Das Glück dieser Erde

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Schreiber: Wir haben drei Rennmäuse, zwei Katzen, einen Hund. Unser Tierpotenzial ist ausgeschöpft. Doch nun sitzt mir ein Floh im Ohr: ein Pferd. Besser: ein Pferdeteil. Die Reitlehrerin meinte, dass wir eine Reitbeteiligung haben könnten. Ich bin ganz aufgeregt. Wir könnten reiten, so viel wir wollten. Wir könnten «unser» Pferd von der Koppel holen, ich würde Stunden nehmen und durch den Wald traben. Es wäre, als hätten wir ein Pferd, ohne dass wir eines haben müssen.

«

Wir werden zur Reiterfamilie»

«Du, ich überlege mir eine Reitbeteiligung.» – «Ist das was mit Doppelsattel?», fragt Schneider.
«Quatsch! Man beteiligt sich finanziell an einem Pferd, lernt es kennen und kann dafür reiten, wann man will.» – «Aha, wir werden stolze Besitzer eines Vorderfusses.» – «Das heisst Hufe.» – «Ein einhufiges Pferd?»
«Witzbold! Aber auch du könntest dann reiten. Wir alle könnten reiten. Das wäre doch ein tolles Familienprojekt. Wir werden zur Reiterfamilie!»
Er schüttelt den Kopf: «Das ist wieder mal ein typisches Schreiberprojekt – du willst etwas und zwingst die andern …». Nun muss ich ihn aber an die Kandare nehmen: «Ich zwinge euch doch nur zu eurem Vergnügen! Denn wie du weisst, liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde.»

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Schneider: Schreiber hat sich verguckt. Ich hingegen habe mit Pferden wenig am Hut. Die paar Reitererlebnisse in meinem Leben verliefen unglücklich. Einmal sass ich auf einem alten Zirkuspferd, das breiter war als lang. Ich bekam vom Spagat auf seinem Rücken den Krampf in den Oberschenkeln. Später ritt ich in Island aus. Man gab mir ein braves Pferdchen, das lieber am Wegrand graste, statt der Gruppe zu folgen und egal, wie viel Hü und Hott ich rief, es futterte einfach weiter. Irgendwann kam der Chef, sagte Hü und Hott und das Pferd trottete anständig mit. Ich spielte überhaupt keine Rolle. 

«

Pferde? Gar nicht mein Fall»

Und schliesslich musste ich mal für einen Filmbeitrag unter Schreibers Augen ein Riesenross satteln und zäumen. Ich brachte alle Riemen und Schnallen durcheinander, ebenso schwierig war es, das Pferd zu besteigen, weil es so hoch war. Pferde? Nicht mein Fall. Als Kind spielte ich jede freie Minute Fussball. Damals gab es für uns eine klare Mädchenhierachie: Die wirklich coolen Mädchen schauten uns beim Spiel zu, die gewöhnlichen waren im Turnverein und die uninteressanten gingen reiten.

Da unterbricht Schreiber meine Gedanken: «Wenn du nicht reiten willst, könntest du ja einfach nebenher spazieren.»

Dinnerlesungen mit den Kolumnisten

«Mein Leben als Paar» – die besten Kolumnen der letzten drei Jahre als Buch. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 16.10.2017, 16:49 Uhr

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