Vernetzt: Moderne Carsharing-Systeme sind mit Chipkarte oder Smartphone einfach zu nutzen.

Carsharing: Die Alternative

Stadtbewohner können auf einen eigenen Wagen gut verzichten. Wird das Auto nur ab und zu gebraucht, schont man mit Carsharing Portemonnaie und Umwelt.

Die Freiheit, jederzeit losfahren zu können – das ist das Faszinierende am Individualverkehr. Früher war der Weg vorgezeichnet vom Velo über das Töffli zum eigenen Auto. Heute sind viele Junge nicht mehr bereit, diesen Weg automatisch zu gehen, vorab in urbanen Regionen, wo es viele Alternativen hat. Eine davon ist Carsharing: Statt ein Auto zu kaufen, beteiligt man sich an einer Organisation, die ihren Mitgliedern Fahrzeuge zur Verfügung stellt. Das rentiert sich für die Nutzer: Um Service und Reparaturen, Waschen und Winterreifen müssen sie sich ebenso wenig kümmern wie um Versicherung, Wertverlust oder Kraftfahrzeugsteuer. 

Der Spareffekt ist gross

Wer auf den eigenen, wenig genutzten Wagen verzichtet und auf Carsharing umsteigt, spart mehr als 1000 Euro pro Jahr, hat die deutsche Stiftung Warentest ausgerechnet. Kein Wunder, boomt die Branche auch in der Schweiz. Marktführer Mobility konnte in den letzten zehn Jahren die Zahl seiner Kunden auf mehr als 127 000 verdoppeln. Die roten Fahrzeuge findet man fast überall. Nach Angaben des Unternehmens verfügen 90 Prozent der Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern über mindestens einen Mobility-Standort. Insgesamt stehen landesweit gut 2900 Fahrzeuge zur Verfügung. Dies unterscheidet Carsharing von klassischen Autovermietern, welche nur in grossen Städten oder an Flughäfen anzutreffen sind – und auch dort nur zu fixen Öffnungszeiten. Carsharing lässt sich dagegen dank Online-Buchung rund um die Uhr nutzen. Auf diese Herausforderung haben Mietwagen-Firmen reagiert und ähnliche Angebote lanciert, etwa Hertz 24/7, das es in der Schweiz aber nicht gibt. 

Smarte Lösungen für die Stadt 

Auch Autohersteller haben weltweit in vielen Grossstädten bereits eigene Carsharing-Systeme aufgebaut wie «DriveNow» (BMW) oder «Quicar» (Volkswagen, inzwischen wieder eingestellt). Bei «Car2Go» von Daimler spielt der kleine Zweiplätzer Smart Fortwo seine Stärken aus: Wendigkeit und geringer Platzbedarf. Seit Ende 2015 auch in Madrid: «Dort war ‹Car2Go› vom Start weg ein Erfolg», so Smart-Chefin Anette Winkler am Genfer Autosalon. Sie erwartet, dass Carsharing weiter wächst: «Der Erfolg hängt aber stark ab vom Freefloating», betont sie, «und da sind Wagen wie der Fortwo im Vorteil.» Freefloating – das ist die nächste Stufe im Carsharing: Die Autos stehen nicht an einem bestimmten Ort, sondern irgendwo in der Stadt auf öffentlichen Parkflächen. Wo das nächste Fahrzeug ist, zeigt eine Smartphone-App, die auch zum Buchen und Öffnen dient. Das System testet auch Mobility seit 2014 in Basel, begleitet von Verkehrsforschern der ETH Zürich. Auf Basis der Studiendaten erwartet man, dass «Catch a Car» pro Jahr rund 560 000 Privatauto-Kilometer ersetzt. Das heisst: rund 45 000 Liter Treibstoff beziehungsweise 104 Tonnen CO2 weniger. Moovel, ein weiteres Daimler-Projekt, oder die herstellerunabhängige Ally-App gehen noch einen Schritt weiter: Dort gibt der Nutzer nur noch das gewünschte Ziel ein und die Software berechnet, wie es am schnellsten und günstigsten zu erreichen ist – per ÖV, Carsharing oder Velo, im Taxi oder mit einer Kombination davon. Den Millionenstädten und Agglomerationen weltweit mit permanenten Verkehrsproblemen können solche Systeme Entlastung bringen. Doch auch beim relativ bescheidenen Verkehrsaufkommen der Schweiz ist Carsharing eine Alternative, denn ein Privatauto wird hierzulande im Durchschnitt nur etwa eine Stunde pro Tag genutzt – mehrheitlich steht das teure Stück auf dem Parkplatz herum. Kein Unternehmen der Welt würde sich solch eine Ressourcenverschwendung leisten.

Mehr über «Catch a Car»

SRF-Beitrag über das Pilotprojekt in Basel

Mehr über «DriveNow»
Mehr über «Moovel»

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Freelance Pool, Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.05.2016, 10:00 Uhr

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