Darf es etwas Luxus sein?

Er: Für unsere verspätete Hochzeitsreise nach Venedig suche ich im Netz nach einem netten Hotelchen. Weil wir uns nach einigem Hin und Her auf zwei statt drei Nächte geeinigt haben, können wir uns nun ein etwas teureres Hotel leisten. Etwa das Haus, in dem George Clooney geheiratet hat? 

 
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Das Hotel Aman sieht spektakulär aus. Oder das Hotel des Bains am Lido, das schon Thomas Mann inspirierte? Wobei das Viertel mit der Kunstakademie auch spannend wäre. Sogar eine Luxusyacht kann man mieten, die praktisch direkt bei der Biennale vor Anker liegt. Ich kann kaum fassen, was es alles gibt – und wie viel das alles kostet! 

«

Was es alles gibt. Und was das kostet.»

Da schaut mir Schreiber über die Schulter: «Na, mein Reiseleiter, wirst du fündig?» Ich nicke und öffne ein paar Seiten mit prunkvollen Palazzi. Schreiber seufzt. Wusste ich es doch! Sie liebt Kitsch und Pomp. Stattdessen sagt sie: «Also, ein wenig einfacher darfs schon sein. Wir wollen doch nicht den ganzen Tag im Hotel verbringen. Wir brauchen nur was zum Pennen. Da gebe ich lieber mehr für gutes Essen aus. Ich hab gehört, dass es in Venedig ein Kloster gibt, in dem man wohnen kann. Also, das würde mich sehr reizen.»

Sie: Ich will die Zeit nicht im Hotel vertrödeln, sondern Venedig entdecken», erkläre ich Schneider, der uns allen Ernstes in einem 5-Sterne-Hotel unterbringen will, und präzisiere: «Wenn ich in einem Luxushotel wohne, mache ich keinen Schritt vor die Türe. Dann will ich jeden Rappen ausnutzen und geniessen.» «Du willst lieber in einer kargen Klosterzelle schlafen?» «Mir ist nur wichtig, dass die Unterkunft gut liegt, sauber und charmant ist.» «Das hat in Venedig eben seinen Preis.» «Aber wir wollen die Zeit dort doch nicht verschlafen ...» «Nicht? Also ein bisschen dachte ich schon, dass wir ...»

«

Wir brauchen doch keine Suite.»

«Aber dazu brauchen wir keine Suite.»  «Und auch kein Kloster!», sagt er etwas zu laut. Er erinnert sich wohl soeben an unsere Nächte in einem buddhistischen Kloster in der Toskana, wo an der Wand ein Zettel hing und mahnte: «Küssen verboten». «Gut, dann lassen wird das mit dem Kloster.» Er atmet auf und tippt auf der Tastatur herum, da erscheint ein Bild von einem hübschen Zimmer mit einer hübschen Terrasse an einem hübschen Kanal. Und gar nicht teuer. «Das gefällt mir», sage ich. «Mir auch», meint Schneider, «liegt aber nicht in Venedig, sondern am Spreewälder Kanal bei Berlin.»

 (Coopzeitung Nr. 41/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 05.10.2015, 12:27 Uhr

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