Das beste Land der Welt

Sie: Eine meiner liebsten Freundinnen, sie ist Schwedin, wie es meine Grossmutter war, wird pensioniert. Nun kehrt sie von München zurück nach Falun. Denn nach vierzig Jahren in Deutschland ist Schweden immer noch ihr Zuhause.

Und meines? Nach dreissig Jahren in der Schweiz? Als Münchnerin mit einem Viertelschwedenherz? Wo bin ich zu Hause? Fahre ich nach Bayern, sind das für mich Ferien. Mein Herz aber bleibt hier. Schneider ist da anders: Er hat immer wieder Sehnsucht nach Italien, der Heimat seiner Mutter. «Später würde ich gern in Portogruaro leben», kokettiert er oft. «Morgens auf die Piazza spazieren, den Tag mit einem Spritz feiern, abends ans Meer fahren und frische Muscheln essen. Che vita!»

«

Er weiss genau, für wen sein Herz schlägt.»

Wir haben viele Heimaten – doch nur ein Zuhause. Oder ist es andersherum: eine Heimat und viele Zuhause? Ist das Blut entscheidend, oder sind es Erfahrungen und Begegnungen? Wie auch immer! Doch wenn grosse Sportereignisse anstehen, wie jetzt die Europameisterschaft, frage ich mich, wohin ich gehöre: Zu Deutschland? Schweden? Der Schweiz? Die Antwort ist eindeutig. Und wenn es um Fussball geht, weiss auch Schneider genau, für wen sein Herz schlägt: für das beste Land der Welt!

Er: Schreiber versteht ein bisschen was von Fussball, so kennt sie mehr oder eher weniger die Abseitsregel. Und ihr Bruder fotografiert stets die Stars von Bayern München, deshalb haben unsere Töchter ein Foto von Xherdan Shaqiri mit persönlicher Widmung.

Unterdessen spielt Shaqiri nicht mehr in München, aber noch immer in der Schweizer Nationalmannschaft. Und Schreiber findet seinen Namen toll, denn das klinge wie Shakira, sagt sie, und die würde sie gerne mit der Nati auflaufen sehen. «Die könnte ganz toll die Schweizer Hymne singen», fügt meine deutsche Fussballexpertin an.
«Und das als Solo», ergänze ich.

«

Sie versteht etwas von Fussball.»

«Wieso?»
«Weil kaum ein Schweizer Spieler die Hymne mitsingt.»
«Schade», bemerkt Schreiber.
«Ich verstehe es», antworte ich. «Shaqiri, Xhaka, Rodriguez, Behrami, Seferovic und so weiter: Als Doppelbürger schlagen immer zwei Herzen in deiner Brust.»
«In meiner?»
«Nein, in jener unserer Spieler!»
«Und wieso verstehst du das?»
«Ich zum Beispiel hätte lieber für die italienische Nationalmannschaft gespielt», sage ich, worauf Schreiber laut loslacht: «Eine Entscheidung, die du bei deinen Fähigkeiten nie hättest treffen müssen.»
Verflixt: Schreiber versteht ja doch etwas von Fussball.

 (Coopzeitung Nr. 23/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 06.06.2016, 16:00 Uhr

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