Darf es in der Familie laut werden?

Sie:

Leise Töne sind besser als laute. Doch um gehört zu werden, bedarf es auch mal einige Dezibel mehr. Besonders, wenn man gerade erst 14 geworden ist wie unsere Tochter. So junge Menschen müssen sich noch nicht gemässigt ausdrücken wie ein reifer Erwachsener – was im Übrigen weder mir noch Schneider in allen Fällen gelingt – sondern sie dürfen auch ruhig mal rumschreien. Das darf man nicht persönlich nehmen. Zudem ist laut werden viel besser als Türen knallen. Das habe nämlich ich mit 14 Jahren gemacht, und dabei ist die Jugendstilglasscheibe in unserer Münchner Altbauwohnung rausgekracht. Das gab dann – völlig zu Recht – richtig dicke Luft. 

Er:

Der Ton macht die Musik und eine angemessene Lautstärke hat viel mit Anstand zu tun. Einander anschreien oder pampig antworten – solche Ausdrucksformen will ich bei uns im Haus eigentlich gar nie hören. Eine amerikanische Studie hat ja bewiesen, dass zivilisierte Auseinandersetzungen mit ihren Eltern eine stabilisierende Wirkung auf Jugendliche habe. Wer mit seinem Nachwuchs also fundiert Streitgespräche führt, bringt ihnen mehr bei, als wenn er sie ohne Widerspruch in voller Lautstärke rumposaunen lässt und das Ganze dann auf wild gewordene Hormone schiebt.

 

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Er:

Türen knallen geht nicht, da bin ich mit Schreiber einig. Doch weshalb soll sich ein Teenager, wenn er unzufrieden ist und sich unverstanden fühlt, das nicht in normaler Lautstärke äussern? Wie sollen sie verstehen lernen, dass Lautstärke allein kein Argument ist? Nein. Die Sache ist ganz simpel: Mit seinen Eltern spricht man anständig. Umgekehrt natürlich auch. Für mich sind Dauermonologe von Müttern und Vätern gleichermassen inakzeptabel das Rumbrüllen von Teenagern. Wer immer nur laut wird, einschnappt oder Türen knallt, lernt leider nur schwerlich, zuerst nachzudenken, bevor man etwas fordert.

Sie:

Dass Studien alles belegen und bei Bedarf das gleiche widerlegen, ist nicht ungewöhnlich, aber durchaus praktisch. Gegen kultiviertes Streiten, wie es Schneider propagiert, habe ich nichts, aber ich teile seine Meinung nicht, dass man den Tonfall von Teenagern prinzipiell von Moll auf Dur umstellen muss. Besser ist, statt beim Absender am Lautstärkeregler zu drehen, bei sich einen Filter aktivieren. Ich zum Beispiel habe eingebautes Oropax im Ohr. Das zücke ich, wenn es um Unwichtiges geht. Bei wirklich wichtigen Themen wie Pünktlichkeit am Abend oder Wie-lange-darf-man-am-Handy-sein, sorge auch ich dafür, dass der Ton stimmt. Damit das Problem nicht im ohrenbetäubenden Getöse überhört, sondern gelöst wird.

Wer konnte Sie überzeugen?

↩︎

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