Christa Rigozzi: «Ich habe grössten Respekt für das, was die Bauern leisten. Es ist kein einfaches Leben, das sie führen.»

Die Kupplerin

Ab 12. Juli trägt die Tessinerin Christa Rigozzi (35) wieder ihren Teil dazu bei, dass die Herzen einsamer Bauern höher schlagen: Dann feiert die Sendung «Bauer, ledig, sucht ...» auf 3+ ihr zehnjähriges Bestehen. Sie selber kann sich ein Leben auf dem Bauernhof nicht vorstellen.

Christa Rigozzi, zuerst ein Geständnis: Ich habe noch nie eine ganze Sendung «Bauer, ledig, sucht ...» geschaut …
… okay … warum denn nicht?

Mir tun die Bauern manchmal leid …
… das müssen sie aber nicht …

… sie wirken so ausgestellt.
Sie sind so, wie sie sind. Sie spielen keine Rolle, auch weil es kein richtiges Drehbuch gibt. Vieles ergibt sich spontan und das macht es authentisch. Und wichtig: Sie nehmen freiwillig teil. Manchmal werden sie von Freunden ermuntert, sich anzumelden und müssen sich ein wenig überwinden. Sie bereuen es aber nie und haben immer grossen Spass bei den Dreharbeiten. Nicht wenige dürfen sich gar über ein Happy End freuen.

Wenn die Hochzeitsglocken läuten.
Genau. In den 13 Staffeln haben wir schon 17 Hochzeiten erleben dürfen und 23 Babys kamen dank unserer Sendung zur Welt. Kein Wunder, sind die Bauern so happy. Sie sollten sich also wirklich mal eine ganze Sendung anschauen.

Wenn Sie eine Sendung oder eine Liebesgeschichte rauspflücken müssen, welche wäre es?
Schwierig! Es gibt so viele wunderbare Geschichten, die mich berührten. Besonders gut gefallen hat mir in der neuen Staffel die Stubete im Freilichtmuseum Ballenberg, die nur schon von der Umgebung her einmalig war. Aber auch die Stimmung war speziell: Es schüttete wie aus Kübeln. Die Bauern haben sich davon nicht beeindrucken lassen. Einige haben sich verliebt, es gab auch die ersten Küsse, es wurde viel gelacht, aber auch ein wenig gestritten. Also alles, was dazu gehört.

Traurige Momente, die Sie erlebt haben?
Es ist nie einfach für die Kandidatinnen, die leer ausgehen, weil sich der Bauer für eine andere Frau entscheidet. Traurig, nein, tragisch war das Schicksal von Bauer Franz, der in meiner ersten Sendung dabei war. Er starb nur acht Wochen nach der Heirat an Lungenkrebs.

Könnten Sie sich vorstellen, auf einem Bauernhof zu arbeiten und zu leben?
Also in den Ferien für ein, zwei Wochen könnte ich es mir vorstellen, aber dauerhaft dort zu leben eher nicht. Ich liebe zwar die Natur, bin aber ein Stadtmensch. Ich habe grössten Respekt für das, was die Bauern leisten. Denn der wirtschaftliche Druck ist sehr gross. Es ist kein einfaches Leben, das sie führen.  Die Tage sind sehr lang, dauern oft 14 Stunden oder noch länger. Das geht nur, wenn du mit ganzem Herzen und viel Leidenschaft bei der Sache bist

Hat sich ein Bauer auch schon in Sie statt in eine Kandidatin verliebt?
Hin und wieder antwortet ein Bauer, wenn er von mir nach seiner Traumfrau gefragt wird: «Sie soll so wie du sein.» Dann muss ich ihm sagen, dass ich leider schon vergeben bin. Das sind lustige Momente. Natürlich meinen sie es nicht ernst. Denn sie suchen eine richtige Bäuerin, die auf dem Bauernhof leben soll.

Reden wir über die Polit-Sendung «Arena/Reporter», die Sie seit einem Jahr zusammen mit Jonas Projer moderieren. Im Vorfeld gab es damals kritische Stimmen. «Glanz und Gloria fusioniert mit der Arena» war ein solcher Kommentar.
Mich hat das nicht gross beeindruckt. Kritik finde ich nützlich, wenn sie sich auf die Sache bezieht und sie nicht anonym geäussert wird. Sonst interessiert sie mich nicht. Ich dachte nur: Meine Antwort darauf gebe ich in der Sendung. Indem ich mich intensiv auf sie vorbereite und meinen Job gut mache. Das hat geklappt. Ich bin jetzt nicht plötzlich zur Polit-Journalistin geworden, sondern ich stelle den Kontakt zum Publikum her und gebe seine Meinung wieder.

Wie erklären Sie sich diese anonyme Kritik noch im Vorfeld?
Es gab Leute, die diesen Job auch gerne erhalten hätten. Die
waren einfach neidisch, als ich zum Zug kam, und haben sich dann anonym geäussert. Was mich nicht interessiert. Wenn jemand aber offen zu seiner Meinung steht, nehme ich ihn ernst und setze mich mit ihm auseinander.

http://www.coopzeitung.ch/Christa+Rigozzi_+Die+Kupplerin Christa Rigozzi: Die Kupplerin
«

Christa Rigozzi, Miss Schweiz 2006: «Die Deutschschweizer sollten das Leben mehr geniessen!»»

So wie bei Cédric Wermuth. Er kritisierte Sie, als Sie früher schon einmal in der «Arena» auftraten, mit den Worten: «Vorschlag: In der nächsten Sendung moderiert Vujo Gavric.»
Er hat seine Meinung längst revidiert, sich entschuldigt und mir nach einer Sendung zu meiner Arbeit gratuliert. Dann ist es für mich in Ordnung. Wir sind Menschen und machen alle Fehler. Ein solcher ist es, wenn man einen Moderator noch vor seiner ersten Sendung bewertet.

Auch andere Frauen werden immer wieder unfair beurteilt. Claudia Neumann erlebt das beim ZDF während der Fussball-WM: Sie macht einen tollen Job, wird aber heftigst angegangen – nur weil sie eine Frau ist und sich in eine Männerdomäne wagt.
Wenn sie nichts von Fussball verstehen würde, wäre die Kritik berechtigt – genau so, wie sie es bei einem Mann wäre. Sie sagen aber, sie mache einen tollen Job. Also ist es höchst unfair. Mir ist es total egal, ob ein Job von einer Frau oder einem Mann ausgeübt wird. Am Ende zählt nur, wie kompetent er oder sie ist. Ich finde die Kritik an ihr deshalb peinlich und altmodisch. Das zeigt: Wir Frauen müssen immer noch für unsere Sache kämpfen.

Welche Frau bewundern Sie?
Doris Leuthard. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die sich gerne kämpferisch zeigt. Mit Erfolg: Denn die grossen Abstimmungen wie die Billag-Initiative oder die zweite Gotthard-Röhre hat sie gewonnen.

«

Manchmal muss ich einem Bauern sagen, dass ich vergeben bin.»

Christa Rigozzi, 35

Warum expandieren Sie nicht nach Italien? Michelle Hunziker ist dort sehr erfolgreich.
Es gab Anfragen, aber keine passte richtig zu mir. Ich muss nicht mit aller Kraft in Italien tätig sein, sondern habe in der Schweiz mehr als genug zu tun. Wenn ich mich bei einem Engagement unwohl fühle, verzichte ich lieber darauf.

Anderes Thema: Nicht verzichten wollen Sie auf Tattoos. Wie viele haben Sie mittlerweile?
(Beginnt zu zählen.) Ich komme auf 13. Sie sind jedoch alle klein und nicht an Orten, wo sie sofort ins Auge stechen.

Aber wenn man die Tattoos nicht sieht, machen sie doch gar keinen Sinn.
Doch, weil ich es für mich selber mache. Jedes Tattoo hat für mich eine besondere Geschichte und Bedeutung.

Wo ist das nächste Tattoo geplant?
Hinten auf den Füssen. Es wird aus Buchstaben bestehen. Was genau drauf steht, möchte ich nicht verraten. Das ist privat. Dafür kann ich Ihnen sagen, was meine letzten Tattoos waren: die Namen meiner Töchter sowie eine Weltkarte. Die Tattoos erzählen mein Leben.

Die beste Tessiner Spezialität?
Risotto al Merlot.

Was könnten sich die Deutschschweizer von den Tessinern abschauen?
Die Deutschschweizer sollten das Leben mehr geniessen! Die Tessiner sind Genussmenschen, die Deutschschweizer Workaholics.

Wie geniessen Tessiner?
Sie legen Wert auf ein gutes Mittagessen, das sie in Ruhe zu sich nehmen. In der Deutschschweiz sehe ich, wie die Menschen mit einem Salat oder einem Sandwich in der Hand durch die Strassen eilen. Oder nach der Arbeit: Wir machen gerne spontan einen Apéro. Aber Achtung: Das sind Klischees, weil es nicht auf alle zutrifft. Ich sage das deshalb mit einem Augenzwinkern.

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