Kuno Lauener: «Ich denke nicht, dass ich ein typischer Frontmann bin.»

Cooler Kuno: «Von Ronaldo will ich gar nichts»

Züri-West-Frontmann Kuno Lauener (56) wäre lieber einer dieser «Flinkfingergitarristen» geworden – zum Glück war er nicht versiert genug.

Kuno Lauener, wie heissen Ihre jüngsten Fans?
Woher soll ich das wissen?

Sind das nicht Ihre Kinder?
Das ist schwierig zu beurteilen ... (schmunzelt). Als ich von unserem Auftritt bei den Swiss Music Awards nach Hause gekommen bin und wir uns die Fernsehaufnahme unseres Auftritts zusammen angesehen haben, hat Emil nichts gesagt und Lucie meinte, dass sie schon wildere Rockshows gesehen hätte. Dabei ist sie erst fünf Jahre alt und hat noch nie ein Rockkonzert gesehen! Aber sie dachte wahrscheinlich, dass sie dem Vater mal eins vor den Bug schiessen muss, damit er nicht abhebt.

Ist die Message angekommen?
Jaja, ich bin auf dem Boden geblieben. Das hat sie super gemacht! (Lacht.)

Wie schwierig ist es, seine Kinder bedingungslos zu lieben?
Wenn man noch nicht Vater ist, hat man etwas Schiss, ob es einem gelingen wird. Die Bewältigung des Alltags wird nach der Geburt aber schnell Routine. Was ich lernen musste, war die Gelassenheit, «es» einfach laufen zu lassen.

Wie lernt man denn Gelassenheit?
Als wir erfuhren, dass wir Eltern werden, hatten wir das Gefühl, von nichts eine Ahnung zu haben. Als das Baby da war, folgten wir einfach mehr oder weniger unserem Instinkt und gesunden Menschenverstand. Ein Jahr später merkten wir plötzlich, dass wir – ohne viel darüber nachgedacht zu haben – schon richtige Eltern waren.

Welches ist für Sie die grösste Herausforderung?
Als Eltern entwickelt man Vorstellungen, wie ein Kind sein müsste oder sich entwickeln sollte. Es besteht die Gefahr, dass es zur Projektionsfläche der eigenen Wünsche wird.

Mussten Sie Ihrer Partnerin versprechen, dass Sie Emil nicht zum YB-Profi heranziehen wollen?
Nein, ich habe mich gestern gerade informiert, wo man ein Goal für den Garten kaufen könnte! (Lacht.) Ich denke allerdings, dass ich momentan noch mehr Freude daran hätte als unser Sohn – oder unsere Tochter.

Sie würden sich also nicht querstellen, falls Ihre Kinder Fussball-Stars werden wollen ...
Das ist mir «en Chiuche», was sie später einmal machen wollen! Ich finde, dass Sport gut ist. Den Rest können unsere Kinder selbst entscheiden.

Darf man aus der Single «Quitte» eigentlich schliessen, dass Sie den rechten Fuss von Ibrahimovic lieber hätten als den Body von Ronaldo?
Aber sicher. Von Ronaldo will ich wirklich gar nichts, nicht mal sein Geld. Dagegen ist Ibrahimovic für mich eine gottähnliche Figur. Ich habe seine Biografie «Ich bin Zlatan» gelesen. Ein tolles Buch! Ich würde ihn als grössenwahnsinnigen Spinner mit dem Herz auf dem rechten Fleck und einem goldenen rechten Fuss bezeichnen. Ich verstehe, dass viele der blutjungen Fussballer nur schwer mit schnellem Reichtum und Ruhm umgehen können.

Auch Sie stiegen schnell zum coolsten Typen der Schweizer Musikszene auf.
Bei uns ging zwar auch ziemlich rasch die Post ab, doch war die Medienwelt noch eine andere als heute. Man hat nicht jeden Furz, den jemand losgelassen hat, beobachtet und kommentiert. Ich tue mich damit schwer, dass die sozialen Plattenformen dauernd mit Futter versorgt werden wollen. Ich nehme die ganze Sache wohl viel zu ernst! (Lacht.)

Trotzdem nutzen auch Sie die Neuen Medien ...
Wenn wir eine neue Platte veröffentlichen und wollen, dass die Leute auf sie aufmerksam werden, müssen wir ihnen etwas bieten. Trotzdem gefiel es mir besser, als es noch nicht überall riesige Bildschirme gab und jedes Konzert gefilmt wurde. Man lebte mehr im Moment. Alles war ein wenig vergänglicher. Jene, die dort waren, sahen das Konzert, und die anderen halt nicht. 

Sie sind Sänger geworden, obwohl Sie eher ungern im Rampenlicht stehen?
Irgendetwas in mir drinnen hat es wahrscheinlich schon gewollt, aber ich denke nicht, dass ich ein typischer Frontmann bin. Ich habe die Texte geschrieben und weil sie niemand singen wollte, habe ich das halt gemacht. Ich wäre am liebsten einer dieser «Flinkfingergitarristen» geworden, aber dafür war ich nicht versiert genug. 

Und wie fühlten Sie sich in der neuen Rolle? 
Zuerst als Stellvertreter, aber dann bekamen wir rasch Reaktionen, die mich ermutigt haben. Die Konzerte waren manchmal ziemlich wild. Wir waren damals eine richtige Gang nach dem Motto «Wir gegen den Rest der Welt». Aber das ist lange her.

«

Früher hat man nicht jeden Furz, den jemand losgelassen hat, kommentiert.»

Stört es Sie, dass Sie – anders als Ihre Bandmitglieder – neben der Bühne nicht in die Anonymität abtauchen können?
Nein, ich kann inzwischen damit umgehen, weil ich eine Strategie habe: Wenn wir für die CD Werbung gemacht haben und die Tournee vorbei ist, stehe ich nicht mehr für Interviews zur Verfügung. Ich habe kein Bedürfnis, weiter in den Medien präsent zu sein und ziehe mich in mein Schneckenhaus zurück.

Ist Ihr Vorbild auch da Bob Dylan? Eine tolle Mundart-version von «Don’t Think Twice» ist auf der CD.
Ja, ich habe mit 16 oder 17 meine erste Dylan-Platte gekauft und ihn seither immer verfolgt, und zu verstehen versucht, was mir aber nicht immer gelungen ist. Zu «Mir wei nid grüble (es isch scho rächt)» hat mich eine Dylan-Geburtstagssendung des Schweizer Fernsehens inspiriert, zu der Stephan Eicher allerdings schon eine englische Fassung beigetragen hatte, weshalb ich meine auf Eis legte.

Wie denken Sie über Dylans Reaktion auf den Nobelpreis?
Was viele als antiquierte Rock’n’Roll-Attitüde empfanden, fand ich super: Zuerst gar nicht reagieren und dann sagen, man könne gerade nicht kommen ... Als Rockmusiker muss man sich eine gewisse Nonchalance bewahren. Der Dylan hat das schon gut gemacht! (Schmunzelt.) 

Sie halten ihn nicht für arrogant?
Er ist sicher ein schlauer Mensch, aber ich habe nicht den Eindruck, dass er extrem überheblich ist. Vermutlich hat er zwischendurch einfach die Nase voll von all denn Verehrern, die von ihm kritiklos einfach alles fressen würden.

In «Glück & Glas» singen Sie von der Zerbrechlichkeit der Liebe. Macht sie das noch kostbarer?
Der Protagonist im Song spricht nicht von einer idealen Beziehung, muss aber zugeben, dass er sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen könnte. Das hat wahrscheinlich mit unserem Alter zu tun: Das Leben schlägt zurück. Und wenn du allein bist, ist von ihm nicht so viel übrig, wie du mal gedacht hast.

Haben Sie die dauerhafte Liebe früher schon gesucht?
Von ihr geträumt habe ich immer, aber in der Realität war ich flüchtigen Beziehungen nicht abgeneigt. Ich war nie ein grosser Planer, 
aber nun gefällt es mir, dass mein Leben durch meine Kinder mehr Struktur bekommen hat.

Kommentare (4)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?