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Der Arenal-Vulkan

Binden-Ameisenwürger ♀- Barred Antshrike.

Blaureiher

Boa constrictor

Dreifarbenreiher-Tricolored Heron

Goldhase Agouti

Graukopfguan - Gray-headed Chachalaca

Grüner Leguan - Green Iguana

Grünreiher - Green Heron

Inkatäubchen

Kahnschnabel - Boat-billed Heron

Kajman

Krabbenreiher - Yellow-crowned Night-Heron

Mantelbrüllaffe

Rosalöffler - Roseate Spoonbill

Rotaugenfrosch

Rotbrustfischer - Ringed Kingfisher

Rufous - tailed Hummingbird

Schmuckreiher - Snowy Egret

Schneesichler

Schwarzkopftrogon - Black-headed Trogon

Stirnlappenbasilisk - Plumed Basilisk ♂

Swansoni-Tukan

Truthahngeier - Turkey Vulture

Zweizehenfaultier

Costa Rica

Eine schier unermessliche Fülle an Pflanzen und Tieren sind der Reichtum des zentralamerikanischen Staates. Und die will er sich nicht kaputt machen lassen.

http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Costa Rica

Nicht, dass er in Costa Rica besonders selten wäre. Mitnichten. Trotzdem, fast drei Tage sind wir schon unterwegs, als uns der Nationalvogel in der Pacuare Lodge erstmals vor die Linse hüpft: die Gilb-, auch Schlichtdrossel genannt. Nomen est omen: lehmfarben ist sie, hat die Grösse einer Amsel, ist quasi optimal unscheinbar. Die Einheimischen nennen sie «Yiguirro» – und so tönt sie auch.

Optimal unscheinbar: Die Gilb- oder Schlichtdrossel ist der Nationalvogel von Costa Rica. 

Optimal unscheinbar: Die Gilb- oder Schlichtdrossel ist der Nationalvogel von Costa Rica. 
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Optimal unscheinbar: Die Gilb- oder Schlichtdrossel ist der Nationalvogel von Costa Rica. 

Dass das unscheinbare Wesen es in den Status des Nationalvogels geschafft hat, ist eigentlich erstaunlich. Aber irgendwie auch nicht. Erstaunlich, weil in Costa Rica rund 900 Vogelarten mehr oder weniger regelmässig unterwegs sind – so viele wie in ganz Europa bis zum Ural, einschliesslich Nordafrika und Naher Osten – und geschätzte 899 von ihnen fliegen in einem prachtvolleren, farbenfroheren oder zumindest auffallenderen Federkleid durch die Gegend. Nicht erstaunlich dagegen, wenn man sich an die ausnahmslos bescheidenen, hilfsbereiten Menschen in Costa Rica gewöhnt hat, die mit einer optimistischen Gelassenheit und ehrlichen Herzlichkeit durchs Leben gehen. Dazu passt auch der Ausdruck «Pura vida – Reines Leben», der bei jeder Gelegenheit zu hören ist. Das ist anfänglich verwirrend, für den nicht Spanischsprechenden aber praktisch, denn «pura vida» bedeutet alles: guten Morgen, alles Gute, auf Wiedersehen, wie geht’s?, wo gehst du hin?, guten Appetit. «Sag einfach ‹pura vida› und die Leute werden dich verstehen», sagt Enrique Balsevicius (52), unser Guide.

Nichts von reicher Küste

Ananas (hier auf dem Markt der Hauptstadt San José) sind Costa Ricas wichtigstes Exportprodukt. 

Ananas (hier auf dem Markt der Hauptstadt San José) sind Costa Ricas wichtigstes Exportprodukt. 
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Ananas (hier auf dem Markt der Hauptstadt San José) sind Costa Ricas wichtigstes Exportprodukt. 

Hätte Christoph Kolumbus 1502 gewusst, was ihn nach seiner Landung in Mittelamerika erwartet, er hätte Costa Rica sicher nicht Costa Rica genannt – und schon gar nicht Costa Rica y Castillo de Oro (Reiche Küste und Goldene Burg). Denn die vermeintlich reiche Küste entpuppte sich überhaupt nicht als reich – zumindest nicht im Sinne seiner Eroberer: kein Gold, ja überhaupt keine Bodenschätze, die abzubauen sich gelohnt hätten. Das war schlecht für die Eroberer, aber gut für Costa Rica, denn dadurch hielt sich das Interesse der Konquistadoren in Grenzen. So manch ein Costa Ricaner soll sich 1821 verwundert die Augen gerieben und gefragt haben, aus welcher Abhängigkeit sein Land soeben entlassen worden sein soll.

Farbenprächtigen Vögeln begegnet man auf Schritt und Tritt: hellroter Ara

Farbenprächtigen Vögeln begegnet man auf Schritt und Tritt: hellroter Ara
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Farbenprächtigen Vögeln begegnet man auf Schritt und Tritt: hellroter Ara

Heute sehen wir das natürlich anders. Heute betrachten wir Costa Ricas Reichtum als unbezahlbar: seinen Reichtum an Natur – an Tieren und Pflanzen, Flüssen und Stränden, Trocken- und Regenwäldern. 500 000 Tierarten wurden hier nachgewiesen, womit das Land punkto Biodiversität zu den Top 20 der Erde zählt – dabei ist es mit einer Fläche von 51 000 Quadratkilometern nur unwesentlich grösser als die Schweiz mit ihren geschätzten 40 000 Tierarten.

Der kilometerlange Pazifikstrand von Nosara während der Hochsaison!

Der kilometerlange Pazifikstrand von Nosara während der Hochsaison!
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Der kilometerlange Pazifikstrand von Nosara während der Hochsaison!

Auf diesem Reichtum fusst der heute wichtigste Devisenbringer des Landes: der Tourismus. Dabei liegt der Beginn des Fremdenverkehrs in Costa Rica noch keine 30 Jahre zurück. Einer, der dessen Entwicklung hautnah miterlebte und mitgestaltete, ist der Berner Daniel Küng (49). Er kam 1992 erstmals ins Land mit dem Auftrag, für einen Schweizer Reiseanbieter das Potenzial Costa Ricas als neue Tourismusdestination zu erkunden. «Es war das Paradies», sagt er noch heute. Kurzerhand quittierte er seinen Job, wanderte anfangs 1994 nach Costa Rica aus und gründete hier seine eigene Reiseagentur. Heute beschäftigt sein Unternehmen Ara-Tours 60 Festangestellte, dazu kommen je nach Saison 50 bis 70 Reiseleiter. «Das Land hätte mit dem Tourismus das schnelle Geld machen können», blickt Küng heute zurück, «doch das tat man nicht.»

Nachhaltigkeit als Prämisse

Der Regierungssitz passt zum Charakter der Bevölkerung: bescheiden, gelassen.

Der Regierungssitz passt zum Charakter der Bevölkerung: bescheiden, gelassen.
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Der Regierungssitz passt zum Charakter der Bevölkerung: bescheiden, gelassen.

Von Beginn weg lag der Fokus auf einem Ökotourismus, der die Nachhaltigkeit kompromisslos ins Zentrum setzte. Ein paar Beispiele:

  • Zwischen 1945 und 1983 fielen rund 80 Prozent des Regenwaldes den Kettensägen zum Opfer. Heute ist wieder mehr als die Hälfte davon aufgeforstet, finanziert unter anderem aus einem Fonds, der mit Geld aus CO2-Kompensationen und Treibstoffsteuern geäufnet wird. 
  • 27 Prozent der Landesfläche stehen unter Naturschutz (Schweiz: 6,5 Prozent) – und der Anteil wächst.
  • Strände wie diejenigen von Ostional am Pazifik oder Tortuguero in der Karibik-Region werden kompromisslos für die Schildkröten geschützt, die hier zu Tausenden zur nächtlichen Eiablage an Land krabbeln.
  • Hotels werden nicht nur mit Sternen ausgezeichnet, sondern auch mit Blättern: je mehr Blätter, desto grösser ist die Leistung im Sinne der Nachhaltigkeit. Und der Anreiz, möglichst hoch eingestuft zu werden, ist gross, denn auch Reiseagenturen werden mit Blättern ausgezeichnet und arbeiten deshalb prioritär mit ökologisch hoch eingestuften Hotels zusammen.

5-Blatt-Lodge

Amadeo und Regina Amacker wanderten 2003 nach Costa Rica aus und führen die Lagarta Lodge in Nosara.

Amadeo und Regina Amacker wanderten 2003 nach Costa Rica aus und führen die Lagarta Lodge in Nosara.
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Amadeo und Regina Amacker wanderten 2003 nach Costa Rica aus und führen die Lagarta Lodge in Nosara.

Welchen Kriterien ein Hotel beziehungsweise eine Lodge genügen muss, das wissen Regina (50) und Amadeo Amacker (53). «Mit etwas Recycling ist es nicht getan», sagt Regina. «Wichtig sind auch Faktoren wie die soziale Verantwortung, das Engagement in der Kommune oder die Berücksichtigung lokaler Produzenten – Bauern und Fischer ebenso wie Schreiner und andere Bauleute.» Amackers waren in der Schweiz in verschiedenen Funktionen im Tourismus tätig und wanderten 2003 nach Costa Rica aus. Hier führten sie bis vor zwei Jahren am Pazifik die Lagarta Lodge in der Provinz Guanacaste im Nordwesten des Landes. Auch nach deren Verkauf und Erweiterung auf 25 Zimmer sind sie noch in führender Position tätig. «Strom und Wasser sind in Costa Rica extrem teuer», sagt Amadeo, «das fördert die Sparbemühungen.» So verfügt die neue Lagarta Lodge unter anderem über eine imposante Photovoltaikanlage, über eine solare Wasseraufbereitung, zwei Abwasseraufbereitungsanlagen und Wassertanks, in denen das aufbereitete Wasser und Regenwasser für Garten und Toiletten gesammelt wird. All dies – und noch viel mehr – brachte der um- und neugebauten Lodge die ersehnten fünf Blätter. «Darauf hatten wir gehofft», sagt Amadeo, «und natürlich auch ein bisschen damit gerechnet.» In dieser Beziehung geht nicht nur den Einwanderern, sondern allen Bewohnerinnen und Bewohnern Costa Ricas die eingangs erwähnte Bescheidenheit gänzlich ab. Und das ist gut so.

  • Costa Rica entstand durch die Unterschiebung der Cocos-Platte unter die nordöstlich von ihr gelegene Karibische Platte. So entstand eine Verbindung zwischen Süd- und Nordamerika, was unter anderem die Vielfalt von Flora und Fauna miterklärt.
  • Costa Rica grenzt im Norden an Nicaragua und im Süden an Panama. 4,8 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche von 51 000 Quadratkilometern.
  • In Costa Rica leben rund 500 000 Tierarten, die Mehrheit Insekten (zum Beispiel 1200 Schmetterlingsarten), etwa 900 Vögel (u. a. 6 Tukan-, 18 Papageien-, 55 Greifvogel- und 50 Kolibriarten), 220 Säugetiere (so Jaguare, Tapire, Nasenbären, Faultiere und sechs Affenarten), 220 Reptilien (wie Leguane, Schildkröten, Kaimane, Krokodile oder 100 Schlangenarten wie die Boa constrictor) sowie 165 Amphibien. Nicht minder imposant ist Costa Ricas Fauna, unter anderem in den riesigen Trocken-, Regen- und Mangrovenwäldern. 
  • 1949 schaffte Costa Rica seine Armee ab und erklärte 1983 seine Neutralität. Die frei gewordenen Gelder investierte das Land in Bildung und Gesundheit. Resultat davon ist eine Alphabetisierungsrate um 97 Prozent. Von den Ländern der Region steht lediglich Kuba noch besser da.
  • Jedes Jahr besuchen rund 22 000 Schweizerinnen und Schweizer Costa Rica. Dass es nicht mehr sind, ist vorab den mühsamen Flugverbindungen geschuldet. Das ändert nun: Ab 9. Mai fliegt die Fluggesellschaft Edelweiss jeweils dienstags und freitags direkt von Zürich in die Hauptstadt San José. Die Flugzeit beträgt rund zwölf Stunden, Tickets gibts ab 799 Franken.

Der Autor hat auf seiner Reise die folgenden Hotels und Lodges kennengelernt:

  • Mawamba Lodge, Tortuguero, nördliche Karibik-Küste. Nur per Boot erreichbar, ideal für Bootssafaris im Tortuguero Nationalpark: www.mawamba.com
  • Pacuare Lodge, Limon, mitten im Regenwald am Pacuare River. Anreise in der Regel mit Riverrafting. Lauschiger geht’s kaum, die luxuriösen Zimmer ohne Elektrizität, Romantik im Kerzenschein. Viele Spa- und Adventure-Angebote: www.pacuarelodge.com
  • Hacienda Alta Gracia, in den Bergen von Perez Zeledon, in der Südregion von Costa Rica: Gilt als eine der besten und luxuriösesten Residenzen des Landes. Verfügt über ein riesiges Spa sowie einen hoteleigenen Reitstall für Ausritte:  www.altagracia.aubergeresorts.com
  • Macaw Lodge, in der Übergangszone zwischen Trocken- und Regenwald mit einem 107 Hektar grossen Naturreservat. Setzt voll auf die Karte Nachhaltigkeit, Nutzung der Sonnenenergie. Keine Elektrizität in den Bungalows. In der Nähe des Carara Nationalparks: www.macawlodge.com
  • Rancho Humo Estancia, Eco-Boutique-Hotel am Rio Tempisque, Nicoya, Guanacaste. Aussergewöhnliches, privates Feuchtgebiet kann auch auf eigene Faust besichtigt werden – falls man sich weder vor Krokodilen noch für einer Boa constrictor fürchtet. Ein Muss für Vogelbeobachter: www.ranchohumoestancia.com
  • Lagarta Lodge, First Class Hotel in Nosara (Pazifik) in Schweizer Besitz, im Januar 2017 neu eröffnet, mit hoteleigenem, 35 Hektaren grossem Naturschutzgebiet, eine Mischung aus Mangroven- und Trockenwald. Tolle Elektrobootsfahren auf dem Rio Nosara und dem Rio Montana. www.lagartalodge.com
  • Xandari Resort, Prima Villa, in Alajuela, nahe San José Flughafen. Ein würdiger Abschluss mit seinem grossen, hoteleigenen Park und einem schönen Spa. www.xandari.com

Als 24-Jähriger kam der Berner Daniel Küng (49) erstmals nach Costa Rica. Und blieb. Er gründete die Reiseagentur Ara-Tours, beschäftigt heute 60 Festangestellten, dazu saisonal bis zu 70 Reiseleiter. Damit ist er Marktführer im deutschsprachigen Raum.

Daniel Küng (49), Reiseveranstalter in Costa Rica

Daniel Küng (49), Reiseveranstalter in Costa Rica
http://www.coopzeitung.ch/Costa+Rica Daniel Küng (49), Reiseveranstalter in Costa Rica

Coopzeitung: Nennen Sie mir drei Gründe, warum ich die beschwerliche Reise von der Schweiz nach Costa Rica auf mich nehmen sollte, um hier Ferien zu machen.
Punkt 1 ist klar: die grandiose Natur, in der Sie sich hier bewegen können. Costa Rica ist kein Land, in dem man während der ganzen Ferien einfach rumliegt und ab und zu mal ein paar Züge im Meer schwimmt.

Sondern?
Man wandert, beobachtet die Natur, bikt, macht Riverrafting, Kanuausflüge. Noch einmal zur Natur: Die ist dermassen üppig, glaube ich manchmal selber nicht. Ich halte viele Vorträge und war zum Beispiel an der Fespo, an der Messe für Ferien und Reisen. Wenn ich da von der Natur in Costa Rica erzähle, glauben die Leute immer, ich übertreibe – selbst wenn ich ihnen Bilder oder Filme zeige.

Punkt 2?
Die Costa Ricaner, die Ticos, wie sie sich selber bezeichnen, sind authentische, freundliche, nette Menschen, die keine Show abziehen, wie dies zum Beispiel häufig in den Staaten der Fall ist. Und Punkt 3: Als Tourist hinterlässt man einen positiven Abdruck. Man kann sich gut fühlen, wenn man hier war, weil man weiss, dass das Geld im ganzen Land verteilt wird. Da profitieren die Leute, die hier wohnen und das Geld geht nicht an einen Hauptsitz am andern Ende der Welt.

Bei einem zwölfstündigen Anflug einen positiven ökologischen Fussabdruck zu hinterlassen ist absolut unmöglich.
Klar, der Flug ist das grosse Problem. Aber Sie können eine CO2-Kompensation kaufen. Die kostet pro Flug und Person 30 Dollar. Das Geld kommt in einen staatlichen Fond, und damit werden dann zum Beispiel Aufforstungen finanziert.

Sie leben seit 23 Jahren in Costa Rica.
Ja, ich hatte ja in der Schweiz einen Traumjob: Ich musste für einen Reiseanbieter neue Zielgebiete auskundschaften. Damals waren das Vietnam, Südafrika und eben Costa Rica. 1992 kam ich als 24-Jähriger zum ersten Mal ins Land. Ein ausgewanderter Schweizer führte mich herum – es war das Paradies.

Und dann sind Sie gleich geblieben?
Nein, ich ging noch einmal kurz zurück um am 19. Januar 1994 definitiv nach Costa Rica zu kommen. Ich erinnere mich: Es war eiskalt und verschiedene Flüge wurden annulliert.

Wie haben Sie sich auf die Auswanderung vorbereitet?
Die Zelte in der Schweiz abzubrechen war kein seriöser, gut vorbereiteter Entscheid. Aber ich war jung, ungebunden und ohne Verpflichtungen: Wenn ich gescheitert wäre, wäre ich einfach zurück in die Schweiz gegangen. Aber es gefiel mir in Costa Rica. Und ich hatte ein Ziel: Ich kam mit der Absicht, eine Agentur aufzumachen. Das war sehr wichtig. Auswanderer, die mit einem Ziel kommen, mit einem Plan, mit ganz konkreten Vorstellungen, haben in der Regel Erfolg. Wer aber einfach den schönen Strand sieht oder vor irgendetwas davonläuft, hat mehr Mühe – nach vier Monaten ist auch der schönste Strand nicht mehr so interessant.

Und da hatte man ausgerechnet auf Sie gewartet?
Das nicht, aber der Zeitpunkt war perfekt, wir rannten offene Türen ein – sowohl bei der Reisebranche, die wie gesagt neue Ziele suchte, alsauch hier in Costa Rica, wo man gerade begann, einen eigenen Tourismus aufzubauen, einen Tourismus mit der Nachhaltigkeit als oberster Prämisse.Es gab erst ganz wenige Hotels, und die waren alle an der Küste.

Nachhaltiger Tourismus – was muss ich mir darunter vorstellen?
Hotels in Costa Rica werden zum Beispiel nicht nur mit Sternen ausgezeichnet, sondern auch mit Blättern. Da kommen die Prüfer mit einer Liste von 150 Punkten und noch viel mehr Unterpunkten. Je mehr Kriterien ein Hotel erfüllt, desto mehr Blätter bekommt es. Und da ist es mit Rezyklieren nicht getan. Da sind auch soziale Sachen, die Hotels müssen lokal einkaufen oder selber im eigenen Garten anbauen, sie müssen prioritär lokale Lieferanten und Handwerker berücksichtigen und vieles mehr. Und auch Agenturen wie die unsere werden zertifiziert.

Welchen Kriterien müssen Sie denn genügen?
Für eine Agentur bedeutet dies, dass sie zum Beispiel prioritär mit zertifizierten Hotels zusammenarbeiten muss – was wiederum den Druck auf die Hotels erhöht. In unseren Büros mussten wir beispielsweise auch alle Glühbirnen auswechseln, die Airkondition rausreissen und durch Pflanzen ersetzen, wir verwenden lokal produziertes Bananenpapier oder betreiben eine Recycling-Annahmestelle für das ganze Quartier; da bringen sie uns alles: von Büchsen über Papier bis zu Glühbirnen.

Das kostet ...
Ja, wir brauchen pro Jahr etwa 20000 Dollar, um unsere fünf Blätter zu behalten.

Nun hört man ja an allen Ecken und Enden, wie ökologisch und umweltbewusst die Bevölkerung hier ist. Die Plastikflaschen an den Stränden sprechen aber eine andere Sprache.
Das stimmt natürlich. Aber in 20 Jahren den Geist der ganzen Bevölkerung umzuwandeln, ist enorm schwierig. Eigentlich unmöglich. Ein Beispiel: Die Alten haben gelernt, dass Wasser unendlich ist. Das muss man erst aus ihren Köpfen kriegen und ihnen plausibel erklären, warum es sinnvoll ist, den Wasserhahn zuzudrehen. Als ich kam, warfen die Leute alles, aber wirklich alles aus dem Bus. Das hat sich enorm verändert. Die Jungen wachsen mit einem ganz anderen Bewusstsein für die Natur auf.

Tragen Sie sich mit dem Gedanken, irgendwann wieder zurück in die Schweiz zu ziehen?
Sag niemals nie – aber das ist überhaupt nicht geplant. Ich habe 2006 eine Costa Ricanerin geheiratet und seit zwei Jahren bin ich Doppelbürger. Ich sehe im Moment keinen Grund, irgendwann in die Schweiz zurückzukehren.

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Martin Zimmerli
Veröffentlicht:
Montag 20.03.2017, 11:00 Uhr

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