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Sabine Reber pflanzt Dalmatiner-Glockenblumen in ihrem neu gestalteten Hinterhof in Biel.


Salat neben Primeln? Klar, das passt, und Bio-Primeln sind auch essbar.

Bunter Mix: Zusammen in die Kiste

Frühlingsstart Jetzt wirds bunt auf dem Balkon und im Garten: Dabei ist es erlaubt, verschiedene Pflanzen miteinander zu kombinieren und munter draufloszuexperimentieren.

Im Garten bin ich für strukturiertes Chaos. Darum hab ich im neuen Ateliergarten in Biel den Winter über zehn ordentliche Holzkästen gezimmert, jeweils einen Meter breit und einen Meter beziehungsweise 1,40 Meter lang. Ich habe sie schön regelmässig in einem geometrischen Muster angeordnet. Ein solch quer verlaufendes Muster lässt ein schmales Stück Hinterhof grösser und auch breiter wirken. Viel Platz braucht man nämlich wirklich nicht, um ein Stadtgärtchen anzulegen! Warum nicht einen oder zwei Parkplätze aufgeben zugunsten von eigenem Gemüse und froher Blütenpracht? Bei meinem Modellgärtchen wurde der Asphalt entfernt und etwas Erde aufgeschüttet, darum genügen niedrige Holzrahmen als Struktur. Es ist aber auch möglich, grössere Hochbeete oder Pflanzkisten direkt auf die Strasse oder Terrasse zu stellen. Die meisten Gemüsepflanzen und Blumen kommen schon mit 30 bis 40 Zentimeter Beethöhe zurecht. Zwischen den Kästen habe ich saubere Wege angelegt. Das ist praktisch: Es schafft Übersicht und Ordnung – und vor allem spart man sich mit einer solchen Struktur viel Arbeit. Die Bretter waren zu zweit an einem Morgen zusammengeschraubt. Die Wege haben wir mit unkrauthemmender Folie und Schnipseln belegt. In diesem Innenhof mitten in der Stadt war vorher kein Garten, also musste erst einmal fruchtbare Erde in die Kästen geschaufelt werden. So füllten wir die kleinen Beete mit guter Bio-Gemüseerde, Kompost und etwas Mist. Und schon konnte es losgehen.

Sinnliche Frühlingsblüten

Kästen aus Holz sind schnell gezimmert. Zu zweit werden sie gerade ausgerichtet.

Kästen aus Holz sind schnell gezimmert. Zu zweit werden sie gerade ausgerichtet.
http://www.coopzeitung.ch/Bunter+Mix_+Zusammen+in+die+Kiste Kästen aus Holz sind schnell gezimmert. Zu zweit werden sie gerade ausgerichtet.

Als Erstes habe ich neben den Salaten, die ich überwintern konnte, ein paar bunte Primeln eingefügt. Die Blüten von Primeln sind essbar. Besonders gern mag ich die zart duftenden, hellgelben Primeli, die alle Sinne ansprechen. Auch Hornveilchen und Stiefmütterchen haben essbare Blüten. Wichtig ist nur, für die Küche stets Bio-Qualität zu kaufen. Nicht essbar, aber farblich besonders hübsch zu Primeln und Salatgrün, sind auch die Dalmatiner-Glockenblumen (Campanula portenschlagiana), die es jetzt schon überall zu kaufen gibt. Auch sie vertragen kältere Temperaturen, sie sollten aber an einem eher geschützten Ort gepflanzt werden. Im Steingarten wachsen sie mit den Jahren zu dichten Polstern heran.

Punkto geschützten Standort sind Balkongärtner natürlich im Vorteil, insbesondere diejenigen, die eine gedeckte Loggia haben. Hier können auch jetzt schon Salatsetzlinge in Kistchen gepflanzt werden. Aber auch in einem städtischen Innenhof finden sich meist windgeschützte Ecken. Man muss nur etwas aufpassen, weil manche Ecken sich als Kältefallen erweisen können. Ideal für erste Salate und Frühlingsblumen ist die sonnigste, windgeschützteste Ecke, so diese beiden Eigenschaften denn glücklicherweise zusammenfallen wollen. Bei uns ist es leider eher windig auf der sonnigen Seite.

Hauptsache bunt gemischt

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Schön bunt und wild drauflos!»

Sabine Reber, Gartenfreundin

Mischkultur kennt man aus dem Bauerngarten und der Landwirtschaft. Traditionell wird die Ernte über die Jahre rotiert, sodass die Böden nicht einseitig ermüden. Insbesondere im Bauerngarten werden verschiedene Gemüse und Blumen so gemischt, dass sie einander helfen und sich gegenseitig fördern. Dazu gibt es viele Regeln, und – auch sich zum Teil widersprechende – Theorien. Das Prinzip ist aber einfach: Verschiedene Gemüse und Blumen kombiniert, laugen den Boden nicht einseitig aus. Die Nährstoffe werden besser verwertet, es muss weniger gedüngt werden. Auch Schädlinge treten weniger häufig auf, da die Gerüche der verschiedenen Pflanzen sie verwirren. So helfen Zwiebeln neben den Rüebli die Karottenfliegen fernzuhalten. Kümmel verbessert Wachstum und Geschmack von Kartoffeln. Und Knoblauch hält die Blattläuse von den Rosen fern. Das Prinzip lässt sich gut auch auf den Balkon oder das Hochbeet übertragen: Auch im Kleinen gedeihen die Pflanzen besser, wenn sie geschickt kombiniert werden. Das sieht auch besser aus und macht mehr Spass. Meinerseits kombiniere ich einfach nach Lust und Laune drauflos, schön bunt und wild. Die nötige Ordnung schaffen ja die geometrischen Kästen. Die Pflanzen dürfen im Lauf der Saison ruhig etwas überborden und sich selber weiter mischen und ineinanderwachsen, wie es ihnen beliebt.

 

Das sind die beliebtesten Outdoorpflanzen bei Coop:

 

Dichtestress vermeiden

In Kistchen und Kästen wird generell viel dichter gepflanzt als draussen auf einem grossen Gemüsebeet. Umso wichtiger ist es, die Pflanzen auch entsprechend ihrer Platzbedürfnisse zu vergesellschaften, damit sie keinen Stress bekommen. Wurzelgemüse sollten also kombiniert werden mit Pflanzen, die über der Erde mehr Raum einnehmen. Man würde aus Platzgründen niemals Kartoffeln und Rüebli kombinieren, da ihre Wurzeln und Knollen einander in den Weg kämen. Hingegen sind Lauch und Karotten ideale Partner, da der Lauch nach oben und die Rüebli nach unten wachsen. Ausserdem gilt es auf den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu achten. Zucchini oder Tomaten, die den Sommer über sehr hungrig sind, wollen keine allzu gefrässige Konkurrenz neben sich haben. Ein paar zarte Basilikumpflänzchen oder Knoblauch, der platzsparend und bescheiden wächst, passen allemal neben die Tomaten. Die Zucchini hingegen lasse ich allein in einem grossen Topf, da sie so viel Wasser und Nahrung wie möglich für sich allein haben sollten.

Sonne oder Schatten

Ausserdem gilt sowohl im Hochbeet oder im Garten wie auch im Blumenkistchen auf dem Balkon: grundsätzlich diejenigen Pflanzen miteinander kombinieren, die ähnliche Bedürfnisse haben. So passen mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian und winterhartes Bohnenkraut bestens zusammen in eine Kiste mit Kräuter- oder Kübelpflanzenerde an ein sonniges Plätzchen. Minze und Melisse, die humosere Gemüse-Erde, mehr Feuchtigkeit und weniger Sonne brauchen, kommen zusammen in eine andere Kiste. Erdbeeren wachsen gerne mit einem Säulenapfelbaum zusammen in einem grösseren Kübel auf dem Balkon. Das Wichtigste beim Mischen ist letztlich das Ausprobieren. Einfach mal fröhlich drauflospflanzen – die Erfahrung kommt mit der Zeit von selber. Falls mal eine Kombination offensichtlich nicht funktionieren sollte, kann man immer noch während der Saison ein Kistchen wieder auseinandernehmen und die Pflanzen anders zusammenstellen. Manchmal wachsen Setzlinge auch rascher, als man gedacht hätte, oder eine Blume wird grösser und buschiger als erwartet. Dann gibt man ihr einen grösseren Topf. Gärtnern ist ein bisschen wie Kochen, da probiert man ja auch, bis es einem schmeckt. Also, auf an die Töpfe, und viel Spass beim Experimentieren!

Sabines Gartenblog finden Sier hier

Inspiration

  • Salat setzen: Wichtig ist, dass das Wasser ablaufen kann. Wenn nötig ein Loch bohren.
  • Genügend Erde einfüllen.
  • Anschliessend kommt der Setzling ins Kistchen.
  • Die Erde um den Setzling herum andrücken.
 

«Balkon-Starter», das neue Buch von Sabine Reber, basiert auf ihrer Erfahrung mit vier unterschiedlichen Balkonen, die sie und Fotograf Stöh Grünig in den letzten zwei Jahren bepflanzt, beschrieben und fotografiert haben. Lesestoff für alle, die ganz einfach pflanzen, ernten und geniessen wollen.

Fr. 28.50, blv-Verlag.

Was ist wann zu tun?

Februar
Gartenwerkzeug putzen und pflegen. Bäume und Büsche schneiden. Pflanzenreste und Samenstände von Vorjahr abschneiden. Töpfe vom Vorjahr reinigen: Wurzel- und Erdreste entfernen, Wände ausbürsten und mit warmen Essigwasser ausspülen, mit Tuch abtupfen und an der Luft trocknen lassen. Primeli pflanzen und Zimmerpflanzen hätscheln!

März
Winterschutz entfernen. Geranien aus dem Keller holen und Kübelpflanzen umtopfen, mehr giessen und dann wieder düngen. Kräuter in Töpfe pflanzen, bei Kälte reinnehmen. In Fenster- und Balkonkästen Blumen pflanzen. Gemüsebeete jäten und Boden lockern.

April
Gemüse und einjährige Blumen ins Beet säen. Drinnen gezogene Gemüsesetzlinge auspflanzen. Lilien, Gladiolen und andere sommerblühende Zwiebelblum pflanzen.


Den ausführlichen Jahreskalender finden Sie hier

http://www.coopzeitung.ch/Bunter+Mix_+Zusammen+in+die+Kiste Bunter Mix: Zusammen in die Kiste

Giardina in Zürich
Anregungen für Gartenfreunde Im Zentrum der Giardina stehen dieses Jahr Balkone und Kleinterrassen. Doch es werden auch Japangärten und Koi-Teiche oder die Sonderschau «Planet Pandora» zu sehen sein. Zudem fahren hängende, von Floristen apart bepflanzte Körbe über die Köpfe der Besucher, die sich so rundum inspirieren lassen können.

Vom 11. bis 15. März in der Messe Zürich.

Weitere Informationen zur Giardina finden Sie hier
 
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Sabine Reber

Bloggerin

Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Montag 23.02.2015, 18:21 Uhr

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