Mitten in den Kräuterfeldern: Vater Jürg zeigt Sohn David, wie das Basilikum gedeiht.

Das Basilikum aus den Alpen

In den Schweizer Alpen grasen nicht nur Kühe. Innovative Bauern bauen auch Pflanzen wie Basilikum oder Chili an, die man hier nicht vermuten würde. Und die später getrocknet in feinen Kräutermischungen landen.

Wenn ein Berner einen fragt, ob man eigentlich aus Hinterfultigen sei, dann ist das sprichwörtlich zu verstehen. Und nicht eben nett. Damit möchte er nämlich andeuten, dass man hinter dem Mond lebe. Das echte Hinterfultigen liegt etwa 26 Kilometer von der Stadt Bern entfernt. Ein bisschen ab vom Schuss zwar – doch hinter dem Mond leben die Menschen hier keineswegs. Ganz im Gegenteil. Die achtköpfige Familie Messerli, die einen Bio-Hof bewirtschaftet, steht mitten im Leben. Ihr Hof auf 800 Metern über Meer ist umgeben von stotzigen Hängen, die nicht gerade einfach zu bewirtschaften sind. So haben sich Claudia und Jürg Messerli, die seit elf Jahren nach biologischen Richtlinien arbeiten, verschiedene Standbeine geschaffen. Nebst der Haltung von Milchkühen, Rindern, Schafen, Hühnern und Eseln bewirtet die Familie mit «Schlaf im Stroh» Gäste. Und seit rund sieben Jahren bauen sie für die Därstetter Firma Swiss Alpine Herbs (SAH) Kräuter an.

Das Kräuterfeld liegt am Hang unterhalb ihres Hauses. In ordentlichen Reihen wachsen glattblättrige Petersilie, Basilikum und Cayennepfeffer. «Vor etwa acht Jahren habe ich im ‹Schweizer Bauer› einen Bericht über die SAH gelesen», erzählt Jürg Messerli. «Darin stand auch, dass sie noch weitere Lieferanten suchten.» So habe er sich gemeldet und kurz darauf mit dem Kräuteranbau begonnen. «Das erste Jahr klappte überraschend gut», sagt er. Doch es sei wie überall in der Landwirtschaft, «jedes Jahr ist wieder anders.»

Die Familie Messerli vor ihrem Haus in Hinterfultigen BE: Selina, Debora, Vater Jürg, Mathias, Mutter Claudia, Jonas und David. Auf dem Bild fehlt Lea.

Die Familie Messerli vor ihrem Haus in Hinterfultigen BE: Selina, Debora, Vater Jürg, Mathias, Mutter Claudia, Jonas und David. Auf dem Bild fehlt Lea.
http://www.coopzeitung.ch/Das+Basilikum+aus+den+Alpen Die Familie Messerli vor ihrem Haus in Hinterfultigen BE: Selina, Debora, Vater Jürg, Mathias, Mutter Claudia, Jonas und David. Auf dem Bild fehlt Lea.

Diesen Sommer machen ihm die starken Regenfälle zu schaffen. Erde wurde ausgeschwemmt, und wenn der Boden nach einem Gewitter wieder trocknete, war er oft steinhart und musste mühsam wieder aufgelockert werden. Dabei ist die Bewirtschaftung der Felder sowieso schon zeitintensiv. «Derzeit sind wir sehr viel am Jäten», erzählt der Bauer. Auch die sechs Kinder helfen mit. Und er selbst arbeite oft nach dem Abendessen auf dem Kräuterfeld weiter – «bis es zu dunkel ist, um noch etwas zu sehen.» Dennoch mache er die Arbeit gerne, sagt Messerli. Tagelanges Heuen mache ihm weniger Spass.

Und die Kräuter danken ihm die Überstunden. Fünf- bis sechsmal pro Saison kann er den Peterli schneiden und in Därstetten abliefern. Beim Basilikum sind es drei bis vier Schnitte. Da der Südländer frostempfindlich ist, sät Messerli ihn erst nach den Eisheiligen Mitte Mai an. Doch ist Basilikum nicht ein gar empfindliches Kraut für den Freilandanbau in der Schweiz? Schliesslich kämpfen viele Balkongärtner regelmässig ums Überleben ihres Topf-Basilikums. Jürg Messerli schüttelt den Kopf. «Basilikum hat Pfahlwurzeln. Wenn er also die Möglichkeit hat, tief in die Erde hineinzuwachsen, ist er recht widerstandsfähig.» Nur gegen den Hagel, der vor zwei Wochen das Bernbiet heimsuchte, konnten sie nichts ausrichten. «Das war kein schöner Anblick», erzählt Messerli und zeigt auf ein paar zerrissene Blätter. Doch zum Glück hätten sich die Pflanzen wieder einigermassen erholt; morgen möchte er sie nämlich schneiden und in Därstetten abliefern.

Ein Mitarbeiter der Swiss Alpine Herbs untersucht frischen Liebstöckel.

Ein Mitarbeiter der Swiss Alpine Herbs untersucht frischen Liebstöckel.
http://www.coopzeitung.ch/Das+Basilikum+aus+den+Alpen Ein Mitarbeiter der Swiss Alpine Herbs untersucht frischen Liebstöckel.

Därstetten im Simmental liegt etwa 45 Minuten Autofahrt von Hinterfultigen entfernt. Dort werden die Kräuter der Familie Messerli verarbeitet. Die Firma Swiss Alpine Herbs setzt seit 1991 auf Pflanzen, die im Kanton Bern nach Bio-Richtlinien angebaut werden – ein Grossteil davon im Alpgebiet. Nebst getrockneten Alpenkräutern, die zu diversen Mischungen und Kräutersalzen verarbeitet werden, stellen die 26 Mitarbeitenden auch Tees und Sirupe her, wie Betriebsleiter Martin Lüdi erzählt. Die Rohstoffe dafür kommen von insgesamt 
80 grösseren und kleineren Lieferanten.

Beim Betreten der Produktionshallen tritt einem ein würziger Duft in die Nase. Und bei einer Führung zeigt sich das Wundervolle: Kaum durchschreitet man die Tür zu einem weiteren Raum, duftet es wieder anders. Mal minzig, mal grasig, mal nach Blumen und mal nach Kräutern. Über ein Dutzend Kisten mit frischem Liebstöckel stapeln sich in der Halle mit den Trocknungsanlagen. Ein Mitarbeiter schaut die Kräuter durch und sortiert die sogenannten «Fremdpflanzen» aus. Dann gehts ab in die Schneidemaschine und weiter in die Trocknungsanlage. Denn sobald sie geschnitten sind, verlieren die Kräuter an Aroma. «Bei Temperaturen von 35 bis 38 Grad sind die Blätter innert etwa 24 Stunden trocken», so Martin Lüdi. «Ziel ist, die Kräuter so zu trocknen, dass sie möglichst wenig Farbe und Aroma verlieren.» Am schwierigsten sei dies bei Basilikum und Bärlauch. Basilikum habe eine natürliche wachsartige Schutzschicht, die die Pflanze vor dem Austrocknen schütze, und Bärlauchblätter enthielten sehr viel Wasser.

getrocknete Petersilie

getrocknete Petersilie
http://www.coopzeitung.ch/Das+Basilikum+aus+den+Alpen getrocknete Petersilie

Martin Lüdi kennt sich nicht nur mit der Trocknung der Kräuter aus, sondern auch mit deren Anbau. Bevor er vor 20 Jahren zur SAH kam, zog er auf dem elterlichen Hof selber Kräuter. Heute ist ihm wichtig, dass die Lieferanten nicht nur nach biologischen Richtlinien anbauen, sondern auch an der freien Luft. «Es wäre doch schade, wenn die schöne Landschaft durch Plastiktunnels verschandelt würde», sagt er.

Die Swiss Alpine Herbs ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass im Schweizer Alpenraum Chilis angebaut werden. «Der erste Firmenbesitzer hat in Guatemala Chilisorten gesehen, die auf 3000 Metern über Meer gewachsen sind», erzählt Martin Lüdi. «Diese hat er in die Schweiz mitgebracht und hier weitergezüchtet. Nach einigen Jahren hatten sie eine Alpenchilisorte, die perfekt an das hiesige Klima angepasst war.» Heute bauen sieben Bauern im Bernbiet die Chili- pflanzen an, deren Schoten den Kräutermischungen eine hübsche Schärfe verleihen. Ja, Basilikum und Chili aus den Alpen – das gibt es hinter dem Mond ganz sicher nicht!

Nur biologisch angebaute Kräuter aus dem Kanton Bern werden für die Kräutermischungen von Swiss Alpine Herbs verwendet. Auch die beiden Pro-Montagna-Mischungen Berg-Würzmischung für Kräuterbutter (Fr. 4.90/45 g) und Berg-Salatkräuter (Fr. 4.90/10 g) sind waschechte Berner. Vom Kaufpreis jedes Pro-Montagna-Gewürzes geht ein Beitrag an die Coop Patenschaft für Berggebiete. Passend auf den Herbst kommen ab Mitte September weitere Pro-Montagna-Produkte aus dem Simmental ins Coop-Sortiment: Raclette- und Fonduegewürz, Bergkräutersalz und Alpenchili (getrocknete Schoten).

www.coop.ch/promontagna

Kommentare (2)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Nicole Hättenschwiler
Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Dienstag 05.08.2014, 18:40 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?