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Vollblutmusiker Büne Huber versucht «die Glut nicht ausgehen zu lassen und geschmeidig zu bleiben».

Büne Huber vor dem winterlich-grauen Panorama der Stadt Bern.

Büne Huber hat auch viele melancholische Momente.

Für Coopzeitung-Reporter Reinhold Hönle war es nicht nur eine Ehre, nach dem Interview mit dem Sänger Büne Huber dessen Gitarrenkoffer zu den Proben des Meccano Destructif Commandos zu tragen. Er erinnerte sich auch daran, dass David Gilmour, Noel Gallagher und Krist Novoselic´ einmal als Roadies ­begonnen hatten, ­bevor sie als Musiker von Pink Floyd,Oasis und Nirvana zu Welt­stars wurden. Aber eben: Wer nicht einmal ein Instrument spielt, sollte sich diesbezüglich wohl ­keine übertriebenen Hoffnungen machen.

Büne Huber: «Das Leben hinterlässt Spuren»

Der Sänger Büne Huber empfängt vom Coopzeitung-Reporter die Grüsse seines Schulkollegen und Schauspielers Stefan Kurt aus Berlin; und er spricht über die bevorstehende Tournee mit seinem Meccano Destructif Commando.

Coopzeitung: Stefan Kurt hat in der Coopzeitung von letzter Woche von Ihrer gemeinsamen Schulzeit in Bern erzählt. Er schickt Ihnen Grüsse aus Berlin. Kannten Sie sich gut?
Büne Huber:  Ja, wir waren eng befreundet, zogen gemeinsam um die Häuser, machten Musik und gingen zusammen in die Ferien. Ich erinnere mich an den Abend nach seiner Aufnahmeprüfung an die Schauspielschule. Wir sassen in einer Beiz, warteten auf den Bescheid und waren uns alle sicher: Wenn einer es schaffen würde, dann «Stüfi», wie wir ihn bis heute nennen!

Keine Zweifel?
Zweifel kamen erst später, als er im Hamburger Thalia-Theater längere Zeit nur auf der Ersatzbank sass. Dann bekam er jedoch eine Hauptrolle im Musical «The Black Rider», wo Tom Waits von ihm so begeistert war, dass er ihm einen Song auf den Leib zimmerte. Wir waren alle unglaublich stolz auf Stüfi. Und ich bin es noch immer, weil ich ihn für einen grossartigen Schauspieler halte.

Wie stand es damals um Ihre musikalische Karriere?
Da war nichts zu spüren von einer musikalischen Karriere. Ich versuchte lediglich, die Peilung zu halten und Songs zu schreiben. Bei der Vorbereitung für die Tournee mit dem Meccano Destructif Commando habe ich mit dem Gedanken gespielt, spasseshalber auch einen Song aus jener Zeit ins Repertoire zu nehmen. Als ich mir aber die «Kassettli» mit den Liedern von mir als Zwanzigjährigem anhörte, musste ich mich von dieser Idee distanzieren – ich bin ja ziemlich selbstironisch, aber das wäre mir nun doch zu peinlich geworden.

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Es ging alles atemberaubend schnell.»

Wann setzten Sie voll auf die Karte Musik?
Nach meiner Stifti als Metallbauschlosser habe ich mich zum Sozialpädagogen ausbilden lassen und ein paar Jahre in einem Jugendheim gearbeitet. Irgendwann tauchte die Frage auf, ob ich nicht versuchen sollte, das zum Beruf zu machen, was ich am liebsten tue: die Musik. Im April 1991 kündigte ich den Job und ging auf eine dreimonatige Reise durch Südeuropa. Im Sommer nahmen wir mit Patent Ochsner die «Schlachtplatte» auf, die im Dezember in den Charts auf Platz 2 stand. So atemberaubend schnell ging das.

Weshalb haben Sie mit Meccano Destructif Commando vor drei Jahren eine Zweitband gegründet?
Wenn wir mit Patent Ochsner auf Tour gehen, haben wir immer ein neues Album im Gepäck, das wir möglichst komplett spielen. Dazu kommen ein paar Hits, die man dem Publikum nicht vorenthalten kann. Da bleibt nicht mehr viel Platz für die Nachtschattengewächse, die weniger populären Songs, die mir ebenso wichtig sind, aber in einer grossen Halle nicht besonders gut funktionieren. Etwa «Git’s über üs e Himu?», ein sehr fragiler Song zum Thema Kindsverlust.

Was unterscheidet die beiden Bands?
Das Meccano Destructif Commando ist mit vier Leuten im Vergleich zum grossen Dampfer Patent Ochsner agil wie ein Schnellboot. Da kann ich am Morgen einen Zeitungsartikel lesen, der mich an einen bestimmten Song erinnert, ihn beim Soundcheck proben und am Abend schon ins Programm nehmen. Ich schätze es auch sehr, dass wir die meisten Konzerte in einem intimeren Rahmen geben als wir uns das mit Ochsners gewohnt sind. Zudem kann ich auf einer Kleintheater-Bühne unbeschwerter losschwadronieren, wenn die Fans rufen: «Verzell no ne Gschicht, Büne!»

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Meine Tochter heranwachsen zu sehen, beglückt mich.»

Wie tickt die Besatzung Ihres Schnellboots?
Mit Wolfgang Zwiauer haben wir am Bass einen ausserordentlich inspirierenden Musiker und herzlichen Menschen an Bord. Gitarrist Disu Gmünder, seit vielen Jahren mein Weggefährte, ist dort sorgfältig, wo ich eine Fünf gerade sein lasse. Hug Andi ist nicht nur ein toller Schlagzeuger, sondern auch ein Multiinstrumentalist, der die Dinge oft völlig anders angeht als Disu und ich. Weil wir uns, wie ich finde, ideal ergänzen, möchte ich auch die nächste Ochsner-Scheibe, den letzten Teil der «Rimini Flashdown-Trilogie», wieder gemeinsam mit ihnen produzieren.

Sie sind ein erfolgreicher Musiker – auch ein glücklicher Mensch?
Ja, ich bin durchaus glücklich, aber ich trage auch eine gewisse Melancholie mit mir rum. Das Leben hinterlässt halt Spuren. Die Trennung von meiner Frau, mit der ich viele Jahre zusammengelebt habe, steckt mir noch immer ein wenig in den Knochen. Es verändert sich vieles im Lauf der Zeit, und plötzlich besucht man Freunde im Spital und muss feststellen, wie zerbrechlich und verletzbar wir geworden sind.

Setzen Sie darum andere Prioritäten als früher?
Nein, nicht unbedingt. Mein Leben verläuft nach einem simplen Schnittmuster. Ich versuche die Glut nicht ausgehen zu lassen, geschmeidig zu bleiben, und bemühe mich, meiner Tochter ein guter Vater zu sein. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden. Sie heranwachsen zu sehen, beglückt mich. Sie missbraucht mein Vertrauen nicht. Okay, möglicherweise bemerke ich einfach nicht, wie sie mich um den Finger wickelt … (lacht).

Hanspeter Büne Huber

http://www.coopzeitung.ch/Buene+Huber Büne Huber

Beruf: Sänger, Musiker, Songschreiber
Geburtsdatum/Wohnort: 27. Februar 1962 in Bümpliz/Bern
Zivilstand: getrennt, eine Tochter (17)
Laufbahn: Sozialpädagoge, 1990 Gründung Patent Ochsner, 1991 Durchbruch mit dem Debütalbum «Schlachtplatte».
Bekannteste Lieder: «Bälpmoos», «Scharlachrot», «W. Nuss vo Bümpliz», «Trybguet», «Zucker + Zitrone», «Gummiboum», «Ich schwöru» (mit Sina).
Aktuell: 13. Februar Tourneestart mit dem Meccano Destructif Commando in Lyss.

Weitere Konzertdaten und mehr infos auf der Webseite von Büne Huber

Quelle: Youtube

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
«Traumsammlerin» von Patti Smith.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Homer Wells in «Gottes Werk und Teufels Beitrag» von John Irving.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Muhammad Ali.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
«Dream Of Life» von Patti Smith.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
«Spaceballs» von Mel Brooks.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Muhammad Ali in «When We Were Kings».

Was für Musik hören Sie gerade?
«Warpaint» von Warpaint. 

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
«Swordfishtrombones» von Tom Waits.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Tom Waits

Was kochen Sie selbst?
Alles. 

Ihre Lieblingsspeise?
Wie man sieht, habe ich zu viele Lieblingsspeisen. 

Ihr Lieblingsgetränk?
Wasser und Wein.

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit vielen Freunden an einem grossen Tisch. 

Und wo essen Sie am liebsten?
Im «Ristorante Senza Punti» in Contra.  

Mac oder PC?
Mac.

Auto oder Zug?
Auto. 

Wein oder Bier?
Wein. 

Pasta oder Fondue?
Pasta. 

Joggen oder Walken?
Weder noch.

Berge oder Meer?
Meer. 

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Heute Morgen. 

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit einem politisch unkorrekten Witz oder schlüpfrigen Kehrreimen. 

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Schabrackentapir. 

Wovon träumen Sie?
Von nackten Damen und so.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Nackte Damen und so. 

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Joel Schweizer
Veröffentlicht:
Freitag 31.01.2014, 11:22 Uhr

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