Schwimmen im Geld: Die Annehmlichkeiten dieser Redensart können vergleichsweise nur wenige geniessen.

Das Geld zählt: Wie geht man richtig damit um?

Vom Geld, so scheint es, können wir nie genug kriegen. Und im Januar fehlt es uns regelmässig. Doch woher kommt es eigentlich? Und wohin wird es uns in Zukunft noch bringen?

Eigentlich ist das mit dem Geld ja  einfach: Wenn man es haben möchte, geht man arbeiten und spart sich vom Lohn ein Sümmchen zusammen. Und dann kann man sich kaufen, was man will! Diese schlichte Vorstellung scheint kindlich. Doch im Grunde stimmt sie. Diese Zusammenhänge sind ausserdem nicht schwer zu verstehen. Der Umgang mit Geld sollte also kein Problem sein. Möchte man meinen. Tatsache ist jedoch, dass sich viele Erwachsene nicht wirklich Gedanken machen über das liebe Geld.

So hat eine OECD-Studie in 30 Ländern ergeben, dass nur drei von fünf der befragten Personen überhaupt ein Budget erstellen. Noch weniger haben ein finanzielles Ziel, nämlich rund die Hälfte. Laut dem Bundesamt für Statistik leben 10,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung in einem Haushalt mit mindestens einem Kleinkredit beziehungsweise Konsumkredit. Kein Wunder also, wenn viele im Januar in ein Budget-Loch fallen. Dabei handelt es sich nicht um eine grundsätzliche Unfähigkeit. Der richtige Umgang mit Geld will einfach gelernt sein.

Dafür wollte Melanie Römer (24) etwas tun: Bei ihrer Arbeit hat die Sozialpädagogin festgestellt, wie wenig mit Kindern und Jugendlichen über Geld gesprochen wird. Ihre Cousine Ramona (36) suchte vergeblich nach einem Buch, um ihren Kindern den Umgang mit Geld beizubringen. So haben sie den kleinen Schneeleoparden Leo Schneepard entwickelt. In vier Bänden beleuchten sie verschiedene Aspekte des Geldes. Es geht um das Verdienen, Tauschgeschäfte, Sparbatzen und Spenden.

Ramona (l.) und Melanie Römer mit den Büchern von Leo Schneepard.

Ramona (l.) und Melanie Römer mit den Büchern von Leo Schneepard.
http://www.coopzeitung.ch/Das+Geld+zaehlt_+Wie+geht+man+richtig+damit+um_ Ramona (l.) und Melanie Römer mit den Büchern von Leo Schneepard.

Für Martin Spieler (53) ist der Umgang mit Geld das tägliche Brot. Der unabhängige Finanzexperte schreibt Geld-Kolumnen in mehreren Zeitungen und hat TV- und Radiosendungen. «Das Interessante dran ist ja, dass die Münzen und Noten selbst wenig wert sind. Doch wir haben uns darauf geeinigt, dass sie einen Wert haben.» Spieler betrachtet Geld mit nüchterner Distanz, für andere hingegen ist es unwiderstehlich: «Viele Leute tun dafür fast alles. Das gibt mir immer wieder zu denken. Denn das ist es nicht wert.» Auch das gehört offenbar zum richtigen Umgang mit Geld, dass man es wichtig nimmt – aber nicht zu sehr.

Eigentlich müssten wir prima mit Geld umgehen können, schliesslich existiert es schon lange. «Tauschmittel hat es immer gegeben», erklärt Martin Spieler. «Zuerst tauschte man direkt, ein Huhn gegen Früchte zum Beispiel. Geld hat den Vorteil, dass es unabhängiger macht. Man kann es gegen alles tauschen.» Münzen oder Schmuckstücke entwickelten sich schliesslich zu den beliebtesten Tauschmitteln. Etwa um 500 vor Christus wurden in Teilen Europas und in Asien erste Münzen geprägt. Schon damals gab es variable Wechselkurse und Schwankungen. Papiergeld wurde im 11. Jahrhundert in China erfunden. Und wie heute kam es wegen zu vielen gedruckten Noten zu Inflationen. Spieler: «Es gab früher sehr viele verschiedene Währungen, das machte den Handel kompliziert. Nun haben wir weniger.» Doch nicht unbedingt weniger Komplikationen. «Der Euro ist zum Beispiel eine politische Währung. Das führt dazu, dass er sehr unterschiedliche wirtschaftliche Bedürfnisse abdecken muss. Das kann eigentlich nicht funktionieren. Denn die Schuldenberge wachsen weiter. Das wird uns irgendwann einholen.» Offenbar haben auch Politiker mitunter Probleme im Umgang mit Geld und Schulden.

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Ein Drittel des Geldes darf mein Sohn ausgeben, ein Drittel wird gespart, ein Drittel gespendet.»

Ramona Römer (36) über die Regeln für selbst verdientes Geld für ihre Kinder.

Wird das Bargeld abgeschafft?

Dennoch verteilt sich das Geld in Europa heute wesentlich besser als früher, ist Spieler überzeugt. «Obwohl es noch grosse Unterschiede gibt, haben heute viel mehr Leute die Chance, Geld zur Seite zu legen, zum Beispiel fürs Alter. Und wir alle werden dafür mehr sparen müssen, über AHV und Pensionskasse hinaus.»

Ramona Römer sorgt ebenfalls vor und bringt auch ihrem sechsjährigen Sohn mit Leo Schneepard das Sparen bei: «Wie Leo malt er Bilder. Wenn Besuch kommt, kann er mal eines verkaufen. Das teilen wir auf», erzählt seine Mutter. «Ein Drittel darf er ausgeben, ein Drittel wird gespart, ein Drittel spenden wir.» So muss es laut Spieler sein: «Sparen Sie auch kleine Beträge, aber regelmässig, jeden Monat.»

Geld stinkt nicht: Das bedeutet, dass die Herkunft des Geldes keine Rolle spielt. Im heutigen Finanzsystem gilt dies aber nicht mehr.

Geld stinkt nicht: Das bedeutet, dass die Herkunft des Geldes keine Rolle spielt. Im heutigen Finanzsystem gilt dies aber nicht mehr.
http://www.coopzeitung.ch/Das+Geld+zaehlt_+Wie+geht+man+richtig+damit+um_ Geld stinkt nicht: Das bedeutet, dass die Herkunft des Geldes keine Rolle spielt. Im heutigen Finanzsystem gilt dies aber nicht mehr.

Das Sparschwein könnte trotzdem bald ausgedient haben. Immer wieder spricht man von der Abschaffung des Bargeldes. «Das kann bequem sein», so Martin Spieler. «Doch so wird alles nachverfolgbar und der gläserne Mensch Realität.» Er meint, dass in der Schweiz das Bargeld nicht verschwinden wird, weil hier die Privatsphäre eine grosse Rolle spielt. Und Sparen kann einfacher sein, wenn wir Münzen und Scheine tatsächlich in der Hand haben. Was besser ist, bares Geld oder virtuelles, ist somit schwierig zu sagen.

Bei den Kryptowährungen wie dem Bitcoin stellt sich diese Frage nicht. Es gibt sie nur digital. Martin Spieler: «Bei Kryptowährungen sind die Transaktionen zwar transparent – doch die Partner bleiben anonym. Für Leute, die etwas zu verbergen haben, sind sie ein Segen. Ich staune, dass der Gesetzgeber da nicht schon lange eingeschritten ist.» Von diesen virtuellen Währungen hat vor allem der Bitcoin grosse Sprünge gemacht: eine Wertsteigerung von mehreren Tausend Prozent in den letzten fünf Jahren. Sagenhaft. Muss man jetzt investieren? Spieler rät mit Nachdruck davon ab. «Die Währung hat keinen Substanzwert wie zum Beispiel eine Aktie von Swisscom, hinter der eine Firma steht.» So kann es mit einer Kryptowährung schnell aufwärtsgehen – aber genauso wieder bergab. «Man sollte lieber in Dinge investieren, die man versteht und die einen realen Wert haben.»

http://www.coopzeitung.ch/Das+Geld+zaehlt_+Wie+geht+man+richtig+damit+um_ Das Geld zählt: Wie geht man richtig damit um?
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Viele tun fast alles für Geld. Das gibt mir zu denken.»

Martin Spieler (53), von TV, Radio und seinen Geld-Kolumnen in mehreren Zeitungen bekannter unabhängiger Finanzexperte.

Es braucht mehr als nur Geld

Und wie geht es mit dem Geld weiter? Martin Spieler glaubt, dass verschiedene Formen nebeneinander existieren werden, elektronisches Geld, Bargeld, Kryptowährungen. Es gibt heutzutage auch Tauschkreise in der Schweiz, die ohne Geld funktionieren. Letzteres gehört ebenfalls zu einem guten Umgang mit Zahlungsmitteln: Man muss auch mal auf sie verzichten können. Nicht umsonst heisst es: «Geld allein macht nicht glücklich.» Der US-amerikanischen Comedian Danny Kaye präzisierte das auf seine Weise: «Es gehören auch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.»

Doch es braucht noch etwas mehr: stabile menschliche Beziehungen etwa. Auch das spielt bei Leo Schneepard eine grosse Rolle. Seine Eltern und seine ältere Schwester helfen ihm mit seinen Fragen und Zielen weiter. Das ist den beiden «Müttern» von Leo ebenfalls sehr wichtig. Melanie und Ramona Römer sind sich einig: «Es darf nicht nur um Geld gehen!» Der kleine Leo hat in ihrer Geschichte viele Freunde, die für ihn da sind und für die er genauso einsteht. Wie viel das wert ist, kann man freilich nicht mit Geld beziffern.

Zu Leo Schneepard
  

Das Budget im Griff

Ohne Planung kann es mit dem Geld böse Überraschungen geben. Die Budgetberatung Schweiz hilft beim Überblick.

Wieso ist der Kontostand im Januar so niedrig? Und wohin verschwindet eigentlich das viele Geld? Ohne Budgetplanung ist die Antwort auf diese Fragen schwierig. Wer hingegen die Ausgaben notiert, weiss Bescheid über seine finanziellen Möglichkeiten. Doch wie fängt man das an? Die Budgetberatung Schweiz weiss Rat. Auf der Webseite des gemeinnützigen Vereins, der von Coop unterstützt wird,  gibt es eine Fülle an Informationen zum Thema. Die Beispiele und Vorlagen sind an verschiedene Lebensumstände angepasst. So gibt es Formulare für Alleinerziehende, Studierende oder für Kinder und Jugendliche. Und eine App hilft zusätzlich, die Ausgaben im Blick zu halten.

Geld zum Fenster hinauswerfen: Das sollte man nicht tun und sein Geld auch sonst nicht sinnlos verpulvern. Lieber sparen. Oder spenden!

Geld zum Fenster hinauswerfen: Das sollte man nicht tun und sein Geld auch sonst nicht sinnlos verpulvern. Lieber sparen. Oder spenden!
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Wenn im Januar das Geld fehlt, können die Ausgaben für Geschenke ein Grund sein. Laut der Budgetberatung ist dieser Posten einer der am meisten unterschätzten Beträge. Ein weiterer Grund für Ebbe im Portemonnaie sind die Steuern. Wer sie Ende Jahr bezahlt, ist im Januar womöglich knapp bei Kasse. Auch dafür gibt es bei der Budgetberatung ein Merkblatt. 10 Prozent des Einkommens reichen oft nicht als Faustregel für den Steuerbetrag. Viele müssen mit 15 bis 20 Prozent rechnen. Am besten überweist man die Steuern monatlich.

Viele verlassen sich Ende Jahr auf den 13. Monatslohn. Doch es ist besser, ein Budget nur mit 12 Monatsgehältern zu erstellen. So bleibt eine Reserve. Apropos: Zwei bis vier Monatslöhne sollte man darüber hinaus immer auf der Seite haben.

Zur Budgetberatung
  

Rund 500'000 Menschen in der reichen Schweiz sind von Armut betroffen. Im Projekt «Luutstarch» der Young Caritas machen junge Musiker auf diesen Missstand aufmerksam:

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Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Heiner H. Schmitt, Christoph Kaminski, Classic Numismatic Group, zvg; Origami: Mechthild Ackermann; Illustration: Ruth Cortinas; Origami: Mechthild Ackermann;
Veröffentlicht:
Montag 15.01.2018, 08:34 Uhr

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