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Sabines Garten: Darauf ist Verlass

Sie überstehen auch die ärgste Sommerhitze und verzeihen uns sogar, wenn wir sie während den Ferien vernachlässigt haben: Auf mehrjährige Gemüse ist immer Verlass.

Und jetzt zurück in den Garten! Die kleine Handschaufel reicht vorerst, um ein bisschen Ordnung zu schaffen, das gröbste Unkraut zu entfernen und die Erde zwischen Tomaten, Kohl und Salaten etwas zu lockern. Das ist nun auch nötig. Denn ich war ein paar Tage weg diesen Sommer. Und mehr als die Fensterkästen giessen wollte ich niemandem zumuten. Also habe ich meine Pflanzen auf die Probe gestellt. Sie halten ja im Allgemeinen viel mehr aus, als man ihnen zutraut. Dabei habe ich einmal mehr festgestellt, wie wunderbar die mehrjährigen Gemüse sind. Die vernachlässige ich ja sogar, wenn ich da bin.

Meine Artischocken und Kardy haben jedenfalls noch nie Wasser gekriegt, und jäten muss man dort auch nicht, die verteidigen ihren Platz ganz gut selber. Die Topinambur kriegen sowieso nie etwas, rein gar nix kriegen die, und wuchern doch wie blöd. Ebenso der Knollenziest. Ach Knollenziest, mir scheint, je mehr man ihn vernachlässigt, umso mehr breitet er sich aus, Knollenziest hier und Knollenziest dort. Zum Glück schmecken die bleichen Knöllchen lecker. Und das Kraut fressen auch die Hühner gern. So soll er also von mir aus ruhig wuchern.

Auch den grünen Spargeln geht es gut. Wenn sie einmal Fuss gefasst haben, muss man nichts mehr tun, dann kann man sie einfach wachsen lassen, im Frühling ein bisschen ernten, und sie den Rest der Saison über vergessen. Sie sehen auch ganz hübsch aus mit ihrem meterhohen, filigranen Laub. Nein, grüne Spargeln sind überhaupt nicht kompliziert, einfach im Frühling die Wurzeln pflanzen. Oder sie selber aus Samen ziehen. Und dann etwa drei Jahre Geduld haben, bevor man mit Ernten beginnt. In Italien wächst der grüne Wildspargel ja von selber an den Hängen, und wird geerntet, wenn die Triebe noch ganz jung und zart sind. Ich hoffe, er möge sich auch in Twann ausbreiten, ein bisschen Mittelmeer am Bielersee. Für mediterrane Stimmung sorgt derzeit auch der mehrjährige Rucola, der sich sehr freimütig überall aussät, auf allen Wegen und in jeder Ritze blüht. Er ist ausgesprochen hart im Nehmen und hat bei mir in Biel sogar den letzten Winter bestens überstanden.

Und wenn wir schon bei den mehrjährigen, essbaren Gemüsesorten sind. Also Funkien. Ja, die gelten nämlich in Japan als Delikatesse! Ich habe einige stark wüchsige, sehr robuste Sorten (leider ohne Namen, ich habe ein paar Wurzelstücke geschenkt bekommen). In England wird vor allem die Sorte «Green Acres» als Gemüse angebaut. Jedenfalls wachsen auch meine namenlosen Funkien ganz problemlos und werden jedes Jahr grös-
ser, sodass ich jeweils einen Teil der Triebe ernten kann. Sie werden wie Spargeln zubereitet und schmecken auch ähnlich. Auch die Hosta lancifolia ist sehr wüchsig und unproblematisch, ich brauche sie als Bodendecker. Ihre Triebe sind etwas kleiner, aber sie lassen sich auch ernten. Und natürlich sind die Blüten der Funkien essbar! Sie sehen ja auch ausgesprochen hübsch aus.

Auch Bambus gehört zu den essbaren Pflanzen. Statt sich darüber aufzuregen, dass er zu sehr wuchert, im Frühling die jungen Sprossen für die Küche verwenden. Sie sind sehr vitaminreich und schmecken lecker! Und wenn wir mal wirklich fast verhungern sollten, weil wegen Ferienabwesenheit Kohl und Tomaten und Salate und Co. vertrocknet sind, ja, dann könnten wir immer noch die Lilien ausgraben. Die Knollen aller Liliensorten sind essbar. Ihre Knollen schmecken ähnlich wie Kartoffeln und werden auch so zubereitet. Da sie viel Stärke enthalten, werden sie in China auch zum Binden von Saucen verwendet. Insbesondere die Königslilien (Lilium regale), die Wildform Lilium brownii, die Tigerlilie (Lilium lancifolium) und die Pracht-Lilien (Lilium speciosum) werden in China als Gemüse angebaut. Und die Ureinwohner Nordamerikas haben seit jeher die wunderschöne Panther-Lilie (Lilium pardalinum) als Gemüse verwendet. Da sie sich bei mir nicht so wahnsinnig vermehren, hat es mich aber bisher gereut, sie zu verkosten, und bei gekauften Zwiebeln muss man unbedingt auch drauf achten, dass sie nicht mit Chemikalien behandelt sind. Ich würde also nur die selber vermehrten Lilien essen wollen, und das braucht halt ein bisschen Zeit, bis man eine ordentliche Portion beisammen hat.

Ertragreicher sind da natürlich die Rhabarber, die man auch ganz gut im Sommer pflanzen kann. Es gibt kaum eine dankbarere, pflegeleichtere Gemüsepflanze! Einmal pflanzen, und dann jahrzehntelang ernten – was will man mehr! Eine Spezialität, die ähnlich gehandhabt wird wie Rhabarber, ist übrigens der Meerkohl (Crambe maritima). Er wird riesig und bildet im Frühsommer wunderschöne weisse Blütenwolken. Geerntet werden aber die Stängel – und zwar, bevor er blüht. Da muss man sich also entscheiden. Bei mir heisst das, ein Jahr Blütenpracht, und ein Jahr Küchenschmaus. Und auch bei den Monatserdbeeren ist jetzt noch ein bisschen was zu holen. Insbesondere die «immertragende» Sorte Mara des Bois trägt meist Früchte bis in den Oktober hinein. Überhaupt ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um neue Erdbeeren zu pflanzen, sobald der Gemüsegarten wieder etwas aufgeräumt ist und ein paar Reihen frei geworden sind.

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Für den Juli

  • Spinat, Feldsalat, Mangold und japanische Salate wie Mizuna und japanischen Senf säen.
  • Erdbeeren pflanzen.
  • Herbsalate wie Endivien, Zichorien und Zuckerhut pflanzen.
  • Zwiebeln von Madonnenlilien und Kaiserkronen (Fritillaria imperialis) pflanzen.
  • Kohlweisslinge einsammeln. Blattläuse im Auge behalten.
  • Rosen mit Stecklingen vermehren – vor allem alte Sorten wie zum Beispiel Gallicas lassen sich gut selber vermehren.
  • Stauden wie zum Beispiel grosse Funkien nach der Blüte teilen und neu einpflanzen. Kompost beigeben.
  • Samen von den schönsten Sommerblumen ernten und trocknen.
  • Lavendel schneiden, wenn er verblüht ist.
  • Kernobst nach der Ernte schneiden.
  • Bei den Sommerblumen und Rosen Verblühtes immer gut herausschneiden. Balkonpflanzen pflegen und noch immer düngen.
  • Dahlien, Zinnien, Rudbeckien und andere Blumen zu Sträussen binden, geniessen, verschenken.
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Mit Sabine Reber

Wenn Sie unsere Gartenkolumnistin schon immer mal treffen wollten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Bei der Buchpremiere ihres neuen Romans «Die Falken und das Glück» wird sie in der Buchhandlung Haupt natürlich persönlich anwesend sein und ihre Bücher signieren. Es gibt auch einen Apéro und eine Lesung. Mittwoch, 29. August, 19 Uhr, Buchhandlung Haupt, Falkenplatz 14, Bern. Infos: www.blumenundworte.ch

Das Buch kann auch bestellt werden, für Fr. 28.40 plus 5.– Versandkosten unter: www.coopzeitung.ch/shop

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Sabine Reber

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Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Dienstag 31.07.2012, 16:13 Uhr

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