgen und via Homepage natürlich auch mit anderen Nutzern in Kontakt treten. Immerhin haben sich seit der Gründung 2001 bereits über 1,5 Millionen Bookcrosser in 130 Ländern registriert. Knapp 9,5 Millionen Bücher wurden freigelassen.

Verkaufen 

Was für die einen Ballast ist, kann anderen einige Franken wert sein. Wer seine Bücher nicht nur loswerden, sondern auch noch daran verdienen möchte, kann sie übers Internet verkaufen. Die Webseite www.byboox.ch kauft gebrauchte Werke in deutscher Sprache an. Einfach online die ISBN-Nummer eingeben und sofort erfahren, was der alte Schmöker wert ist. Einen Haken hat diese Variante allerdings: Nicht jedes Buch wird angenommen. Bei einem Testlauf erhielt nur eines von dreien grünes Licht von byboox.ch. Für dieses wurden aber immerhin zwei Franken geboten.

Weitergeben 

Aussortierte Bücher in grosser Zahl sind in Brockenhäusern nicht immer willkommen. Sie brauchen viel Platz und bringen in der Regel wenig Geld ein. Eine Ausnahme bilden die Bücher-Brockys, welche es mittlerweile in fünf Deutschschweizer Städten gibt. In den Läden in Aarau, Basel, Bern, Luzern und Zürich kann man seine Bände gleich kistenweise vorbeibringen. Egal, ob Krimi oder Kinderbuch – fast alle Bücher seien willkommen: «Sie müssen in gutem Zustand sein und dürfen nicht aus einem Buchclub-Abo stammen», teilen die Bücher-Brockys mit. Weiterverkauft werden die ausgeliebten Werke zu fairen Konditionen. Bei grösseren Beständen kann es sich auch lohnen, bei Krankenhäusern, Altersheimen oder Pfarreien anzufragen. Häufig nimmt man dort gerne gut erhaltene Exemplare entgegen.

Basteln 

Kreative Köpfe, aufgepasst! Aus alten Büchern lassen sich auf spielerische Art und Weise kleine Kunstwerke basteln, wie unsere Bastelidee zeigt. Im Internet gibt es zahlreiche Anleitungen, wie man aus den verstaubten Schätzchen kleine Wohnaccessoires oder Dekoobjekte fertigen kann. Tolle Anregungen findet man auch in – ja, klar – Büchern. Empfehlenswert sind zum Beispiel diese: «Book up! Originelle Recyling-Ideen aus Büchern» und «Neues aus alten Büchern: 35 Projekte für spielerisches Recycling».

«Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt», besagt ein arabisches Sprichwort. Warum nicht einmal umgekehrt? Mit dieser Idee hauchen Sie einem alten Schmöker neues Leben ein und kreieren ein dekoratives Zuhause für Ihre Pflanzen. 

Für das «Dschungelbuch» benötigen Sie:

  • Ein altes, gebundenes Buch
  • Kleine, eher in die Breite wachsende Pflanzen
  • Leim
  • Blumenerde
  • Cutter
  • Stabile Plastikfolie
  • Moos oder Steinchen

http://www.coopzeitung.ch/Buecherflut_+Wohin+mit+den+verstaubten+Schaetzen_ Bücherflut: Wohin mit den verstaubten Schätzen?

Die Seiten des Buchs von aussen mit Leim bestreichen. Die ersten Seiten aussparen, damit man das Buch noch aufklappen kann. Nach dem Trocknen mit dem Cutter ein genügend grosses Loch in die Buchseiten schneiden. Es sollte etwa vier bis fünf Zentimeter tief sein, damit die Pflanzen nachher ausreichend Platz haben. 

 

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Nun die Plastikfolie so auslegen, dass sie noch etwas über die Ränder hinausschaut. Danach eine dünne Schicht Blumenerde einfüllen und die Pflänzchen sorgfältig darauf platzieren. Mit ein wenig Erde auspolstern. 

 

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Die vorstehende Plastikfolie mit dem Cutter wegschneiden und, falls gewünscht, an den Kanten ein wenig Moos oder kleine Steinchen auslegen – fertig. 

Frage der Woche

«

Was tun mit alten Büchern?»

Schreiben Sie uns Ihre Inspirationen und Ideen in die Kommentare.

Maša Diethelm

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 16.01.2017, 12:00 Uhr

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