Der pflegeleichte Chardonnay lässt sich fast überall auf der Welt anbauen. 

Ein grosser Wein ist zurück 

Wer in den 1990er-Jahren eine Flasche Chardonnay aus Übersee öffnete, wusste, was ihn erwartete. Heute ist dies – zum Glück – wieder anders.

Chardonnay sei ein Allerweltswein, liess ein Redaktionskollege kürzlich verlauten. Ein Wein für Anfänger. Oder für Filmhelden wie Bridget Jones, die einer Lebenskrise mit becherweise Eiscreme und Unmengen an Chardonnay begegnet.
Was ist da los? Wieso hat Chardonnay, der unter Kennern als einer der besten Weissweine gilt, einen derart lädierten Ruf? Noch in den 1970er-Jahren wurde die aus Vorderasien stammende Rebsorte vor allen im Burgund und in der Champagne angebaut. Die kalkhaltigen Böden und das kühlere Klima dieser Regionen verleihen dem Wein eine mineralische Note und eine fruchtige Säure. Typisch für den trocken ausgebauten Chardonnay ist ein Aroma, das an Zitrusfrüchte, Äpfel und Nüsse erinnert.

 
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Opulentes aus Kalifornien

Frankreichs weisser Burgunder war also lange Zeit das Nonplusultra. Doch dann kamen die 1980er-Jahre. Und es kamen die Kalifornier. Diese eiferten schon länger erfolgreich den Franzosen nach. Mit der Zeit entwickelten sie ihren eigenen Stil. Sie ernteten die Trauben zu einem späteren Zeitpunkt und bauten den Wein im Eichenfass aus. Hinzu kam die sogenannte malolaktische Gärung. Dabei wird die Apfelsäure im Wein durch Bakterien und Hefen abgebaut. Das Resultat ist ein opulenter Wein mit einem Alkoholgehalt, der gerne mal 14 Prozent übersteigt. Typisch für ihn sind Aromen von Holz, Karamell und Vanille. Der Wein war so erfolgreich, dass viele Güter diesen Stil übernahmen. Eine Zeit lang schmeckten die Chardonnays aus Übersee alle gleich: üppig, buttrig, und nach Vanille – die spritzigen Fruchtnoten waren fast verschwunden.

Bloss kein Chardonnay!

Als Gegentrend kam in den 1990er-Jahren die «Anything but Chardonnay»-Bewegung  (Alles ausser Chardonnay). Die Leute lechzten nach Vielfalt, nach leichteren, fruchtigeren Weissweinen. Und die Weinwelt hat geantwortet. Aus Ländern wie USA und Australien kommen heute sehr fruchtbetonte Chardonnays mit leichter Säure. Auch Coop-Önologe Jan Schwarzenbach bestätigt, dass im letzten Jahrzehnt sehr viel passiert ist. «Es werden wieder schlankere Weine produziert, auch solche, die ohne malolaktische Gärung auskommen.» Ein gutes Beispiel dafür sei der Chardonnay Barossa Valley Château Tanunda 2013, der zum 125-jährigen Bestehen des australischen Traditionsweinguts hergestellt wurde. «Ein sehr knackiger Wein, obwohl er im Holzfass ausgebaut wurde», findet Schwarzenbach. Mittlerweile produzieren die Winzer weltweit auf so unterschiedliche Arten, dass sich für jeden Geschmack und zu jeder Speise ein passender Chardonnay findet. Das Wort Allerweltswein bekommt so eine neue, positive Bedeutung.

Mehr detaillierte Beschreibungen von Weinprämierungen und die Weine dazu unter der Weinplattform Mondovino

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Viele der besten trockenen Weine der Welt werden im kleinen Holzfass ausgebaut. Diese Tatsache hat sich bei  Weinliebhabern und Weinliebhaberinnen eingeprägt. Alternativen zum Holzfass, wie etwa Würfel und Tank-Innenverkleidungen aus Eichenholz, haben einen schlechten Ruf. Oft werden sie vom Konsumenten als Täuschung wahrgenommen. Dabei haben die Fass-Alternativen einen klaren Zweck und Vorteil gegenüber dem Original. Sie ermöglichen den beliebten Eichenholzgeschmack im Wein zu einem viel tieferen Preis. Ein kleines Holzfass kostet bis zu tausend Franken, die Alternativen ein Vielfaches weniger. Auch ist mit Holzfässern die Arbeit im Keller sehr viel aufwendiger als mit Alternativen. Für Weine unter etwa zehn Franken, welche Eichenholzgeschmack aufweisen sollen, sind die Holz-Alternativen also ideal. 

Jan Schwarzenbach, Önologe

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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Prisma, zVg
Veröffentlicht:
Montag 17.08.2015, 17:00 Uhr

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